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Fossile Hornmilbe im Bernstein erstmals untersucht

15.01.2009
Faszinierende Bilder aus dem Synchroton machen innere Strukturen sichtbar

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Einem Team aus deutschen und amerikanischen Biologen und Physikern unter der Leitung von Michael Heethoff (Abteilung für Evolutionsbiologie der Invertebraten an der Universität Tübingen) ist es gelungen, Bernstein-Mikrofossilien mit Synchrotron-Röntgen-Strahlen zu untersuchen und dabei erstmals auch innere Strukturen zu beschreiben.


Diese Ergebnisse wurden in der Januarausgabe des amerikanischen Fachblatts Journal of Paleontology veröffentlicht, deren Titelbild ein Röntgenbild der beschriebenen Hornmilbe ziert.

Über 15 Millionen Jahre ruhte ein kleiner Bernstein aus dem Harz einer längst ausgestorbenen Baumart (Hymenaea protera) in der El-Mamey Formation der Dominikanischen Republik, bis Anfang der 1990er Jahre amerikanische Wissenschaftler darin Kleinstfossilien aus der Gruppe der Hornmilben (Oribatida) entdeckten. Diese Milben gehören zu den Spinnentieren, und ihre ältesten Fossilien belegen, dass ihre Vertreter bereits im Devon vor etwa 380 Millionen Jahren auf unseren Planeten lebten - und bis heute leben. Man kennt bislang etwa 10.000 verschiedene Hornmilbenarten. Viele davon tummeln sich auch in heimischen Gefilden, und zwar in den Böden unserer Wälder in einer beeindruckenden Dichte von mehreren hunderdtausend Individuen pro Quadratmeter.

Die Wissenschaftler um Michael Heethoff wollten das dominikanische Kleinstfossil mithilfe von Röntgenstrahlen genauer untersuchen. Wegen der geringen Größe der Probe (nur knapp über 1 mm) sind hierzu besondere technische Einrichtungen notwendig, wie sie nur am Teilchenbeschleuniger der European Synchrotron Facility in Grenoble (Frankreich) zur Verfügung stehen. Die Wissenschaftler verwendeten die neue Methode der nicht-invasiven Phasenkontrast-Mikro-Computertomographie mit Synchrotron-Röntgen-Strahlen, um die im Bernstein eingeschlossene und bislang unbeschriebene Hornmilbe der Gattung Neoliodes vollständig zu rekonstruieren und als neue Art, Neoliodes dominicus, zu beschreiben. Hierbei konnten sie erstmals nicht nur die äußere Beschaffenheit der Tiere untersuchen, sondern auch herausfinden, was an inneren Organen nach der langen Zeit im Bernstein noch erhalten ist. So fanden sie heraus, dass das untersuchte Tier ein Weibchen ist und ein Ei mit einem Embryo in sich trägt.

Das Besondere bei den Untersuchungen war, dass Fossil und Bernstein keinen
Schaden nahmen, also wieder in Museumssammlungen überführt werden konnten und somit auch für künftige Forschung verfügbar sind. In den Museen der Welt lagern große Mengen von in Bernstein eingeschlossenen Kleinstfossilien, die meist sehr schlecht erforscht sind, da man die Proben bei der Untersuchung nicht zerstören möchte. Die Arbeit mit der Hornmilbe zeigt nun einen Weg auf, wie diese wertvollen Fossilien bezüglich ihrer äußeren und inneren Anatomie verlustfrei untersucht werden können.

Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Januarausgabe des amerikanischen Fachblatts Journal of Paleontology vor (Heethoff, M., Helfen, L., Norton, R. A.: Description of Neoliodes dominicus n.sp. (Acari, Oribatida) from Dominican amber, aided by synchrotron X-ray microtomography. J. Paleont. 83: 153-159).

Weitere Informationen:
Dr. Michael Heethoff
Zoologisches Institut
Abteilung für Evolutionsbiologie der Invertebraten
Tel.: 07071 2974832
Fax: 07071 294634
E-Mail: heethoff@gmx.de

EBERHARD KARLS UNIVERSITÄT TÜBINGEN
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit · Michael Seifert
Wilhelmstr. 5 · 72074 Tübingen
Tel.: 0 70 71 · 29 · 7 67 89 · Fax: 0 70 71 · 29 · 5566
E-Mail: michael.seifert@verwaltung.uni-tuebingen.de

Michael Seifert | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-tuebingen.de

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