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Fehlbildungen des Kopfes - Von den Kranken für die Gesunden lernen

14.05.2009
Prof. Dr. Wolfgang H. Arnold erforscht Fehlbildungen des Kopfes

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Prof. Dr. Wolfgang H. Arnold, Anatom an der Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, erforscht die Entwicklungsstörungen des Kopfes.


Die bekannteste, weil am häufigsten auftretende, ist die Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte: "Sie kommt bei einem von 1000 Neugeborenen vor, die können wir heute schon während der Schwangerschaft diagnostizieren. Wir können auch durch eine genetische Untersuchung der Eltern relativ sicher vorhersagen, wie hoch das Risiko für das Kind sein wird.

Diese Fehlbildung ist zumindest in den entwickelten Ländern heute gut zu behandeln. Doch nur ein Zehntel dieser Fehlbildung gehen auf genetische Ursachen zurück. Der Rest von etwa 90 Prozent entsteht durch Missbrauch von Alkohol, Zigaretten und Drogen oder Medikamenten sowie Umweltgiften", schockt Arnold die werdenden Mütter. Allerdings setzt er hinzu: "Den größten Schaden richten die Gifte in den ersten neun bis zehn Wochen an, dann, wenn viele Frauen von ihrer Schwangerschaft noch nichts wissen."

In dieser frühen Zeit der Entwicklung des Embryos werden die Nerven und alle Organe ausgebildet. Arnold beschreibt die Entwicklung als eine Abfolge von Schritten, die nicht gestört werden darf: "Insbesondere unser Großhirn scheint sehr anfällig bei der Entwicklung zu sein. Seine Entwicklung hängt sehr eng mit der Entwicklung des Gesichtes zusammen. Wir wissen noch nicht genau, was die Natur sich dabei gedacht haben könnte, aber den Zusammenhang kennen wir."

Arnold erforscht die Muster der Fehlentwicklungen an tot geborenen Embryonen. "Es gibt z.B. Föten, die zunächst zwei Augen angelegt haben, bei denen diese beiden Augen aber später in der Mitte des Gesichtes zu einem Auge zusammen wachsen." Diese Störung ist mit dem Leben nicht vereinbar, die Föten sterben bereits im Mutterleib. Was für die Frauen ein schreckliches Schicksal ist, ist für Arnold Gegenstand seiner Grundlagenforschung: "Ich kenne die Frauen nicht. Aber an den Feten können wir unterschiedliche Muster von Entwicklungsstörungen untersuchen und daraus lernen, wie die menschliche Entwicklung sich vollzieht. Wir sind allerdings noch sehr, sehr weit davon entfernt, aus diesem Wissen irgendeine Form von Therapie entwickeln zu können."

Zu seinem Forschungsthema in der Zahnmedizin kam der Mediziner Arnold, der selber Humanmedizin studierte, weil er als Anatom die Embryologie immer schon am liebsten unterrichtete. Als junger Gastprofessor bekam er in Kanada die einmalige Chance, solche Fehlentwicklungen zu untersuchen und blieb dabei. In seinem Arbeitszimmer umgeben ihn heute die Knochen und Schädel zahlreicher Tiere - vom großen Elefanten bis zur kleinsten Maus. Doch der menschliche Kopf hat es ihm am meisten angetan: "Die Entwicklungsstörungen laufen oft darauf hinaus, dass das Gesicht seine Mitte verliert. Der Kopf des Menschen ist nun mal symmetrisch und wenn diese Ordnung durchbrochen wird, führt das zu schwerwiegenden Fehlbildungen, die häufig mit dem Leben nicht vereinbar sind. Meine Forschung ist daher so etwas, wie die Suche nach der Mitte und woher der Organismus weiß, wo die Mitte ist."

Aufgrund seiner Forschungen über Entwicklungsstörungen des Kopfes bei Embryonen ist Prof. Dr. Wolfgang H. Arnold von der Universität Witten/Herdecke jetzt zum Präsidenten der Craniofacial Biology Group ernannt worden. Diese Arbeitsgruppe ist Teil der International Association for Dental Research, der mit mehr als 10.000 Mitgliedern weltweit größten wissenschaftlichen Gesellschaft innerhalb der Zahnmedizin. Als Präsident dieser Gruppe wird Prof. Dr. Wolfgang H. Arnold für die zwei international herausragende Tagungen 2010 in Washington und Barcelona verantwortlich sein.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Wolfgang Arnold, 02302/926-658, wolfgang.arnold@uni-wh.de

P.S. Die Universität Witten/Herdecke lädt am 17. Mai zum Tag der offenen Tür aller Fakultäten ein. Von 9 bis 19 Uhr gibt es Probeseminare, Diskussionsrunden sowie Gespräche mit Dozenten und Studierenden. http://www.uni-wh.de/tdot

Kay Gropp | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-wh.de/tdot
www.uni-wh.de

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