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Fatigue-Risiko versechsfacht - Schädel-Hirn-Trauma verursacht häufig krankhafte Müdigkeit

15.11.2012
Nach einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) leiden mehr als 60 Prozent der Patienten an ausgeprägter Müdigkeit, dem sogenannten Fatigue-Syndrom.

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Therapien gegen die krankhafte Erschöpfung nach einer SHT sind bisher weitestgehend unbekannt. Klinische Neurophysiologen untersuchen Betroffene daher im Schlaflabor. Als Ursachen des erhöhten Fatigue-Risikos nach einem SHT stehen Depressionen, Angstzustände und Schlafstörungen zur Debatte. Neue Studien weisen darauf hin, dass auch ein verkürzter REM (Rapid Eye Movement)-Anteil im Schlaf und eine verminderte Melatonin-Produktion eine Rolle spielen könnten.

Eine Therapie mit diesem Hormon kombiniert mit einer Verhaltenstherapie oder einer Lichttherapie, halten Experten der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) daher für vielversprechend.

Patienten mit Fatigue-Syndrom verarbeiten Informationen nur langsam. Vor allem nach geistiger Anstrengung klagen sie über Müdigkeit, sie können sich nur schwer konzentrieren oder motovieren. „Die Müdigkeit, die Menschen nach einem Schädel-Hirn-Trauma erleben, ist selten physischer Art sondern mental“, erklärt die DGKN-Expertin Professor Dr. med. Sylvia Kotterba, Direktorin der Klinik für Neurologie, Ammerland- Klinik, Westerstede. Während Betroffene körperliche Anstrengung wie etwa eine Stunde Gartenarbeit problemlos absolvieren, erschöpft sie eine Stunde Denkarbeit, etwa das Lösen eines Sudoku-Rätsels absolut. Im Gegensatz zu anderen Nebeneffekten der Hirnverletzung, wie etwa Kopfschmerzen, bleibt die krankhafte Erschöpfung oft dauerhaft bestehen. Sie ist der Hauptgrund, warum Betroffene nicht Vollzeit zurück in ihren Job gehen.


Auch Menschen ohne SHT klagen über Fatigue. „Jedoch versechsfacht ein Schädel-Hirn-Trauma das Fatigue-Risiko“, sagt die DGKN-Expertin. Um den bislang weitgehend unbekannten Auslösern des Fatigue-Syndroms auf die Spur zu kommen, untersuchen klinische Neurophysiologen mit Hilfe der sogenannten Polysomnografie die verschiedenen Körperfunktionen während der Nacht und erhalten so eine präzise Diagnose. „Die Polysomnografie ermittelt aus der Messung der Hirnströme, der Spannung der Kinnmuskulatur sowie der Augenbewegung die Schlafstadien. Ferner werden Extremitäten-Bewegungen, Atmung und Sauerstoffsättigung registriert, so Kotterba, Mitglied der DGKN-Kommission für Polysomnografie.

So lieferte die Polysomnografie erste Anhaltspunkte, dass der Anteil der REM-Phasen im Schlaf bei THS-Patienten mit Fatigue-Syndrom vermindert war. „Diese Phase, in der die meisten Träume stattfinden, ist vermutlich wichtig für Lernprozesse und Stressbewältigung“, erklärt Kotterba. Gleichzeitig fand sich eine verminderte Produktion des Hormons Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus mitbestimmt. Durch ein SHT können Melatonin-bildende Zellen zerstört werden. Experten vermuten daher, dass eine Therapie mit diesem Hormon den Betroffenen helfen könnte. „Auch der Erfolg einer Lichttherapie muss überprüft werden“, sagt die Expertin für klinische Neurophysiologie. Vor allem kurzwelliges Licht verbessert die Wachheit, Stimmung und Aufmerksamkeit. In Kombination mit der schlafanstoßenden Wirksamkeit des Melatonins wird der Schlaf-Wach-Zyklus stabilisiert, die Tagesbefindlichkeit verbessert und somit Ängstlichkeit, Depression und Fatigue aber auch Einschlafneigung tagsüber vermindert.

Quelle:
“Fatigue and Sleep Disturbance Following Traumatic Brain Injury — Their Nature, Causes, and Potential Treatments”; J Head Trauma Rehabil, Vol. 27, No. 3, pp. 224–233, Mai/Juni 2012


Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Ärzte und Wissenschaftler in Deutschland, die auf dem Gebiet der klinischen und experimentellen Neurophysiologie tätig sind. Anliegen der DGKN ist es, die Forschung auf diesem Gebiet zu fördern sowie eine qualitätsgesicherte Aus-, Weiter- und Fortbildung zu garantieren. Zu diesem Zweck richtet die DGKN wissenschaftliche Tagungen, Symposien und Fortbildungsveranstaltungen aus. Sie erarbeitet Richtlinien und Empfehlungen für die Anwendung von Methoden wie EEG, EMG oder Ultraschall. Darüber hinaus setzt sich die DGKN für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein, indem sie etwa Stipendien und Preise vor allem für junge Forscher vergibt. Die Methoden der klinischen Neurophysiologie kommen Patienten bei der Diagnose und Therapie von neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer, Migräne, Epilepsie, Schlaganfall oder Multiple Sklerose zu Gute.

Kontakt für Rückfragen:
Pressestelle DGKN
Kathrin Gießelmann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981
Fax: 0711 8931-167
giesselmann@medizinkommunikation.org

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.dgkn.de

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