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Wissenschaftler der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), der University of Portsmouth und der Georgia State University stellen in der neusten Ausgabe des Online-Fachmagazins Current Biology überraschende, neue Ergebnisse aus der Evolutionsforschung vor. Die Publikation kann ab dem 4. Juni 2009 im Internet unter www.cell.com/current-biology eingesehen werden.
Lachen gehört zu den am weitesten verbreiteten emotionalen stimmlichen Ausdruckselementen in der Kommunikation des Menschen. Es kann Freude ausdrücken, Konflikte entschärfen und sozial ansteckend wirken, als hämischen Lachen aber auch dazu dienen, andere auszugrenzen. Lachen ist über alle Kulturkreise hinweg verbreitet und bereits Babys im Alter von vier Monaten, aber auch blind und gehörlos geborene Kinder können lachen. Deshalb wird angenommen, dass Lachen eine angeborene stimmliche Gefühlsäußerung darstellt.
Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam, bestehend aus Dr. Marina Davila Ross, Professor Dr. Michael Owren und Professorin Dr. Elke Zimmermann, ging deshalb in seinem Vorhaben den Fragen nach, inwiefern stimmliche Komponenten des Lachens menschspezifisch sind, ob auch Menschenaffen lachen können und wie weit sich Lachen dabei aus Vorstufen ableiten lässt, die bereits auf vormenschlicher Stufe ausgebildet waren.
Das Forscherteam zeigte, dass sich Lachen beim Menschen stimmlich dadurch von Menschenaffen unterscheidet, dass es überwiegend aus stimmhaften, melodischen Silben besteht, die beim Ausatmen generiert werden. Doch auch Menschenaffen können lachen. Sie äußern sowohl beim Ausatmen als auch beim Ein- und Ausatmen Serien von meist stimmlosen Kicher- oder Keckerlauten. In den langen Lautserien von Schimpansen und Bonobos werden sie erstmals auch stimmhaft und melodisch. Über graduelle Veränderungen der Stimmstruktur von Kitzellauten lässt sich das Lachen beim Menschen ableiten. Die Lautähnlichkeiten spiegeln dabei exakt die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den fünf Arten wider, die aus molekulargenetischen Stammbaumanalysen gut belegt sind. Aufgrund der neuen Forschungserkenntnisse kann Lachen damit bis zum letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffen, das heißt auf 10 bis 16 Millionen Jahren vor unserer Zeit zurückdatiert und seine Entwicklungsgeschichte rekonstruiert werden. Stimmliche Komponenten der Ur-Lachlaute wurden in der Evolution offensichtlich graduell verändert und verstärkt oder wieder zurückgebildet. Dies wird besonders auffällig nach der Abspaltung der Homininen-Linie von den Menschenaffen, als Lachen zu einem grundlegenden Werkzeug der menschlichen sozialen Kommunikation wurde.
Für ihre Untersuchungen haben die Wissenschaftler mit einem Kitzelreiz, das Lachen bei Kindern sowie Kitzellaute bei Jungtieren von den vier großen Menschenaffenarten, Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos ausgelöst. Diese Laute wurden über computerspektrografische Methoden physikalisch charakterisiert, um artspezifische Unterschiede im stimmlichen Ausdruck zu erfassen und Besonderheiten von artübergreifenden Ähnlichkeiten zu trennen. Die so in ihrer Stimmstruktur quantifizierten Laute aller fünf Arten wurden anschließend einer stammesgeschichtlichen Analyse unterzogen. Über 800 Laute mit je elf verschiedenen Stimm-Merkmalen von insgesamt 25 Kindern und Jungtieren der verschiedenen Arten gingen in diese Analyse ein. "Es ist damit das umfangreichste Datenmaterial, das bisher vergleichend zum emotionalen stimmlichen Ausdruck bei Menschenaffen und Menschen erhoben wurde" sagt Dr. Marina Davila Ross, Wissenschaftlerin vom Centre for the Study of Emotion an der Universität Portsmouth und frühere Doktorandin im Promotionsprogramm des Zentrums für systemische Neurowissenschaften in Hannover. Professorin Dr. Elke Zimmermann, Direktorin des Instituts für Zoologie der TiHo und Sprecherin der DFG-Forschergruppe Akustische Kommunikation von Affekten und Initiatorin dieser Studie ergänzt: "Und es ist die einzige Untersuchung, die unter vergleichbaren Bedingungen Menschen und alle vier großen Menschenaffenarten in vergleichbarem Alter einbezogen hat. Ohne die vielfältige Unterstützung zoologischer Gärten und einem Rehabilitationszentrum für Orang-Utans in Malaysia sowie Eltern im privaten Umfeld wäre eine solche Untersuchung nicht möglich gewesen".
Dabei war es nicht immer einfach, Institutionen, die Menschenaffen züchten, zur Mitarbeit anzuregen, denn Menschenaffen gehören zu den am stärksten von der Ausrottung bedrohten Affenarten. Deshalb mussten besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um eine mögliche Gesundheitsgefährdung der Tiere durch die Forscher auszuschließen. Dass sich die Mühen gelohnt haben, belegen die Ergebnisse der Studie.
Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Elke Zimmermann
Institut für Zoologie
Tel: (05 11) 9 53-87 640
E-Mail: elke.zimmermann@tiho-hannover.de
Sonja von Brethorst | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.cell.com/current-biology
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