Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Erlanger Mediziner züchten Zellen aus Nabelschnurblut

18.12.2008
Goldmedaille der Union of European Neonatal and Perinatal Societies (UENPS) für Forscher aus der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher): Prof. Dr. Holm Schneider, Leiter der Molekularen Pädiatrie, gelang zusammen mit Dr. Jung Park und weiteren Mitarbeitern der Nachweis, dass sich aus Nabelschnurblut Knochen-, Knorpel-, Skelettmuskel- und Herzmuskelzellen züchten lassen.

Anzeige

"Diese Zellen könnten z. B. für den Verschluss von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, der häufigsten angeborenen Fehlbildung, genutzt werden. Ersatzgewebe aus dem eigenen Nabelschnurblut würde betroffenen Kindern zusätzliche Operationen ersparen", sagte Prof. Schneider. "Die Aufbewahrung von Nabelschnurblut bietet zudem die einmalige Chance, diesen lebendigen Rohstoff für die Medizin der Zukunft zu bergen."


In mehrjähriger Forschungsarbeit am Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin lieferte die Erlanger Forschergruppe überzeugende Beweise, dass Nabelschnurblut auch so genannte mesenchymale Stammzellen enthält. Diese Stammzellen ließen sich anhand charakteristischer Oberflächenmarker isolieren, im gewünschten Ausmaß vermehren und in Knochen-, Knorpel-, Skelettmuskel- und Herzmuskelzellen differenzieren. "Da sie ohne Risiko für Mutter und Kind aus dem Abfallprodukt Nabelschnurblut gewonnen und wegen ihres geringen biologischen Alters als besonders hochwertig angesehen werden, gilt diesen Stammzellen ein wachsendes Interesse der regenerativen Medizin", so Prof. Schneider.

Seit längerem schon werden Stammzellen aus Nabelschnurblut erfolgreich zur Therapie von Blutkrebs eingesetzt. Nach Ansicht des Experten könnten sie künftig aber auch in der Behandlung von Volkskrankheiten wie koronarer Herzkrankheit, Arthrose oder Parkinson eine wichtige Rolle spielen. Die Forschergruppe an der Kinderklinik untersucht außerdem, ob bestimmte Zellen aus dem Nabelschnurblut zur Verringerung von Hirnschäden beitragen können, die durch Sauerstoffmangel bei der Geburt entstehen. Viele weitere medizinische Anwendungsmöglichkeiten zeichnen sich ab; die Palette reicht von Organverletzungen nach Unfällen bis hin zum Schlaganfall.

Für seine Forschungsarbeit erhielt Prof. Schneider jetzt den 1. Preis und die Goldmedaille der UENPS auf dem Internationalen Kongress der Union of European Neonatal and Perinatal Societies in Rom. Der Arbeitstitel hieß "Strengthening the link between perinatology and regenerative medicine: Differentiation of CD133(+) cord blood stem cells into mesenchymal lineages by cell-cell contacts with mesenchymal cells".

Lebenslange Lagerung im Uni-Klinikum Erlangen möglich
Eine von drei Einrichtungen in Deutschland, in denen Stammzellen sowohl zur Spende als auch zur Eigennutzung eingelagert werden können, ist die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen (Leiter: Prof. Dr. Reinhold Eckstein). Im Uni-Klinikum lagern die Stammzellen aus Nabelschnurblut von Kindern aus ganz Deutschland bei -196°C in flüssigem Stickstoff. Die Stammzellen werden nach dem normalen Abnabeln im Kreißsaal aus dem Restblut der Nabelschnurblutgefäße gewonnen. Nach bisherigem Wissenstand können die Zellen über Jahrzehnte, wenn nicht sogar für das ganze Leben, funktionsfähig bleiben.

Weitere Infos: www.transfusionsmedizin.uk-erlangen.de.

Prof. Dr. Holm Schneider
Tel.: 09131/85-33775
holm.schneider@uk-erlangen.de

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel "familiengerechte Hochschule".

Ute Missel | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-erlangen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen
22.05.2012 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

nachricht Der nukleare GAU ist wahrscheinlicher als gedacht
22.05.2012 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Meilenstein in der Nanopartikel-Forschung: Nanopartikel-Testhandbuch setzt Standards


Unter Federführung der Empa erscheint ein neues Standardwerk, das die europäische Forschung an Nanopartikeln vereinheitlichen soll.

Exakte Laborvorschriften zur Herstellung definierter Nanopartikel und zu deren Analytik stellen die Arbeiten auf diesem Gebiet auf eine neue Grundlage und machen sie erstmals vergleichbar. Herausgeber ist Harald Krug, Leiter des Empa-Departements «Materials meet Life».

Das neue Standardwerk soll Schluss machen mit dem «babylonischen Sprachgewirr», das derzeit noch in der Nanoforschung ...

Im Focus: Frühdiagnostik bei Rheuma: SPECT zeigt Knochenveränderungen schon im Frühstadium


Bei rheumatischen Erkrankungen erlauben moderne bildgebende Verfahren weit mehr als nur die Darstellung der knöchernen Gelenkstrukturen.

Mit funktionellen Untersuchungsmethoden wie der hochauflösenden Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT) können pathologische Knochenumbauvorgänge bereits sehr früh nachgewiesen werden, mitunter schon zu einem Zeitpunkt, zu dem selbst die MRT-Diagnostik noch unauffällig ist. Eine Studie der Universitätsradiologie Düsseldorf, die jetzt auf dem 93. Deutschen Röntgenkongress vorgestellt wurde.

In der Rheumatologie hat sich in den letzten ...

Im Focus: Rizinusöl wirkt über einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor


Wirkmechanismus eines der ältesten Arzneimittel der Menschheit aufgeklärt

Rizinusöl ist vor allem als effektives Abführmittel bekannt, wurde aber auch bereits in der Antike bei Schwangeren zur Förderung der Wehentätigkeit eingesetzt.

Erst jetzt ist es Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung gelungen, die entscheidenden Details des Wirkmechanismus zu entschlüsseln. Verantwortlich ist demnach ein Rezeptor mit dem Namen EP3 auf ...

Im Focus: Gelenkige Schildkröte - Zwei neue Arten der Landschildkröte Kinixys in Afrika entdeckt


Pünktlich zum morgigen Weltschildkrötentag wird die Artenliste der Panzerträger um zwei Namen reicher.

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam zwei neue Arten der afrikanischen Gelenkschildkröte identifiziert. Die zugehörige Studie ist kürzlich im Fachjournal „Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research“ erschienen.

Gelenkschildkröten sind die Bewegungskünstler unter den landlebenden Schildkröten. Aufgrund eines Scharniers im Rückenpanzer können die in Afrika ...

Im Focus: Wichtige Rolle bei der Steuerung der postnatalen Neurogenese nachgewiesen


Eine Forschungsgruppe der Universität Ulm hat einen neuartigen molekularen Schalter im Gehirn identifiziert, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung der postnatalen Neurogenese im Gyrus dentatus spielt, der Unterregion im Hippocampus, in der lebenslang Nervenzellen aus neuralen Stammzellen gebildet werden.

„Unsere Untersuchungen beschreiben erstmals einen neuen und letztlich unerwarteten Signalweg bei der Regulation der Neurogenese im Hippocampus“, sagt Professor Stefan Britsch, Direktor des Instituts für Molekulare und Zelluläre Anatomie, der die Arbeit dieser Tage gemeinsam mit Dr. Ruth Simon im international renommierten Fachblatt EMBO-Journal veröffentlicht. An dem von der Deutschen ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen

22.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Researchers Improve Fast-Moving Mobile Networks

22.05.2012 | Kommunikation Medien

New microscope uses rainbow of light to image the flow of individual blood cells

22.05.2012 | Medizintechnik

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Bericht zum Lachsmanagement: Die BLE auf der NASCO-Jahrestagung

22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Plagiate und wissenschaftliches Fehlverhalten

22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Der IdeenPark weckt Begeisterung für Technik

22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp