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Das Sonnenbad dient Eidechsen nicht bloß zur Wärmeregulierung, sondern schützt sie auch vor Vitamin-D-Mangel.
Das berichten Zoologen der Texas Christian University in der Zeitschrift Physiological and Biochemical Zoology. "Pantherchamäleons können ihre internen Vitamin-D-Werte scheinbar selbst messen und die Dauer des Sonnenbads darauf abstimmen", so Studienleiter Kristopher Karsten.
Die Reptilien steuerten die Anregung ihrer Vitaminproduktion im Experiment selbst und mit gleicher Präzision wie die Berechnungen der Wissenschaftler. Das könne ein Hinweis sein für die Existenz eines Rezeptors für Vitamin D im Gehirn der Echsen, vermutet der Forscher.
Um ihre Vermutung zu überprüfen, verabreichte man einer Gruppe Chamäleons eine Fressportion Grillen, die mit Vitamin-D-Pulver präpariert waren. Im Anschluss stellte man sie in einem Freigehege vor die Wahl zwischen einer Fläche mit praller Sonneneinstrahlung und einem schattigen Plätzchen.
In Beobachtungen konnte bestätigt werden, dass sich die Tiere anders verhielten als Kontrolltiere ohne Spezialkost. Denn obwohl bei allen Chamäleons ein mehrmaliger Wechsel zwischen Sonne und Schatten üblich ist, suchten die Reptilien nach dem Grillenverzehr viel eher den Schatten als ihre vitaminarmen Artgenossen. Letztere kompensierten ihren Vitaminmangel durch längeres Sonnenbad.
Die Sonnenstrahlung liefert zum einen Wärme, zum anderen Licht. "Als wechselwarme Tiere sind Reptilien auf die Erwärmung von außen angewiesen, um die Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Dadurch kommen sie mit einer weitaus geringeren Energieaufnahme durch die Nahrung aus als Säugetiere", erklärt der Tierarzt Kornelis Biron im Gespräch mit pressetext. Tagaktive Reptilien wärmen sich in der Regel am Vormittag durch ein ausgiebiges Sonnenbad auf, fressen am Nachmittag und legen sich abends wieder auf heiße Steine, von denen auch nachtaktive Tiere ihre Wärmeenergie beziehen. "Da Asphalt ein solcher Wärmespeicher ist, werden viele Eidechsen auf der Straße überfahren", so Biron. Bleibt die nötige Wärmezufuhr aus, reduzieren die Tiere ihre Körperfunktionen wie Bewegung oder Verdauung auf ein Minimum.
Zusätzlich zu dem für uns sichtbaren Spektrum können die meisten Reptilien durch spezielle Zapfen im Auge auch UVA-Strahlung wahrnehmen. "In Gefangenschaft ist es daher für das Wohlbefinden der Tiere notwendig, sie mit Licht in diesem Wellenlängenbereich zu versorgen", betont Biron. Wichtiger sei jedoch die Versorgung mit UVB-Strahlung, da durch diese Vitamin D3 gebildet werden kann, das den Kalziumstoffwechsel erst ermöglicht. Vitaminpräparate seien hierfür keine gute Lösung, so der Reptilienspezialist. "Die orale Zuführung ist zu ungenau und bei vielen Arten scheint die Verwertung so nicht möglich zu sein."
Die bessere Alternative sei es, den Tieren die eigene Steuerung des Blutkalziumspiegels zu ermöglichen, wofür es auf das Zusammenspiel von Vitamin D3 und anderen Hormonen ankomme. "Gerät dieses Gleichgewicht aus den Fugen, kommt es zu schwerwiegenden Stoffwechselstörungen, unter denen die Knochenerweichung Rachitis die bekannteste ist", so Biron. Er empfiehlt Reptilienhaltern, in den Terrarien spezielle Lampen mit UVB-Leistung zu verwenden. Da die wenigsten als Reptilienlampen verkauften Leuchtmittel diese Leistung jedoch erbringen würden, sollte man bei bestimmten Tieren auf die Strahlkraft der Sonne setzen. "Glas lässt UV-Licht nicht passieren, daher gibt eine Besonnung durch das Fenster oder durch Terrarienscheiben wenig Sinn. Das ist mit ein Grund dafür, dass man etwa Europäische Landschildkröten ausschließlich im Freien halten sollte", so der Düsseldorfer Tierarzt.
Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: www.tcu.edu
www.reptilientierarzt.de
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