Anzeige
Für den Nachbau der hauchdünnen Dickdarmwand im Zellkultur-Modell zur Untersuchung chronischer Darmentzündungen wurden heute drei Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und der Universität des Saarlandes ausgezeichnet.Verbraucherschutz „zur Förderung methodischer Arbeiten mit dem Ziel der Einschränkung und des Ersatzes von Tierversuchen“.
Professor Claus-Michael Lehr und seine Mitarbeiterinnen Dr. Eva-Maria Collnot und Fransisca Leonard teilen sich mit einem weiteren Preisträger den mit 15.000 Euro dotierten Tierschutz-Forschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz „zur Förderung methodischer Arbeiten mit dem Ziel der Einschränkung und des Ersatzes von Tierversuchen“. Lehr leitet die Abteilung „Wirkstoff-Transport“ am HIPS in Saarbrücken, einer Außenstelle des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI).
Laut Gesetz müssen Wirkstoffe für die Medikamentenentwicklung zunächst an Tieren getestet werden, bevor sie zu einem Einsatz am Menschen kommen. Gleiches gilt für neue Therapie- und Diagnoseverfahren. Um den Einsatz von Tierversuchen bei der Entwicklung geeigneter Medikamente gegen entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis jedoch so weit wie möglich einzuschränken, haben Professor Claus-Michael Lehr und sein Team die Darmwand im Labor nachgebaut: Ein alternatives Zellkultur-Modell ermöglicht es, die Prozesse bei Darmerkrankungen besser zu verstehen und dabei die Wirkung von entzündungshemmenden Medikamenten direkt an menschlichem Gewebe zu untersuchen. Auf Grundlage verschiedener humaner Zelltypen dient das neue dreidimensionale Modell nicht nur der Reduktion von Tierversuchen, sondern kann auch Kosten und Zeit bei der Entwicklung neuer Medikamente einsparen. Im vergangenen Juni erhielten die drei Wissenschaftler für diesen Ansatz bereits den Tierschutz-Forschungspreis des Landes Rheinland-Pfalz.
„Die Auszeichnungen in diesem Jahr für unsere Arbeiten auf dem Gebiet zell- und gewebebasierter in vitro Modelle, mit denen wir uns seit über zehn Jahren systematisch beschäftigen, bestärken uns sehr, diesen Ansatz auch in Zukunft weiter zu verfolgen und auszubauen“, sagt Claus-Michael Lehr.
Das Besondere am gezüchteten Kunstdarm ist die Kombination aus Schleimhaut-Zellen, die den gesunden Darm simulieren, mit menschlichen Immunzellen und entzündungsstimulierenden Stoffen. So können die Forscher kontrolliert entzündliche Vorgänge im Darmmodell auslösen und neue Wirkstoffe parallel an vielen gleichartigen Proben testen. Dabei können sie auch direkt verfolgen, was genau in den Zellen passiert. Da es sich um menschliche Zellen handelt, entfallen die bei den sonst hierzu eingesetzten Tiermodellen die problematischen Speziesunterschiede.
Die Abteilung „Wirkstoff-Transport“ arbeitet zurzeit daran, die Modelle weiter zu miniaturisieren und sogar mehrere biologische Barrieren in einem Modell zu kombinieren.
Der Preis:
Der Forschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz „zur Förderung methodischer Arbeiten mit dem Ziel der Einschränkung und des Ersatzes von Tierversuchen“ wird seit 1980 für wissenschaftliche Arbeiten ausgeschrieben, die einen Beitrag zur Weiterentwicklung pharmakologisch-toxikologischer Untersuchungsverfahren leisten. Die Arbeiten sollen auch auf den biologischen Aussagewert der Ergebnisse für den Menschen eingehen. Die diesjährige Preisverleihung erfolgte durch den Parlamentarischen Staatssekretär Peter Bleser im Rahmen des Forums Verbraucherschutz des Bundesinstituts für Risikobewertung zum Thema „Schutz der Versuchstiere – Welche Rolle spielt das Refinement?“.
Die prämierte Forschungsarbeit:
Originalpublikation: „A Three-Dimensional Coculture of Enterocytes, Monocytes and Dendritic Cells To Model Inflamed Intestinal Mucosa in Vitro”. Fransisca Leonard, Eva-Maria Collnot, and Claus-Michael Lehr. Molecular Pharmaceutics, Vol. 7, Nr. 6, 2103-2119.
Weitere Informationen:
Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern.
www.helmholtz-hzi.de
Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland:
Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) ist eine Außenstelle des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und wurde gemeinsam mit der Universität des Saarlandes im Jahr 2009 gegründet. Wo kommen neue nachhaltige Wirkstoffe gegen weit verbreitete Infektionen her, wie kann man diese für die Anwendung am Menschen optimieren und wie werden sie am besten durch den Körper zum Wirkort transportiert? Auf diese Fragen suchen die Forscher am HIPS mit modernsten Methoden der Pharmazeutischen Wissenschaften Antworten.
www.helmholtz-hzi.de/HIPS
Die Fachrichtung Pharmazie an der Universität des Saarlandes
Das Forschungsprofil der Fachrichtung Pharmazie an der Universität des Saarlandes reicht vom Verständnis pathophysiologischer Prozesse über die Entwicklung und Entdeckung neuartiger Arzneistoffe und Leitstrukturen (sowohl synthetischen als auch natürlichen Ursprungs) bis hin zum Arzneistofftransport über biologische Membranen. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Indikationsgebieten Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entzündung und oxidativer Stress. Wie das CHE-Ranking 2006 zeigte, nimmt die Pharmazie der Universität des Saarlandes gleich mehrere Spitzenplätze in der Kategorie "Forschungsleistungen" ein.
www.uni-saarland.de, Fakultät 8
Information des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Tier/Tierschutz/Tierschutzforschungspreis.html
Ansprechpartner am HIPS:
Dr. Markus Ehses
Tel.: 0681 302-70305
E-Mail: markus.ehses@helmholtz-hzi.de
Dr. Andreas Fischer | Quelle: Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen: www.helmholtz-hzi.de
Weitere Berichte zu: Darmentzündung > Darmerkrankung > Dickdarmwand > Ersatzes > Forschungspreis > Helmholtz-Institut > Helmholtz-Zentrum > HIPS > HZI > Infektionsforschung > Kulturschale > Medikament > Morbus Crohn > Pharmazie > Tierschutz-Forschungspreis > Tierversuch > Wirkstoff > Zellkultur-Modell
Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen
22.05.2012 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel
Der nukleare GAU ist wahrscheinlicher als gedacht
22.05.2012 | Max-Planck-Institut für Chemie
Unter Federführung der Empa erscheint ein neues Standardwerk, das die europäische Forschung an Nanopartikeln vereinheitlichen soll.
Exakte Laborvorschriften zur Herstellung definierter Nanopartikel und zu deren Analytik stellen die Arbeiten auf diesem Gebiet auf eine neue Grundlage und machen sie erstmals vergleichbar. Herausgeber ist Harald Krug, Leiter des Empa-Departements «Materials meet Life».
Das neue Standardwerk soll Schluss machen mit dem «babylonischen Sprachgewirr», das derzeit noch in der Nanoforschung ...
Bei rheumatischen Erkrankungen erlauben moderne bildgebende Verfahren weit mehr als nur die Darstellung der knöchernen Gelenkstrukturen.
Mit funktionellen Untersuchungsmethoden wie der hochauflösenden Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT) können pathologische Knochenumbauvorgänge bereits sehr früh nachgewiesen werden, mitunter schon zu einem Zeitpunkt, zu dem selbst die MRT-Diagnostik noch unauffällig ist. Eine Studie der Universitätsradiologie Düsseldorf, die jetzt auf dem 93. Deutschen Röntgenkongress vorgestellt wurde.
In der Rheumatologie hat sich in den letzten ...
Wirkmechanismus eines der ältesten Arzneimittel der Menschheit aufgeklärt
Rizinusöl ist vor allem als effektives Abführmittel bekannt, wurde aber auch bereits in der Antike bei Schwangeren zur Förderung der Wehentätigkeit eingesetzt.
Erst jetzt ist es Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung gelungen, die entscheidenden Details des Wirkmechanismus zu entschlüsseln. Verantwortlich ist demnach ein Rezeptor mit dem Namen EP3 auf ...
Pünktlich zum morgigen Weltschildkrötentag wird die Artenliste der Panzerträger um zwei Namen reicher.
Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam zwei neue Arten der afrikanischen Gelenkschildkröte identifiziert. Die zugehörige Studie ist kürzlich im Fachjournal „Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research“ erschienen.
Gelenkschildkröten sind die Bewegungskünstler unter den landlebenden Schildkröten. Aufgrund eines Scharniers im Rückenpanzer können die in Afrika ...
Eine Forschungsgruppe der Universität Ulm hat einen neuartigen molekularen Schalter im Gehirn identifiziert, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung der postnatalen Neurogenese im Gyrus dentatus spielt, der Unterregion im Hippocampus, in der lebenslang Nervenzellen aus neuralen Stammzellen gebildet werden.
„Unsere Untersuchungen beschreiben erstmals einen neuen und letztlich unerwarteten Signalweg bei der Regulation der Neurogenese im Hippocampus“, sagt Professor Stefan Britsch, Direktor des Instituts für Molekulare und Zelluläre Anatomie, der die Arbeit dieser Tage gemeinsam mit Dr. Ruth Simon im international renommierten Fachblatt EMBO-Journal veröffentlicht. An dem von der Deutschen ...
Anzeige
Anzeige

Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen
22.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
Researchers Improve Fast-Moving Mobile Networks
22.05.2012 | Kommunikation Medien
New microscope uses rainbow of light to image the flow of individual blood cells
22.05.2012 | Medizintechnik
Bericht zum Lachsmanagement: Die BLE auf der NASCO-Jahrestagung
22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Plagiate und wissenschaftliches Fehlverhalten
22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Der IdeenPark weckt Begeisterung für Technik
22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten