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In den letzten 10 Jahren hat eine neue Familie von Tumor-assoziierten Proteinen das Interesse von Wissenschaftlern und Klinikern geweckt. Diese wachsende Gruppe von Proteinen - sie umfasst im Moment etwas weniger als 100 Mitglieder - wird auf Grund ihrer Verteilung im normalen wie malignen Gewebe als Cancer/Testis Antigen-Familie bezeichnet.
Im normalen Gewebe werden diese Proteine fast ausschließlich in den Keimzellen des Hodens (Testis) nachgewiesen. Zusätzlich werden diese Proteine in unterschiedlichen Mengen in verschiedenen Tumoren gefunden. Viele Patienten mit solchen Tumoren entwickeln eine spezifische humorale oder zelluläre Immunantwort gegen diese Proteine. Die Hoffnung der Wissenschaftler ist daher, dass Cancer/Testis Antigene Zielstrukturen für eine gegen den Tumor gerichtete Immuntherapie sein könnten.
Im Zentrum des Forschungsprojektes steht das neue Cancer/Testis Antigen 45 (CT45), welches von der Arbeitsgruppe um Dr. Heidebrecht in Kiel mit einem neuen monoklonalen Antikörper identifiziert wurde. Dieses Protein ist in gesunden Geweben nur in den Keimzellen des Hodens nachweisbar. Die meisten Tumore exprimieren dieses Protein ebenfalls nicht oder nur zu einem sehr geringen Prozentsatz. Ausnahme sind Hodgkin-Lymphome sowie einzelne Keimzelltumore. In einer größeren retrospektiven Untersuchung an Patienten mit Hodgkin-Lymphomen zeigte sich, dass der Verlauf der Krankheit bei Patienten mit CT45-positivem Tumoren schwerwiegender war als bei der Kontrollgruppe.
CT45 ist in sogenannten "Nuclear Speckles" in Zellkernen nachweisbar. Diese subnukleären Interchromatin-Strukturen sind besonders reich an Vorläufern von Boten-RNS und "Splicing" Faktoren und werden daher mit der Transkriptionskontrolle in Verbindung gebracht. Über die Funktion von CT45 in normalen oder malignen Zellen gibt es bisher allerdings keine Informationen. Ein Schwerpunkt des Forschungsprojektes wird daher sein, diese fehlende Information zu erarbeiten. Dazu wird CT45 in Tumorzellen selektiv durch RNS-Interferenz ausgeschaltet. Neben verschiedenen zellbiologischen Analysen werden moderne biochemische Verfahren eingesetzt. Die kürzlich in der Arbeitsgruppe Molekulare Immunologie unter Leitung von Prof. Janßen etablierte Technik der differenziellen zweidimensionalen Gelelektrophorese (2D-DIGE) erlaubt einen direkten Vergleich der Proteinmuster von CT45-positiven und -negativen Zellen oder Kernextrakten. Die unterschiedlich regulierten Proteine können ausgestanzt und massenspektroskopisch identifiziert werden. Sie sollen Informationen und Hinweise erbringen, in welche Signalwege CT45 eingreift.
Die prognostische Bedeutung einer CT45-Expression wird in einer neuen retrospektiven Studie an gut dokumentierten Kolonkarzinomen untersucht. Vorarbeiten ergaben, dass etwa 10% dieses epithelialen Tumortyps CT45 exprimieren. Krankheitverläufe und Überlebenszeiträume von Patienten mit CT45-positiven Karzinomen werden mit entsprechenden CT45-negativen Kohorten verglichen. Außerdem werden in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kliniken am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Seren von Patienten mit CT45-positiven Tumoren auf eine mögliche CT45-spezifische humorale Immunantwort (CT45-spezifische Immunglobuline) untersucht. Dies soll klären, ob CT45 möglicherweise auch als Zielstruktur für eine Immuntherapie geeignet sein könnte.
Kontakt:
Dr. Hans-Jürgen Heidebrecht, Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Schleswig Holstein Campus Kiel, E-mail: hheidebrecht@path.uni-kiel.de
Prof. Dr. Ottmar Janßen, Molekulare Immunologie, Institut für Immunologie, Universitätsklinikum Schleswig Holstein Campus Kiel, E-mail: ojanssen@email.uni-kiel.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.
Bernhard Knappe | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.sanst.de
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