Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Chemie muss stimmen – Pheromone für den „One-Night-Stand“ von Wespen

20.10.2010
Forscher klären Sexualverhalten von Wespen

Anzeige

Viele von uns haben es schon einmal erlebt: Aus der Ferne betrachtet wirkte unser Gegenüber noch ganz sympathisch, doch schon nach wenigen Atemzügen beschleicht einen das Gefühl, dass das erste Rendezvous wohl auch das letzte sein wird.


Aber auch wenn der Geruchssinn bei unserer Partnerwahl oft unbewusst mitwirkt, wird die von Patrick Süßkind in seinem Roman „Das Parfüm“ beschriebene Wunderdroge, mit der Jean-Baptiste Grenouille die Massen erotisierte, bei uns Menschen wohl niemals Realität werden.

Bei Insekten hingegen spielen Reize, die über den Geruchssinn wahrgenommen werden, oftmals eine entscheidende Rolle. So ist der Einsatz von so genannten Sexualpheromonen bei der nur etwa 2 mm großen Erzwespe Nasonia vitripennis von zentraler Bedeutung bei der Partnersuche.

Wie nun eine Gruppe von Forschern um Prof. Dr. Joachim Ruther vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg herausgefunden hat, ist die Reaktion auf solche chemischen Reize bei der Erzwespe allerdings auch maßgeblich von deren Paarungszustand abhängig. So ergaben Verhaltensuntersuchungen im Labor, dass ausschließlich jungfräuliche Weibchen von dem Duft der Männchen angezogen werden. Die attraktive Wirkung des Pheromons geht jedoch innerhalb weniger Minuten nach der Paarung verloren; verpaarte Weibchen meiden den Duft der Männchen sogar, wenn dieser in höheren Konzentrationen vorkommt.

Die attraktive Wirkung der Männchen geht von einem aus drei Komponenten bestehenden Sexualpheromon aus, das sie in ihrem Enddarm produzieren und über die Analöffnung durch tupfende Bewegungen ihrer Hinterleibspitze abgeben. Faszinierenderweise ist es ein weiteres Pheromon des sich paarenden Männchens, welches die Reaktion der Weibchen auf das Sexualpheromon praktisch abschaltet. Das Männchen trägt den – bisher noch nicht identifizierten – Stoff während der Balz aus einer oralen Drüse auf die Antennen des Weibchens auf, was bei diesem Paarungsbereitschaft auslöst und gleichzeitig dafür sorgt, dass es sich nicht mehr zu dem Duft anderer Männchen hingezogen fühlt. Stattdessen bevorzugen verpaarte Weibchen nun den Geruch von Fliegenpuppen, die sie zur Eiablage brauchen.

Von der durch den Sexualpartner hervorgerufenen Verschiebung der geruchlichen Vorlieben profitiert letztlich auch das Weibchen selbst, da nach der Paarung nur noch die erfolgreiche Eiablage für den Fortpflanzungserfolg wichtig ist. Weitere balzende Männchen würden dabei nur stören.

Die Ergebnisse der Regensburger Untersuchungen sind vor kurzem in der Online-Ausgabe der bekannten Fachzeitschrift „Animal Behaviour“ erschienen (DOI:10.1016/j.anbehav.2010.09.008). Ein weiterer Beitrag wird in Kürze im Wissenschaftsmagazin „Blick in die Wissenschaft“ veröffentlicht, das von der Universität Regensburg herausgegeben wird.

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Joachim Ruther
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-2151
Joachim.Ruther@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen
22.05.2012 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

nachricht Der nukleare GAU ist wahrscheinlicher als gedacht
22.05.2012 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Meilenstein in der Nanopartikel-Forschung: Nanopartikel-Testhandbuch setzt Standards


Unter Federführung der Empa erscheint ein neues Standardwerk, das die europäische Forschung an Nanopartikeln vereinheitlichen soll.

Exakte Laborvorschriften zur Herstellung definierter Nanopartikel und zu deren Analytik stellen die Arbeiten auf diesem Gebiet auf eine neue Grundlage und machen sie erstmals vergleichbar. Herausgeber ist Harald Krug, Leiter des Empa-Departements «Materials meet Life».

Das neue Standardwerk soll Schluss machen mit dem «babylonischen Sprachgewirr», das derzeit noch in der Nanoforschung ...

Im Focus: Frühdiagnostik bei Rheuma: SPECT zeigt Knochenveränderungen schon im Frühstadium


Bei rheumatischen Erkrankungen erlauben moderne bildgebende Verfahren weit mehr als nur die Darstellung der knöchernen Gelenkstrukturen.

Mit funktionellen Untersuchungsmethoden wie der hochauflösenden Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT) können pathologische Knochenumbauvorgänge bereits sehr früh nachgewiesen werden, mitunter schon zu einem Zeitpunkt, zu dem selbst die MRT-Diagnostik noch unauffällig ist. Eine Studie der Universitätsradiologie Düsseldorf, die jetzt auf dem 93. Deutschen Röntgenkongress vorgestellt wurde.

In der Rheumatologie hat sich in den letzten ...

Im Focus: Rizinusöl wirkt über einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor


Wirkmechanismus eines der ältesten Arzneimittel der Menschheit aufgeklärt

Rizinusöl ist vor allem als effektives Abführmittel bekannt, wurde aber auch bereits in der Antike bei Schwangeren zur Förderung der Wehentätigkeit eingesetzt.

Erst jetzt ist es Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung gelungen, die entscheidenden Details des Wirkmechanismus zu entschlüsseln. Verantwortlich ist demnach ein Rezeptor mit dem Namen EP3 auf ...

Im Focus: Gelenkige Schildkröte - Zwei neue Arten der Landschildkröte Kinixys in Afrika entdeckt


Pünktlich zum morgigen Weltschildkrötentag wird die Artenliste der Panzerträger um zwei Namen reicher.

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam zwei neue Arten der afrikanischen Gelenkschildkröte identifiziert. Die zugehörige Studie ist kürzlich im Fachjournal „Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research“ erschienen.

Gelenkschildkröten sind die Bewegungskünstler unter den landlebenden Schildkröten. Aufgrund eines Scharniers im Rückenpanzer können die in Afrika ...

Im Focus: Wichtige Rolle bei der Steuerung der postnatalen Neurogenese nachgewiesen


Eine Forschungsgruppe der Universität Ulm hat einen neuartigen molekularen Schalter im Gehirn identifiziert, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung der postnatalen Neurogenese im Gyrus dentatus spielt, der Unterregion im Hippocampus, in der lebenslang Nervenzellen aus neuralen Stammzellen gebildet werden.

„Unsere Untersuchungen beschreiben erstmals einen neuen und letztlich unerwarteten Signalweg bei der Regulation der Neurogenese im Hippocampus“, sagt Professor Stefan Britsch, Direktor des Instituts für Molekulare und Zelluläre Anatomie, der die Arbeit dieser Tage gemeinsam mit Dr. Ruth Simon im international renommierten Fachblatt EMBO-Journal veröffentlicht. An dem von der Deutschen ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen

22.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Researchers Improve Fast-Moving Mobile Networks

22.05.2012 | Kommunikation Medien

New microscope uses rainbow of light to image the flow of individual blood cells

22.05.2012 | Medizintechnik

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Bericht zum Lachsmanagement: Die BLE auf der NASCO-Jahrestagung

22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Plagiate und wissenschaftliches Fehlverhalten

22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Der IdeenPark weckt Begeisterung für Technik

22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp