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Der Lohn für die "Nanny-Dienste" ist der Zugang zu geschützten Laichplätzen - und die Möglichkeit, sich mit dem dominanten Männchen zu paaren.
Bei Buntbarschen helfen kleine, untergeordnete Fische (Helfer) einem grossen, dominanten Brutpaar, deren Jungtiere grosszuziehen. Dabei handelt es sich meist nicht um Verwandte. Eine Erklärung für dieses Verhalten besagt, dass die untergeordneten Fische bei der Aufzucht helfen, um im Territorium bleiben zu können - die sogenannte "pay to stay"-Hypothese. Dadurch erhalten die Helfer besseren Schutz vor Fressfeinden, als wenn sie alleine leben würden.
Somit überleben sie länger und haben höhere Chancen, selber einmal die dominante Brutposition zu "erben". Ein Forscherteam vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern und Kollegen der Ohio State University (USA) hat nun solche Gruppen von dominanten "Elternpaaren" und untergeordneten "Nannys" auf ihr Helferverhalten untersucht. Dabei fanden die Forschenden heraus, dass untergeordnete Buntbarschweibchen den Nachwuchs ihrer "Vorgesetzten" hüten, um sich selber besser fortpflanzen zu können. Dadurch relativiert sich die "pay to stay"-Hypothese, die von einem indirekten Vorteil ausgeht. Die Resultate der Studie wurden nun im Journal "Public Library of Science" publiziert.
"Nanny-Dienste" sind einseitig
Die Forschenden stellten in Aquarien verschiedene Gruppen von nichtverwandten Tieren zusammen und untersuchten sowohl bei dominanten wie auch bei untergeordneten Weibchen die mütterliche Brutpflege und den Fortpflanzungserfolg. Dabei zeigte sich, dass nicht nur die dominanten Weibchen, sondern teilweise auch die untergeordneten Fische eigene Gelege haben. Die Gelege der untergeordneten Weibchen wurden im Durchschnitt fünf Tage nach denjenigen der dominanten Weibchen gelegt.
Entgegen der Erwartungen der Forschenden gaben die dominanten Weibchen den untergeordneten aber nicht dieselbe Menge an Hilfe zurück, die sie selber erfuhren. Die dominanten Weibchen halfen ohne erkennbares Muster mehr oder weniger beim Hüten. Die Menge an erfahrener Hilfe hatte also keinen Einfluss auf die Hilfsbereitschaft der "Vorgesetzten". "Trotzdem leisten die untergeordneten Weibchen keine Gratisarbeit", erklärt Dr. Dik Heg vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. "Sie bekommen als Lohn nicht die Hilfe der dominanten Weibchen, sondern mehr Gelegenheit, eigene Gelege auszubrüten. Dabei sind diejenigen, die mehr helfen, am erfolgreichsten". Genauer: Sie erhalten Zugang zu guten Brutsubstraten wie einem geschützten, sauberen Ort, der für die Eiablage notwendig ist - und sie können die dominanten Männchen umwerben. Dadurch erhöht sich der Erfolg der eigenen Fortpflanzung.
"Unsere Resultate zeigen, dass bis anhin der Kurzzeiteffekt des Helferverhaltens - je mehr ich helfe, desto eher darf ich selber brüten - durch untergeordnete Weibchen übersehen worden ist", erläutert Heg. Somit korrigieren die Forschenden die bisherige "pay to stay"- Hypothese, die von einem indirekten Langzeiteffekt der Hütedienste ausging, wie dem längeren Überleben in der Gruppe und einem Aufrücken in der Hierarchie. Laut Heg hat das hilfreiche Verhalten der Weibchen - Männchen helfen übrigens kaum bei der direkten Brutpflege - unmittelbare Vorteile. Die Forschenden sprechen daher neu von "pay to reproduce" statt "pay to stay".
Quellenangabe:
Dik Heg, Eva Jutzeler, Jeremy S. Mitchell, Ian M. Hamilton: Helpful Female Subordinate Cichlids Are More Likely to Reproduce , PLoS ONE 4(5), Mai 2009 : e5458. doi:10.1371/
journal.pone.0005458
Nathalie Matter | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.unibe.ch
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