Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

BMBF-Projekt „CordiLux“ erforscht optisches Verfahren zur Früherkennung herzschädigender Arznei

15.09.2011
Neue Medikamente müssen vor ihrer Markteinführung auf Herztoxizität geprüft werden. Bisher fehlen hierzu Verfahren, die aussagekräftig und im Industriemaßstab durchführbar sind.

Anzeige


3-dimensionale Teilrekonstruktion einer erwachsenen Herzmuskelzelle, die mit einem optischen Sensor gefärbt wurde. Zu erkennen ist die komplexe, netzartige Struktur der Zellmembraneinstülpungen. Im Projekt „CordiLux“ werden die von der Zellmembran erzeugten elektrischen Signale mithilfe der optischen Sensoren in der Zellmembran aufgezeichnet. Im Übersichtsbild ist die gesamte Länge der Zelle dargestellt (Pfeillänge: ca. 1/8 mm), in der Detailabbildung ein winziger Teil der Zellmembran (Pfeillänge: ca. 1/50 mm).
Darstellung: Uni

Einen neuen Ansatz erforscht die Arbeitsgruppe des Homburger Zellbiologen Peter Lipp im Projekt „CordiLux“. Die Wissenschaftler verwenden isolierte Herzmuskelzellen und testen deren Reaktion auf neue Substanzen erstmals mittels einer optischen Methode. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird in Zusammenarbeit mit einem Firmenkonsortium durchgeführt, umfasst knapp vier Millionen Euro und wird vom Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit circa 2,5 Millionen Euro gefördert.

Davon fließen etwa 550.000 Euro an die Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes. Projektstart war am 1. Juli.

Medikamente können lebensbedrohliche Schäden am Herz hervorrufen, insbesondere wenn sie über längere Zeit hinweg eingenommen werden. Solche unerwünschten Nebenwirkungen sind einer der Hauptgründe dafür, dass bereits zugelassene Medikamente vom Markt genommen werden. Zwar müssen alle neuen Wirkstoffe seit 2005 auf eine mögliche herzschädigende Wirkung hin untersucht werden, doch die bisher verwendeten Hochdurchsatz-Tests sind wenig aussagekräftig, da sie lediglich an einem einzigen isolierten Eiweiß durchgeführt werden. Weitere Überprüfungen finden nicht statt, bevor die Substanzen im Tierversuch getestet werden.

Diese Lücke will das „CordiLux“-Konsortium schließen. Ihm gehören neben dem Institut für Molekulare Zellbiologie von Professor Peter Lipp auch die beiden saarländischen Firmen Pharmacelsus GmbH (Saarbrücken) und Phast GmbH (Homburg) sowie fünf weitere deutsche Firmen an. Von den etwa 2,5 Millionen Euro Projektförderung im Rahmen des BMBF-Forschungsschwerpunktes Biophotonik fließen etwa eine Million Euro ins Saarland. „Unser neuer Ansatz besteht darin, dass wir die Tests an adulten Herzmuskelzellen durchführen“, erklärt Lipp, der sich in Homburg seit 2002 mit den zellulären und molekularen Grundlagen von Herzkrankheiten beschäftigt. „Die isolierten Herzzellen, die in der Regel von Tieren stammen, reagieren nach Stimulation durch ein elektrisches Signals mit einer elektrischen Aktivität, die nahezu ebenso aussagekräftig ist wie das EKG des Herzmuskels.“ Damit könnten die Messungen an einzelnen isolierten Herzzellen dazu beitragen, die Zahl von Tierversuchen wesentlich zu verringern.

Auch methodisch geht das Wissenschaftler-Team, dem neben Zellbiologen und Biochemikern auch Physiker und eine Tierärztin angehören, neue Wege. Bisherige Methoden zur Messung der elektrischen Aktivität einer Zelle sind langwierig und für den industriellen Maßstab unbrauchbar. Im aktuellen Projekt nutzen die Forscher das Verfahren der Fluoreszenzmikroskopie. „Wir wollen die elektrische Aktivität der Herzzelle mit Licht messen, daher auch der Projektname CordiLux, also ‚Herzlicht’“, sagt Peter Lipp. Der Vorteil: „Eine optische Messung ist berührungslos möglich, und mit einer automatisierten Variante ließe sich ein sehr hoher Probendurchsatz erreichen.“ Die Zellen werden hierfür mit speziellen Fluoreszenzfarbstoffen eingefärbt, die als Sensoren wirken. „Das heißt, die Farbstoffe ändern ihre optischen Eigenschaften, wenn sich die elektrische Aktivität ändert“, erklärt Lars Kaestner, der Projektverantwortliche im Uni-Team. Bis zu eintausend Bilder pro Sekunde soll das Fluoreszenzmikroskop aufnehmen um damit den wichtigsten Messparameter, die Länge des elektrischen Zellsignals, exakt bestimmen können. „Damit wird es zum ersten Mal möglich sein, in Echtzeit und online zu beobachten, ob und wie Wirkstoffe Änderungen an der Herzzelle hervorrufen, die später zu tödlichen Herzschädigungen führen können“, sagt Kaestner.

Ziel der Wissenschaftler an der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni und der beteiligten Firmenpartner ist es, alle Arbeitsschritte von der Behandlung und Kultivierung der Zellen bis zur Bildauswertung in einem vollautomatischen Messgerät zu integrieren – ein Vorhaben, das die Bereiche der Zellbiologie, der optischen Bildgebung und -verarbeitung, der Soft- und Hardware-Entwicklung und der Robotik zusammenführt.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Institut für Molekulare Zellbiologie, Forschungsstelle für Molekulares Imaging und Screening
Prof. Dr. Peter Lipp
Tel. 06841 16-26103, E-Mail: Peter.Lipp@uniklinikum-saarland.de
Dr. Lars Kaestner
Tel. 06841 / 16-26149, E-Mail: lars_kaestner@me.com
Internet: http://www.lipplab.de

Informationen zum BMBF-Forschungsschwerpunkt Biophotonik:
http://www.biophotonik.org

Gerhild Sieber | Quelle: Universität des Saarlandes
Weitere Informationen: www.uni-saarland.de
www.biophotonik.org
www.lipplab.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen
22.05.2012 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

nachricht Der nukleare GAU ist wahrscheinlicher als gedacht
22.05.2012 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Meilenstein in der Nanopartikel-Forschung: Nanopartikel-Testhandbuch setzt Standards


Unter Federführung der Empa erscheint ein neues Standardwerk, das die europäische Forschung an Nanopartikeln vereinheitlichen soll.

Exakte Laborvorschriften zur Herstellung definierter Nanopartikel und zu deren Analytik stellen die Arbeiten auf diesem Gebiet auf eine neue Grundlage und machen sie erstmals vergleichbar. Herausgeber ist Harald Krug, Leiter des Empa-Departements «Materials meet Life».

Das neue Standardwerk soll Schluss machen mit dem «babylonischen Sprachgewirr», das derzeit noch in der Nanoforschung ...

Im Focus: Frühdiagnostik bei Rheuma: SPECT zeigt Knochenveränderungen schon im Frühstadium


Bei rheumatischen Erkrankungen erlauben moderne bildgebende Verfahren weit mehr als nur die Darstellung der knöchernen Gelenkstrukturen.

Mit funktionellen Untersuchungsmethoden wie der hochauflösenden Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT) können pathologische Knochenumbauvorgänge bereits sehr früh nachgewiesen werden, mitunter schon zu einem Zeitpunkt, zu dem selbst die MRT-Diagnostik noch unauffällig ist. Eine Studie der Universitätsradiologie Düsseldorf, die jetzt auf dem 93. Deutschen Röntgenkongress vorgestellt wurde.

In der Rheumatologie hat sich in den letzten ...

Im Focus: Rizinusöl wirkt über einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor


Wirkmechanismus eines der ältesten Arzneimittel der Menschheit aufgeklärt

Rizinusöl ist vor allem als effektives Abführmittel bekannt, wurde aber auch bereits in der Antike bei Schwangeren zur Förderung der Wehentätigkeit eingesetzt.

Erst jetzt ist es Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung gelungen, die entscheidenden Details des Wirkmechanismus zu entschlüsseln. Verantwortlich ist demnach ein Rezeptor mit dem Namen EP3 auf ...

Im Focus: Gelenkige Schildkröte - Zwei neue Arten der Landschildkröte Kinixys in Afrika entdeckt


Pünktlich zum morgigen Weltschildkrötentag wird die Artenliste der Panzerträger um zwei Namen reicher.

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam zwei neue Arten der afrikanischen Gelenkschildkröte identifiziert. Die zugehörige Studie ist kürzlich im Fachjournal „Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research“ erschienen.

Gelenkschildkröten sind die Bewegungskünstler unter den landlebenden Schildkröten. Aufgrund eines Scharniers im Rückenpanzer können die in Afrika ...

Im Focus: Wichtige Rolle bei der Steuerung der postnatalen Neurogenese nachgewiesen


Eine Forschungsgruppe der Universität Ulm hat einen neuartigen molekularen Schalter im Gehirn identifiziert, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung der postnatalen Neurogenese im Gyrus dentatus spielt, der Unterregion im Hippocampus, in der lebenslang Nervenzellen aus neuralen Stammzellen gebildet werden.

„Unsere Untersuchungen beschreiben erstmals einen neuen und letztlich unerwarteten Signalweg bei der Regulation der Neurogenese im Hippocampus“, sagt Professor Stefan Britsch, Direktor des Instituts für Molekulare und Zelluläre Anatomie, der die Arbeit dieser Tage gemeinsam mit Dr. Ruth Simon im international renommierten Fachblatt EMBO-Journal veröffentlicht. An dem von der Deutschen ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen

22.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Researchers Improve Fast-Moving Mobile Networks

22.05.2012 | Kommunikation Medien

New microscope uses rainbow of light to image the flow of individual blood cells

22.05.2012 | Medizintechnik

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Bericht zum Lachsmanagement: Die BLE auf der NASCO-Jahrestagung

22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Plagiate und wissenschaftliches Fehlverhalten

22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Der IdeenPark weckt Begeisterung für Technik

22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp