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Einem deutschen Forscherteam ist es gelungen, neue Marker für das biologische Alter des Menschens zu enthüllen. Dazu identifizierten die Forscher sogenannte Biomarker im Blut, die mit ansteigendem biologischen Alter zunehmen.
"Es ist sehr wichtig zu wissen, wie alt ein Mensch biologisch gesehen ist", erklärt Karl Lenhard Rudolph, Professor für Molekularmedizin an der Universität Ulm, im pressetext-Interview. Denn 70-Jährige können noch genauso fit sein wie ein 20 Jahre jüngerer Mensch und ein 40-Jähriger kann Gebrechen haben, die eigentlich erst im hohen Alter auftreten.
"Doch bisher gab es keine zuverlässigen und leicht zu bestimmenden Indikatoren, die uns angezeigt haben, in welche Richtung dieses Pendel ausschlägt", erläutert Rudolph.
Die Wissenschaftler machten sich bei ihrer Untersuchung zu Nutze, dass sich Telomere, die Endstücke der menschlichen Chromosomen, bei jeder Zellteilung um 50 bis 200 Basenpaare verkürzen. "Umso mehr Zellteilungen es gab, desto älter ist ein Mensch", erklärt Rudolph. Einhergehend mit der Verkürzung dieser Telomere konnten die Forscher feststellen, dass sich die Konzentration von Biomarkern im Blut erhöhte.
"Sehr spannend dabei war, dass vor allem bei kranken alten Menschen die Anzahl der Marker deutlich höher war als bei gleichaltrigen gesunden", sagt der Molekularmediziner. "Dadurch, dass kranke, gebrechliche alte Menschen ein höheres biologisches Alter haben, lag der Zusammenhang zwischen diesem und den Biomarkern auf der Hand." Zudem fanden Rudolph und sein Team heraus, dass die Biomarkerkonzentration nicht nur bei der Verkürzung der Telomere auftritt, sondern auch bei Schädigungen der DNA. "Sollten sich die ersten Ergebnisse bestätigen, könnten wir damit einen neuen Anzeiger für Schädigungen im Erbgut gefunden haben", meint der Ulmer-Wissenschaftler.
Mit den nun gewonnen Erkenntnissen hofft Rudolph auf zwei Einsatzgebiete. "Im klinischen Bereich wird es uns möglich sein, personalisierte Therapien zu entwickeln." Denn bei vielen älteren Patienten handle es sich bei Operationen oftmals um Kann-Entscheidungen, bei denen die Ärzte sich nicht sicher seien, ob die Patienten noch die Regenerationsfähigkeit aufbringen, um diese Operation gut zu überstehen.
"Wenn man das genaue biologische Alter und damit die Regenerationsfähigkeit eines Menschens kennt, wird das Risiko, dass er die Operation nicht überlebt, stark reduziert", so Rudolph. Zudem sieht er ein zweites Anwendungsgebiet in der Nahrungsmittelindustrie.
"Wir konsumieren große Mengen an Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln, ohne zu wissen, ob diese einen tatsächlichen Nutzen haben." Jetzt könne man überprüfen, ob diese Substanzen das Ansteigen der Biomarkerkonzentration und damit das biologische Altern tatsächlich verlangsamen.
Erik Staschöfsky | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: www.uni-ulm.de
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