Anzeige
Herzschrittmacher und andere implantierte medizintechnische Systeme benötigen elektrischen Strom, um zu arbeiten. Um die Batterie zu tauschen, ist eine erneute Operation nötig – und damit eine erneute Belastung des Patienten.
Ein japanisches Team um Eijiro Miyako vom National Institute of Advanced Industrial Science and Technology stellt in der Zeitschrift Angewandte Chemie nun einen alternativen Ansatz vor: einen implantierbaren Stromerzeuger, der einfach durch die Haut mit Laserlicht bestrahlt wird.
Bioelektronische Geräte verhelfen inzwischen vielen Patienten zu einem längeren Leben und einer verbesserten Lebensqualität. Dabei sind Herzschrittmacher nicht die einzigen elektronischen Implantate. So gibt es inzwischen auch „Schmerzschrittmacher“ zur Linderung schwerer chronischer Schmerzen. Diese Neurostimulatoren senden elektrische Impulse direkt an das Rückenmark und blockieren so den Weg des Schmerzsignals zum Gehirn. Ein weiteres Beispiel sind implantierbare Medikamentenpumpen, die Schmerzmittel direkt in die Nähe des Rückenmarks leiten oder Diabetiker automatisch mit Insulin versorgen.
Solche elektronischen Implantate werden meist durch Lithiumbatterien angetrieben, die aber maximal 10 Jahre halten. Die Batterie muss in einer erneuten Operation gewechselt werden. Entsprechend groß ist der Wunsch nach wiederaufladbaren Varianten. Verschiedene Alternativen gibt es bereits, etwa elektrische Zellen, die durch körpereigene Glucose betrieben werden, oder Muskel-getriebene Dynamos. Der Nachteil: Die Stromerzeugung kann nicht geregelt werden. Andere Ansätze arbeiten mit Hilfe elektromagnetischer Stromerzeugung, die aber elektronische Geräte in der Umgebung stören kann.
Das japanische Team hat nun eine interessante Alternative entwickelt, ein Gerät, das bei Bestrahlung mit einem Laser Strom liefert. Herzstück des Systems sind feinst verteilt in eine Silikon-Matrix eingebettete Kohlenstoffnanoröhrchen. Diese absorbieren Laserlicht und wandeln die Lichtenergie sehr effektiv in Wärme um. Diese Wärmeenergie wird dann von dem winzigen Gerät wiederum in elektrischen Strom umgewandelt. Das funktioniert dank des „Seebeck-Effekts“: In einem Stromkreis aus zwei verschiedenen elektrischen Leitern – hier einer speziellen Anordnung von Halbleitermaterialien – entsteht bei einer Temperaturdifferenz zwischen den Kontaktstellen eine kleine elektrische Spannung. Nur die mit dem Silikon-Kohlenstoffnanoröhrchen-Komposit beschichtete, bestrahlte Seite der Anordnung erwärmt sich, so entsteht die benötigte Temperaturdifferenz. Da die Kohlenstoffnanoröhrchen sehr gut in einem Wellenlängenbereich absorbieren, der durch Gewebe dringt, könnte das Gerät, das nicht größer als ein Würfel mit ca. einem halben Zentimeter Kantenlänge sein muss, unter die Haut implantiert werden. Durch einfache Bestrahlung soll es später einmal genug Spannung erzeugen, um den Akku z.B. eines Herzschrittmachers wieder aufzuladen.
Die Forscher arbeiten nun daran, die Energieumwandlung des Stromerzeugers noch effizienter zu machen und seine Sicherheit für den medizinischen Einsatz zu erhöhen.
Angewandte Chemie: Presseinfo 47/2011
Autor: Eijiro Miyako, National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST), Ikeda (Japan), mailto:e-miyako@aist.go.jp
Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201106136
Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany
Dr. Renate Hoer | Quelle: GDCh
Weitere Informationen: presse.angewandte.de/
Weitere Berichte zu: Advanced Investigator Grant > Angewandte Chemie > Batterie > Bestrahlung > elektronische Geräte > Herzschrittmacher > Implantat > information technology > Kohlenstoffnanoröhrchen > Laserlicht > Rückenmark > Stromerzeuger > Stromerzeugung > Temperaturdifferenz
Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen
22.05.2012 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel
Der nukleare GAU ist wahrscheinlicher als gedacht
22.05.2012 | Max-Planck-Institut für Chemie
Unter Federführung der Empa erscheint ein neues Standardwerk, das die europäische Forschung an Nanopartikeln vereinheitlichen soll.
Exakte Laborvorschriften zur Herstellung definierter Nanopartikel und zu deren Analytik stellen die Arbeiten auf diesem Gebiet auf eine neue Grundlage und machen sie erstmals vergleichbar. Herausgeber ist Harald Krug, Leiter des Empa-Departements «Materials meet Life».
Das neue Standardwerk soll Schluss machen mit dem «babylonischen Sprachgewirr», das derzeit noch in der Nanoforschung ...
Bei rheumatischen Erkrankungen erlauben moderne bildgebende Verfahren weit mehr als nur die Darstellung der knöchernen Gelenkstrukturen.
Mit funktionellen Untersuchungsmethoden wie der hochauflösenden Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT) können pathologische Knochenumbauvorgänge bereits sehr früh nachgewiesen werden, mitunter schon zu einem Zeitpunkt, zu dem selbst die MRT-Diagnostik noch unauffällig ist. Eine Studie der Universitätsradiologie Düsseldorf, die jetzt auf dem 93. Deutschen Röntgenkongress vorgestellt wurde.
In der Rheumatologie hat sich in den letzten ...
Wirkmechanismus eines der ältesten Arzneimittel der Menschheit aufgeklärt
Rizinusöl ist vor allem als effektives Abführmittel bekannt, wurde aber auch bereits in der Antike bei Schwangeren zur Förderung der Wehentätigkeit eingesetzt.
Erst jetzt ist es Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung gelungen, die entscheidenden Details des Wirkmechanismus zu entschlüsseln. Verantwortlich ist demnach ein Rezeptor mit dem Namen EP3 auf ...
Pünktlich zum morgigen Weltschildkrötentag wird die Artenliste der Panzerträger um zwei Namen reicher.
Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam zwei neue Arten der afrikanischen Gelenkschildkröte identifiziert. Die zugehörige Studie ist kürzlich im Fachjournal „Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research“ erschienen.
Gelenkschildkröten sind die Bewegungskünstler unter den landlebenden Schildkröten. Aufgrund eines Scharniers im Rückenpanzer können die in Afrika ...
Eine Forschungsgruppe der Universität Ulm hat einen neuartigen molekularen Schalter im Gehirn identifiziert, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung der postnatalen Neurogenese im Gyrus dentatus spielt, der Unterregion im Hippocampus, in der lebenslang Nervenzellen aus neuralen Stammzellen gebildet werden.
„Unsere Untersuchungen beschreiben erstmals einen neuen und letztlich unerwarteten Signalweg bei der Regulation der Neurogenese im Hippocampus“, sagt Professor Stefan Britsch, Direktor des Instituts für Molekulare und Zelluläre Anatomie, der die Arbeit dieser Tage gemeinsam mit Dr. Ruth Simon im international renommierten Fachblatt EMBO-Journal veröffentlicht. An dem von der Deutschen ...
Anzeige
Anzeige

Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen
22.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
Researchers Improve Fast-Moving Mobile Networks
22.05.2012 | Kommunikation Medien
New microscope uses rainbow of light to image the flow of individual blood cells
22.05.2012 | Medizintechnik
Bericht zum Lachsmanagement: Die BLE auf der NASCO-Jahrestagung
22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Plagiate und wissenschaftliches Fehlverhalten
22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Der IdeenPark weckt Begeisterung für Technik
22.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten