Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Orientierung von Heuschrecken: Offene Fragen gelöst

01.06.2007
Marburger Neurobiologen zeigen, dass Nervenzellen im Heuschreckengehirn sowohl auf den Farbgradienten als auch auf das Polarisationsmuster des Himmelslichts reagieren - Vollständige Erklärung des Orientierungsvermögens stand bislang noch aus Heuschrecken verfügen über die erstaunliche Fähigkeit, sich an der Polarisation des blauen Himmelslichts zu orientieren: Aus der Richtung, in der die elektrischen Feldvektoren der Lichtstrahlen schwingen, "berechnen" sie, wohin sie fliegen (siehe auch unsere Pressemitteilung "Himmelskarte im Heuschreckengehirn", http://www.uni-marburg.de/aktuelles/news/2007/0431/0215).

Anzeige

Dies allerdings ist nur die halbe Antwort auf die Frage nach dem Orientierungsvermögen der Wüstenheuschrecke Schistocerca gregaria: "Die Polarisation gibt der Heuschrecke nur Auskunft darüber, entlang welcher gedachten Linie die Sonne zu suchen ist, nicht aber darüber, an welchem Ende der Linie", erklärt der Marburger Neurobiologe Professor Dr. Uwe Homberg. "Noch entscheidender aber ist, dass sich das Polarisationsmuster des Himmels während der Bewegung der Sonne im Tagesverlauf ständig verändert. Das heißt also: Zum Wissen über die Polarisationsrichtung müssen weitere Informationen über den aktuellen Sonnenstand hinzukommen."


Wie Heuschreckenhirne die fehlenden Informationen gewinnen, beschreiben Uwe Homberg und sein Mitarbeiter Dr. Keram Pfeiffer vom Fachbereich Biologie der Philipps-Universität Marburg nun im internationalen Fachjournal Current Biology ("Coding of Azimuthal Directions via Time-Compensated Combination of Celestial Compass Cues", Current Biology 17, 1-6, 5. Juni 2007).

Heuschrecken erkennen die "richtige" Himmelshälfte an der Farbe

"Wir haben Nervenzellen im optischen Tuberkel des Heuschreckenhirns identifiziert, die nicht nur die Polarisationsrichtung des blauen Himmelslichts verarbeiten", so Homberg. "Zusätzlich nämlich können sie anhand des Farbverlaufs des Himmels 'berechnen', in welcher Richtung die Sonne tatsächlich zu suchen ist." Letztere Fähigkeit basiert auf dem Phänomen, dass die "Himmelshälfte", in der die Sonne steht, über einen größeren Anteil an grünwelligem Licht, die entgegengesetzte Hälfte hingegen über einen vergleichsweise großen Ultraviolettanteil verfügt. Indem bestimmte Neuronen unterschiedlich auf die beiden Lichtfarben reagieren, liefern sie also die fehlende Information.

Teilweise aufgeklärt ist nun auch die Frage, wie es der Heuschrecke gelingt, den Lauf der Sonne (und das sich dabei verändernde Polarisationsmuster des Himmels) zu berücksichtigen. "In unseren Experimenten haben wir herausgefunden, dass sich die Polarisationsrichtung, auf die die Neuronen am stärksten reagieren, im Tagesverlauf verändert", sagt Homberg. Tagesperiodische Änderungen in der Sonnenhöhe und damit im Polarisationsmuster des Himmels können so ausgeglichen werden. Dieser Effekt dürfte "eine starke genetische Komponente" haben, vermutet der Neurobiologe, denn die Variabilität der Polarisationswahrnehmung scheint an den Sonnenverlauf im nördlichen Afrika, der ursprünglichen Heimat der Wüstenheuschrecke, angepasst zu sein - und das, obwohl "seine" Heuschrecken in Marburg aufgezogen wurden.

Nach wie vor offen ist allerdings, auf welche Weise die horizontale Wanderung der Sonne im Tagesverlauf kompensiert wird. Dass dies geschieht, gilt allerdings als sicher, denn schließlich gelingt es den Tieren während ihrer Wanderungszeiten, mittels ihres "Himmelskompasses" Hunderte Kilometer lange Strecken geradlinig zu überwinden. "Doch auch diese letzte Frage nehmen wir derzeit in Angriff", so Homberg. "Wir vermuten, dass diese Kompensation in neuronalen Strukturen stattfindet, die der Flugsteuerung der Heuschrecken umittelbar vorgelagert sind."

Kontakt
Professor Dr. Uwe Homberg: Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Biologie, Fachgebiet Neurobiologie/Ethologie, Karl-von-Frisch-Str. 8, 35032 Marburg
Tel.: (06421) 28 23402, E-Mail: homberg@staff.uni-marburg.de

Thilo Körkel | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-marburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sharp images from the living mouse brain
07.02.2012 | Max Planck Institute for Biophysical Chemistry, Göttingen

nachricht Chemists Develop More Efficient Protein Labeling
07.02.2012 | North Carolina State University

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bronze-Matrjoschka: hocheffiziente Katalysatoren und Nanoröhrchen mit ungewöhnlicher Symmetrie


Eine Puppe in der Puppe und noch eine drumherum – so erklärt Thomas Fässler seine Moleküle: Er packt ein Atom in einem Käfig in noch ein weiteres Atomgerüst.

Mit ihrer großen Oberfläche könnten solche Strukturen als hocheffiziente Katalysatoren dienen. Wie bei dem russischen Holzspielzeug sitzt ganz innen drin ein einzelnes kleines Zinnatom, eingepackt in eine Hülle aus zwölf Kupferatomen, und diese ist nochmals umgeben von weiteren 20 Zinnatomen.

In der Arbeitsgruppe von Professor Fässler am Institut für Anorganische ...

Im Focus: Notunterkünfte für Katastrophengebiete


Eine Notunterkunft muss schnell verfügbar, kostengünstig, leicht zu transportieren und unkompliziert im Aufbau sein.

In der Katastrophenhilfe ist daher das Zelt die erste Wahl. Doch oft wird aus dem Provisorium ein Dauerzustand, der sich über Jahre erstrecken kann. Ziel des Projektes Architekturstudierender am KIT: ein Ansatz, der die Lebensbedingungen in solchen Zeltlagern verbessert. Mit der sechseckigen Konstruktion „x-tent.me“ entwickelten sie eine Übergangsform zwischen temporärer ...

Im Focus: Was Larven hungrig macht


Viele Insektenlarven fressen Pflanzen und richten so in der Landwirtschaft Schaden an. Wie wird das Fressverhalten der Larven gesteuert, welche Hormone sind daran beteiligt? Das untersuchen Wissenschaftler vom Biozentrum der Universität Würzburg. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ihr Projekt.

Ob ein Mensch Hunger spürt oder sich satt fühlt, wird durch ein komplexes Signalnetzwerk in seinem Organismus bestimmt. Daran beteiligt sind Nervensystem, Magen-Darm-Trakt, Bauchspeicheldrüse und Fettzellen, wobei diese Akteure über so genannte Neuropeptide wie Orexin und über Peptidhormone wie Insulin oder Leptin miteinander kommunizieren. Peptide von diesem Typus spielen im ...

Im Focus: Getriebelose 6-Megawatt-Windturbine am Markt


Siemens hat eine getriebelose Windenergieanlage mit sechs Megawatt (MW) Leistung für den Offshore-Einsatz auf den Markt gebracht.

Windturbinen ohne Getriebe zeichnen sich durch ein robustes Design und ein geringes Gesamtgewicht aus. Diese Kombination senkt Infrastruktur-, Installations- und Wartungskosten und steigert die Energieausbeute und damit die Rentabilität über die gesamte Lebensdauer der Anlage. Die Rotorblätter der SWT-6.0-Windturbine sind mit 75 Meter Länge die größten für 6-MW-Anlagen.

Sie basieren auf ...

Im Focus: Ultrahochspannung: Schalter für 1,2 Megavolt


Siemens hat den weltweit ersten Leistungsschalter entwickelt, der bei Spannungen von 1,2 Millionen Volt arbeitet.

Solche Ultrahochspannungen erhöhen die Übertragungskapazität von Stromleitungen und bieten so die Möglichkeit, auf relativ wenigen Trassen große Mengen elektrischer Energie zu transportieren.

Leistungsschalter werden in Umspannwerken eingesetzt, um einzelne Stromleitungen zu- oder abzuschalten. Der neue Schalter ist für eine Testinstallation im indischen Bina bestimmt. Indien setzt auf die Ultrahochspannungs-Technik, um seine ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Mit Hitze Daten speichern

07.02.2012 | Physik Astronomie

Sharp images from the living mouse brain

07.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

Wir sind Übermorgenmacher

07.02.2012 | Architektur Bauwesen

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Zuverlässig und sicher fahren mit alternativen Antrieben

07.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

II. HHL-Energiekonferenz zu “Smart Cities“

07.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

GI-VDE-Forum zum Thema IT-Sicherheit auf der CeBIT am 9. März 2012 ab 11:00 Uhr

07.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp