Anzeige
Gunzer: "Wenn es dort ohne Nebenwirkungen wirksam wäre, kann das einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität für Organempfänger bedeuten. Sie müssen dann nicht mehr täglich Immunsuppressiva einnehmen, um das Immunsystem vom Kampf gegen das neue Organ abzuhalten."
Für die Abstoßungsreaktion sind verschiedene Komponenten des menschlichen Immunsystems verantwortlich. Eine wichtige Rolle spielen so genannte T-Effektorzellen. Sie sind die Speerspitze der körpereigenen Abwehr, die Krankheitserreger sofort angreifen. So werden Krankheiten im Regelfall wirksam bekämpft. Die moderne Medizin stellt für sie aber eine zu große Herausforderung dar: Auch ein neues, transplantiertes Organ wird als fremd identifiziert und abgestoßen.
Das Helmholtz-Team um Gunzer hat nun in den Reifungsprozess der T-Zellen im Laborversuch so eingegriffen, dass diese für das Transplantat keine Gefahr mehr darstellen. "Dazu brachten wir noch nicht ausgereifte T-Zellen -- so genannte T-Helferzellen -- mit einem weiteren Zelltyp des Immunsystems, den B-Zellen, künstlich in sehr engen Kontakt", erläutert Gunzer das Vorgehen. Dabei stellte sich heraus, dass keine immunaktivierenden T-Effektorzellen sondern regulatorische T-Zellen heranreiften. Die Ursache für diesen Effekt haben die Wissenschaftler noch nicht geklärt, aber Gunzer weiß, dass "die regulatorischen T-Zellen genau die entgegen gesetzte Wirkung zu den T-Effektorzellen haben: Statt das Immunsystem zu aktivieren, bremsen sie die Abwehrreaktion."
Die durch B-Zellkontakt entstandenen regulatorischen T-Zellen injizierten die Forscher in Mäuse. Diese Tiere erhielten dann in einer Operation ein neues Herz. Der Effekt fasziniert Gunzer: "Eigentlich hätten die Mäuse das fremde Herz sofort abstoßen müssen, denn wir haben ihnen keine immun-unterdrückenden Medikamente verabreicht. Aber ihr Immunsystem hat das fremde Herz lange Zeit akzeptiert -- ganz ohne medikamentöse Unterstützung. Tiere ohne die regulatorischen T-Zellen haben die transplantierten Herzen dagegen in wenigen Tagen zerstört."
Zwar sind die Ergebnisse, die Gunzers Team jetzt in dem renommierten Fachjournal "Blood" veröffentlicht hat, ein wichtiger Fortschritt in der Transplantationsforschung. Schnelle Hilfe für die Empfänger von Organspenden kann der Braunschweiger Wissenschaftler aber trotzdem nicht versprechen: "Jetzt müssen zahlreiche Versuche folgen, um Detailfragen zu klären." Dabei wollen die Wissenschaftler zunächst klären, ob das mit regulatorischen T-Zellen behandelte Immunsystem gegen Krankheitserreger angriffslustig bleibt. Gunzer: "Es hilft Organempfängern ja gar nichts, wenn sie nach der Operation zwar das neue Herz oder die neue Niere behalten, dafür aber ihr Immunsystem nicht mehr gegen Bakterien oder Viren vorgeht." Erst wenn diese und weitere Fragen geklärt sind, könnte das Verfahren in einigen Jahren an Menschen erprobt werden.
Originalpublikation von Peter Reichardt, Bastian Dornbach, Song Rong, Stefan Beissert, Faikah Gueler, Karin Loser, and Matthias Gunzer: Naive B-cells generate regulatory T-cells in the presence of a mature immunological synapse. Blood First Edition Paper, prepublished online; DOI 10.1182/blood-2006-10-053793
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
- Presse- und Öffentlichkeitsarbeit -
Inhoffenstraße 7
D - 38124 Braunschweig
Tel +49 (0) 531.6181-1402
Fax +49 (0) 531.6181-1499
Quelle: Helmholtz-Gemeinschaft
Weitere Informationen: www.helmholtz-hzi.de
Weitere Berichte zu: Immunsystem > Mäuse > T-Effektorzellen > T-Zellen
Ocean warming causes elephant seals to dive deeper
09.02.2012 | Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
How the zebra got its stripes
09.02.2012 | The Company of Biologists
Erstmals gezeigt, dass Atomkerne transparent werden
Einem Team von DESY-Wissenschaftlern um Dr. Ralf Röhlsberger gelang es an der hochbrillanten Synchrotronlichtquelle PETRA III, Atomkerne mit Hilfe von Röntgenlicht transparent zu machen. Sie entdeckten dabei gleichzeitig ein neues Prinzip, um einen optisch gesteuerten Schalter für Licht herzustellen, also Licht mit Licht zu beeinflussen, ein wichtiger Baustein auf dem ...
Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst
Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...
Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.
Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.
Das System ...
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.
Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.
Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...
Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.
Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...
Anzeige
Anzeige

Kaltwasserkorallen als Anpassungskünstler?
09.02.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz
Wandel der Hochschulbildung in Deutschland und Professionalisierung
09.02.2012 | Studien Analysen
Ocean warming causes elephant seals to dive deeper
09.02.2012 | Biowissenschaften Chemie
7. Mannheimer Arbeitsrechtstag am 14. März mit Experten aus Theorie und Praxis
09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten
International Forum on Terahertz Spectroscopy and Imaging
09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Teams aus neun Ländern treffen sich an der Leibniz Universität zum 6th Hanover PreMoot
09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten