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Durch den weltweiten Schiffsverkehr und die damit verbundene Verschleppung von Arten sind biologische Invasionen ein stetig zunehmendes Problem der Meeresökosysteme. Während die meisten Invasionen fremder Arten eher harmlos sind, gibt es einige Einwanderer, die zu dramatischen Störungen des Ökosystems führen.
Eines der bekanntesten Beispiele ist die Rippenqualle Mnemiopsis leidyi. Ursprünglich an der amerikanischen Ostküste beheimatet, wurde sie in den 80er Jahren vermutlich mit dem Ballastwasser von Schiffen in das Schwarze Meer verschleppt, von wo aus sie weiter in das Asovsche Meer, das Marmarameer, das Mittelmeer und schließlich in das Kaspische Meer vordrang. Ihr massenhaftes Auftreten war stets mit einem drastischen Rückgang der Fischbestände verbunden. Im Schwarzen Meer fielen die Fischerträge innerhalb weniger Jahre auf ein Zehntel der Werte vor der Mnemiopsis-Invasion.
Damals haben Wissenschaftler die Ursache für die alarmierende Entwicklung auf die Ernährungsgewohnheiten der Rippenqualle zurückgeführt: die Rippenqualle ernährt sich von Zooplankton, mikroskopisch kleine Lebewesen im Ozean. Damit ist der fremde Gast einerseits Nahrungskonkurrent der Fische, andererseits ernährt sich die Rippenqualle auch von den Fischlarven und -eiern und trägt zur Dezimierung der Bestände bei.
Am Kieler Institut schlug die Entdeckung der iranischen Gastwissenschaftlerin Jamileh Javidpour sofort Alarm. "Im Rahmen ihrer wöchentlichen Probennahme aus der Kieler Förde hat Frau Javidpour plötzlich die Rippenqualle Mnemiopsis entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt am 17. Oktober zählten wir ca. 30 Individuen pro Kubikmeter, seither nimmt die Dichte von Mnemiopsis aber stetig zu", berichtet ihr Betreuer Prof. Ulrich Sommer, Professor für Marine Ökologie.
Die steigenden Zahlen verursachen Sorgen bei den Meereswissenschaftlern am IFM-GEOMAR, denn 80 Individuen pro Kubikmeter entspricht bereits ein Drittel der Maximaldichte, die 1989 im Schwarzen Meer erreicht wurde. Sollte sich Mnemiopsis weiter vermehren und ausbreiten, stellt sie eine wesentliche Gefahr für die Fischbestände der Ostsee dar. Eine Ausbreitung in der Nordsee ist ebenso zu befürchten.
Kontakt:
Prof. Ulrich Sommer, Tel. 0431 600-4400, usommer@ifm-geomar.de
Mona Botros, M.S., Dipl.-Journ., Tel. 0431 600-2807, mbotros@ifm-geomar.de
Mona Botros | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.ifm-geomar.de
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