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Für mitteleuropäische Rosen hat PD Dr. Volker Wissemann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein besonderes Faible. Der Botaniker mag sie jedoch nicht nur wegen ihrer Schönheit, "sondern gerade weil sie schwierig zu untersuchen sind", sagt Wissemann. In ihrer komplexen Evolution haben sich einzelne Rosenarten immer wieder gekreuzt und so genetisch durchmischt. Dr. Wissemann geht in seinen Forschungen der Frage nach, wie sich dieser - wissenschaftlich "Hybridisierung" genannte - Prozess auf die Evolution von Pflanzenarten auswirkt und welches Wechselspiel es dabei im konkreten Fall zwischen der europäischen Hundsrose und den sich mit ihr in gemeinsamer Evolution befindlichen Parasiten gibt.
In einer früheren Arbeit über die Hundsrose konnte Wissemann bereits zeigen, dass die heutigen Arten "Hybriden", also Mischlinge, sind und Merkmale von Rosen aus der ganzen Welt in sich tragen. In seiner jetzt vorgelegten Habilitationsschrift geht Wissemann, der auch Kustos des Botanischen Gartens der Jenaer Universität ist, noch einen Schritt weiter. Er untersuchte die gemeinsame Evolution von Rosen und Parasiten und hat die Vermutung, dass eventuell die Parasiten selbst dafür sorgen, dass ihre Wirtspflanzen sich ausbreiten.
"Für die Parasiten bringt es einen wichtigen Vorteil, wenn sich ihre Wirtspflanzen auch über Artengrenzen hinweg ständig miteinander vermischen", weiß Wissemann. "Sind sie an eine Art angepasst, so fühlen sie sich auch auf anderen Arten wohl, die Merkmale jener für sie günstigen Wirtspflanze in sich tragen." Je mehr Mischformen es gibt, desto bessere Lebens- und damit Ausbreitungsbedingungen gibt es für die Parasiten. "Hybriden dienen sozusagen als Brücke für die Parasiten, um von einer Art auf eine andere zu gelangen und ihr Wirtsspektrum damit zu erweitern", schlussfolgert der Botaniker von der Universität Jena.
In seiner Arbeit stellt Dr. Wissemann nun die These auf, dass Parasiten die Hybridisierung von Wildrosen gezielt in Szene setzen, um für sich zusätzliche günstige Lebensbedingungen zu erhalten. Denn je mehr Arten durch Durchmischung gewissermaßen miteinander vernetzt sind, desto bessere Chancen gibt es für die Parasiten, einen geeigneten Wirt zu finden. Dass Parasiten sich bislang unbenutzte Arten erschließen, ist nicht neu, sagt der Jenaer Wissenschaftler. "Ich postuliere aber, dass die Hybridisierung der Wirtspflanzen von den Parasiten gezielt angestoßen wird."
Für diese These sprechen einige Indizien, ist sich Wissemann sicher. So seien beispielsweise Pflanzen entdeckt worden, die bei Parasitenbefall einen süßeren Nektar produzieren als parasitenfreie Pflanzen. Dies locke Insekten oder Vögel an, die nun den Pollen dieser manipulierten Pflanzen bevorzugt verbreiten und damit eine Hybridisierung begünstigen. Als Beispiel nennt Wissemann das Verhalten von Kolibris, die die Blüten einer bestimmte Blumenart häufiger anfliegen als andere. "Wie die Parasiten eine solche Hybridisierung aber anregen, liegt noch im Dunkeln", sagt Wissemann - eine Frage, mit der er sich in Zukunft intensiv beschäftigen will.
Kontakt:
PD Dr. Volker Wissemann
Institut für Spezielle Botanik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Philosophenweg 16, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949255
Fax: 03641 / 949252
E-Mail: volker.wissemann[at]uni-jena.de
www.uni-jena.de/ | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-jena.de
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