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Eine Gruppe Studierender (2. Semester) des Fachbereichs Biologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg startete unlängst mit ihren wissenschaftlichen Betreuern zu der traditionellen "Auftaktexkursion" des Sommersemesters 2004 in die Graureiher-Kolonie Collenbey bei Schkopau. Abseits der vogelkundlichen Beobachtungen entdeckte PD Dr. Wolf-Rüdiger Große in einem Tümpel am Bahndamm, entlang der Eisenbahnstrecke Halle-Weißenfels, Urzeitkrebse, die als biologische Art bereits 200 Mill. Jahre alt sind und schon in der Urzeit, also zu Zeiten der Dinosaurier, gelebt haben.
Das Auftreten der Urzeitkrebse Eubranchipus (Siphonophanes) grubei in den heimatlichen Auen ist eine Sensation. Es kann nämlich passieren, dass die Krebse auch heutzutage über Jahre und Jahrzehnte nicht aufzufinden sind. Sie treten nur dann periodisch auf, wenn für sie günstige Lebensbedingungen herrschen. Fakt ist, dass die Urzeitkrebse in der Landschaft meistens übersehen werden. "Deshalb kommt der Arterhaltung und dem praktischen Naturschutz eine besondere Bedeutung zu", erklärt Dr. Große vom Institut für Zoologie des Fachbereichs. "Die Tiere müssen erkannt und bekannt gemacht werden. Nur was der Mensch kennt, schützt er auch. Sonst sind die Krebse, nachdem sie 200 Millionen Jahre überstanden haben, aus den heimischen Auen bald verschwunden".
Informationen zur Art
Eubranchipus ist eine charakteristische Kleinkrebsart zeitweilig existierender Gewässer wie Tümpel und Druckwasserstellen der Auen. Sie gehört zu der Klasse der Kiemenfußkrebse (Branchiopoda) und in die Ordnung der Feenkrebse (Anostraca), wie die Gattung im Deutschen auch genannt wird. Sie sind in ihrer Form seit dem Erdmittelalter (Jura) bekannt und damit eine der ältesten noch lebenden Tierarten in der Region überhaupt. Ihr Körper ist seitlich abgeflacht und ihnen fehlt das Rückenschild der Notostraken. Die bis 30 mm langen Krebse sind transparent und schimmern gelblich bis grünlich. Feenkrebse schwimmen im freien Wasser mit der Bauchseite nach oben (Foto). Die sich ständig bewegenden dünnhäutigen Blattbeine vermitteln dem Beobachter den Eindruck eines durch das Wasser schwebendes Fabelwesen. Durch diese Bewegungen erfolgt der Ortswechsel, die Atmung und Ernährung der Tiere. So filtern sie Mikroorganismen und organische Schwebstoffe aus dem Wasser und transportieren die Nahrung in der Bauchrinne nach vorn zur Mundöffnung. Die Färbung der Feenkrebse ist stark von der Art der Nahrung abhängig.
Die Elterntiere sterben bald nach der Paarung und der Eiablage ab. Die Art überlebt als Dauer-Ei mit fester Schale am Gewässergrund über Jahre. Diese Strategie hat der Art möglicher Weise das Überleben über Millionen Fahre ermöglicht. In günstigen Frühjahren kann die Entwicklung von der frisch geschlüpften Naupliuslarve bis zum geschlechtsreifen Tier in wenigen Tagen abgeschlossen sein.
Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Große
Tel.: 0345 55-26438
Fax: 0345 55-27152
E-Mail: grosse@zoologie.uni-halle.de
Ingrid Godenrath | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.biologie.uni-halle.de/zool/coll
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