Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Mit winzigen Schläuchen zum Erfolg

18.02.2008
Nachwuchsforscherin aus dem Institute for Analytical Sciences (ISAS) in Dortmund erhält zwei Millionen Euro Fördergelder vom European Research Council für ein Forschungsprojekt. Sie produziert Mikroreaktoren nach Maß mithilfe eines am ISAS entwickelten Chips. Die winzigen Schläuche können vielfältig eingesetzt werden.

Anzeige

Es war ein entscheidender Fehler, und Petra Dittrich erinnert sich noch genau an den Moment: "Passiert ist es an einem Dienstagabend im Labor", erzählt die Wissenschaftlerin vom Institute for Analytical Sciences (ISAS) in Dortmund. Sie wollte künstliche Zellen mit einem eigens an dem Leibniz-Institut konstruierten Chip herstellen.


...mehr zu:
ISAS Mikroreaktor

"Das muss man sich vorstellen wie winzige Seifenblasen mit einer Haut aus Fettsäuren", erläutert Petra Dittrich. Doch der Druck war zu niedrig - und anstatt Bläschen zu produzieren, spuckte der Chip plötzlich kleine Schläuche aus. Sie wuchsen und wuchsen, am Ende waren sie eineinhalb Zentimeter lang. Ihr Durchmesser dagegen blieb bei winzigen drei Mikrometern. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar misst rund 50 Mikrometer im Querschnitt.

Die junge Forscherin erkannte rasch das Potenzial der Mikroschläuche: "Wir können damit eine Art Zuleitung zu lebenden Zellen in der Petrischale konstruieren", sagt Petra Dittrich. Hinzu kommt eine interessante Eigenschaft. Die Haar-Schläuche bilden spiralförmige Strukturen und sind damit für chemische Anwendungen interessant. Da sie nicht nur mit Wasser, sondern auch mit beliebigen Lösungen gefüllt werden können, eignen sich die Gebilde auch als Mikro-Reaktoren. Der Clou: Mit dem ISAS-Chip lässt sich die Form der künstlichen Gebilde variieren - Mikroreaktoren nach Maß.

Zur Freude über die Entdeckung kommt jetzt noch der Jubel über zwei Millionen Euro Forschungsförderung für das Projekt. Kürzlich traf der Brief aus Brüssel ein, der es Petra Dittrich ermöglicht, in den nächsten fünf Jahren eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen. Das Geld kommt vom neu geschaffenen European Research Council (ERC) aus der ersten Antragsrunde. Mehr als 9.000 Forscher aus ganz Europa hatten sich um so ein "Grant" beworben, nur gut zwei Prozent schafften es in die "priority list" (201 Anträge). "Der Wettbewerb um die ERC-Forschungsgelder ist sehr hart, um so mehr freue ich mich für die ausgezeichnete Wissenschaftlerin", sagt Ernst-Theodor Rietschel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Er fügt hinzu: "Die hohe Summe ist ungewöhnlich und zeigt, dass auch die ERC-Gutachter vom Potenzial der Forschung überzeugt sind." Rietschel ist selbst studierter Chemiker und urteilt über die künstlichen Zellen aus dem ISAS-Chip: "Viele Lebenswissenschaftler werden sich für das neue Herstellungsverfahren und die Mikroschläuche interessieren. Bestimmt kommt auch bald die Industrie."

Erste Anfragen aus der Wirtschaft hat es bei Petra Dittrich schon gegeben. Sie selbst hat das Verfahren bereits patentieren lassen. Doch zunächst will sie eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aufbauen, um die künstlichen Zellhüllen und ihre möglichen Formen weiter zu erforschen. "Bewerbungen von Chemikern, Biologen, Physikern oder Ingenieuren sind willkommen", sagt Petra Dittrich.

Zur Person: Dr. Petra Dittrich ist 33 Jahre alt und studierte Chemie in Bielefeld. Die Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes wurde mit 29 Jahren promoviert. Ihre Dissertation fertigte sie am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen an. Seit 2004 ist sie am Dortmunder ISAS, dem "Institute for Analytical Sciences" der Leibniz-Gemeinschaft. Petra Dittrich ist Marathonläuferin und Triathletin, "zurzeit allerdings nur sehr eingeschränkt, weil ich mit Fabian im Babyjogger laufen muss", erzählt sie. Ihr Sohn Fabian ist 13 Monate alt.

Mehr Informationen:
Dr. Petra S. Dittrich
Tel. 0231 / 1392 - 202
dittrich@ansci.de

Josef Zens | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Berichte zu: ISAS Mikroreaktor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert
08.02.2012 | Max-Planck-Institut für medizinische Forschung

nachricht Obstacles No Barrier to Higher Speeds for Worms
08.02.2012 | New York University

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert


Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst

Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...

Im Focus: Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber


Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.

Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.

Das System ...

Im Focus: VLT liefert detailreichstes Infrarotbild des Carinanebels


Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.

Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.

Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...

Im Focus: Automatisch Lücken im Funkspektrum erkennen


Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.

Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...

Im Focus: Bronze-Matrjoschka: hocheffiziente Katalysatoren und Nanoröhrchen mit ungewöhnlicher Symmetrie


Eine Puppe in der Puppe und noch eine drumherum – so erklärt Thomas Fässler seine Moleküle: Er packt ein Atom in einem Käfig in noch ein weiteres Atomgerüst.

Mit ihrer großen Oberfläche könnten solche Strukturen als hocheffiziente Katalysatoren dienen. Wie bei dem russischen Holzspielzeug sitzt ganz innen drin ein einzelnes kleines Zinnatom, eingepackt in eine Hülle aus zwölf Kupferatomen, und diese ist nochmals umgeben von weiteren 20 Zinnatomen.

In der Arbeitsgruppe von Professor Fässler am Institut für Anorganische ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Zwerggalaxie hat großen Hunger

08.02.2012 | Physik Astronomie

Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

Obstacles No Barrier to Higher Speeds for Worms

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

»Jede Sekunde zählt« Erster Internationaler Kongress zu Rettungsdienstsystemen in Neu Delhi

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Bauwerke gebrauchstauglich halten

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft im Dialog-Veranstaltungen im Wissenschaftsjahr 2012

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp