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Das haben jetzt Untersuchungen mit Mäusen ergeben. Der Wirkstoff schaltet ein Gen aus, das bei Darmkrebs Metastasen auslöst. Das hat Prof. Ulrike Stein (Experimental and Clinical Research Center des Max-Delbrück-Centrums, MDC/Charité - Universitätsmedizin Berlin/) mit Prof. Robert H. Shoemaker (National Cancer Institute, NCI, Frederick, Maryland, USA) entdeckt (Journal of the National Cancer Institute, Vol. 103, Nr. 12, 2011)*. Mit Prof. Peter M. Schlag (Charité Comprehensive Cancer Center) sind bereits Planungen zur klinischen Prüfung angelaufen.
Darmkrebs ist eine der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen in den westlichen Ländern. Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 73 000 Menschen daran. Trotz Operation, Chemo- und Strahlentherapie wird nur etwa die Hälfte der betroffenen Patienten geheilt. Das liegt daran, dass bei etwa 20 Prozent der Darmkrebspatienten bereits bei der Diagnose Metastasen festgestellt werden und bei etwa einem Drittel der Patienten Metastasen trotz erfolgreicher Ersttherapie auftreten. Von den Betroffenen überleben nur etwa zehn Prozent die Diagnose um fünf Jahre. Von den Patienten mit Darmkrebs ohne Metastasen überleben hingegen 90 Prozent.
Seit einigen Jahren ist ein Gen bekannt, das bei Darmkrebs Metastasen auslöst. Es ist das Gen S100A4/Metastasin. Vor rund fünf Jahren konnte Prof. Stein zusammen mit Prof. Schlag und Prof. Walter Birchmeier (MDC) zeigen, wie dieses Gen reguliert wird. Sie stellten fest, dass das Gen beta-Catenin, wenn es mutiert ist, dieses Metastasin-Gen anschaltet und damit bei Darmkrebs die Bildung von Töchtergeschwülsten auslöst. Beta-catenin sorgt normalerweise dafür, dass Zellen in ihrem Zellverband bleiben.
Die Wissenschaftler suchten nach Substanzen, die das Ablesen des Metastasin-Gens blockieren. Sie prüften 1 280 Wirkstoffe und wurden mit der Substanz Niclosamid fündig. Sie wird bisher gegen Bandwürmer eingesetzt. Es zeigte sich überraschenderweise, dass Niclosamid sowohl in der Zellkultur als auch bei Versuchen mit Mäusen das von beta-Catenin-gesteuerte Ablesen des Metastastasierungs-Gens hemmt. Die Tiere hatten weniger Metastasen. Jetzt wollen die Forscher in klinischen Studien prüfen, ob die Substanz auch bei Patienten mit metastasierendem Dickdarmkrebs wirksam ist.
*Novel Effect of Antihelminthic Niclosamide on S100A4-Mediated Metastatic Progression in Colon Cancer
Ulrike Sack, Wolfgang Walther, Dominic Scuiero, Mike Selby, Dennis Kobelt, Margit Lemm, Iduna Fichtner, Peter M. Schlag, Robert H. Shoemaker, Ulrike Stein
Experimental and Clinical Research Center, a joint cooperation between the Charité Medical Faculty and the
Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
Barbara Bachtler | Quelle: Max-Delbrück-Centrum
Weitere Informationen: www.mdc-berlin.de/
www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/was-ist-darmkrebs.php
Weitere Berichte zu: Bandwurmmittel > Bandwürmer > Cancer > Darmkrebs > Dickdarmkrebs > Gen FTO > MDC > Metastase > Metastasin-Gen > Molekulare Medizin > Mäuse > Niclosamid > Wirkstoff
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