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"Wegen ihrer weltweiten Bedeutung wurde Emiliania in das Sequenzierungs-Programm am Joint Genome Institute in Kalifornien aufgenommen, wo ihr Erbgut nun entschlüsselt wird", erklärt Professor Dr. Peter Kroth, Vorsitzender der Sektion Phykologie in der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Mit dem genetischen Bauplan der Alge wollen die Forscher eine Basis schaffen, um den globalen Kohlenstoffkreislauf zu ergründen.
Industrie wartet auf Genom-Entschlüsselung
Außerdem interessiert sie, wie die Algen so komplizierte Strukturen wie die als Coccolithen bezeichneten Kalkplättchen herstellen und an ihrer Oberfläche befestigen. Von diesen Ergebnissen erhoffen sich auch Bio- und Nanotechniker der Industrie Ideen für neue Anwendungen.
Kalktransport schuf Kreidefelsen
Emiliania schwebt in den Licht durchfluteten Schichten aller Weltmeere. Sie zählt zu den mehr als 300 Kalkalgen, die sich mit kalkigen Plättchen umhüllen, welche jeder Art ein unverwechselbares Aussehen verleihen. Für die Bildung der Kalkschale verwendet Emiliania Kohlenstoff, den sie als Hydrogenkarbonat aus dem Wasser aufnimmt und als Kalzit ausfällt. Die Plättchen sind nur im Raster-Elektronen-Mikroskop gut zu erkennen, im einfachen Lichtmikroskop erscheinen sie nur als winzige Pünktchen. Sterben Kalkalgen ab, nehmen sie den nun gebundenen Kohlenstoff mit in die Tiefen der Meere, wo er sich als Sediment ablagert. Solcher Kalk lagert sich seit vielen Jahrmillionen am Meeresboden ab: Die weißen Klippen von Dover in England oder die Kreidefelsen auf der Insel Rügen bezeugen weit zurück liegende Ablagerungen.
Emiliania dominiert manche Algenblüten
Auch wenn Emiliania nur eine winzige Alge ist, spielt sie eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf der Erde. Ihr bedeutender Part ist darauf zurückzuführen, dass sie sich explosionsartig vermehren kann: Unter bestimmten Bedingungen treten sie in riesigen Massen auf, Massen, die sich über hunderte von Quadratkilometern erstrecken können und dann aus dem Weltraum zu erkennen sind, weil sie das Wasser milchig verfärben. In solchen Algenblüten kommen fast nur Emiliania vor; dann machen sie allein 80 bis 90 Prozent des Phytoplanktons aus.
Biologische Kohlenstoffpumpe
Ihre einflussreiche Rolle rührt daher, dass Emiliania während der Photosynthese große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid bindet und später in die Tiefsee transportiert, was Wissenschaftler als biologische Kohlenstoffpumpe bezeichnen. Gleichzeitig bildet Emiliania Kalziumkarbonat, wobei es zur Ansäuerung des Meerwassers kommt, das dann wiederum vermehrt Kohlendioxid freisetzt (sog. "Karbonat-Gegen-Pumpe"). Beiden Prozesse wirken jeweils unterschiedlich auf die Kapazität der Ozeane, Kohlendioxid aufzunehmen.
Erfolg von Emiliania fasziniert Forscher
Der menschenverursachte Anstieg des Kohlendioxids führt langfristig zu einer Versauerung der Meere. Wie sich dies nun auf die Fähigkeit von Emiliania auswirkt, Kohlenstoff zu binden und in die Tiefsee zu transportieren, und ob dies die Auswirkungen des Klimawandels nun verstärken oder abpuffern wird, untersuchen Algenforscher am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. "Wir haben die offenen Fragen aufgegriffen und erforschen, wie kalzifizierende Algen wie Emiliania mit der Ozeanversauerung zurechtkommen und welche Konsequenzen sich daraus für das marine Ökosystem ergeben", erklärt Dr. Björn Rost, Leiter der Arbeitsgruppe PhytoChange, die die Folgen des Klimawandels auf das Phytoplankton im Meer untersucht. "Emiliania ist dabei besonders faszinierend, weil wir immer wieder staunen und uns fragen, warum diese Alge in einigen Regionen so dominierend ist."
Ansprechpartner für die Medien
Prof. Dr. Peter Kroth
Vorsitzender der Sektion Phykologie in der Deutschen Botanischen Gesellschaft
Universität Konstanz
Tel. ++49 (0) 7531-884816
E-Mail: peter.kroth@uni-konstanz.de
Dr. Björn Rost
Leiter der Arbeitsgruppe PhytoChange & Fachmann für Emiliania
Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven
Tel.: ++49 (0) 471/4831-1809 (9-15 Uhr)
E-Mail: Bjoern.Rost@awi.de
Hinweise für Redaktionen
Bitte senden Sie bei Veröffentlichung einen Beleg an den Schriftführer der Sektion Phykologie, Dr. Burkhard Becker, Botanisches Institut, Universität zu Köln, Gyrhofstraße 15, 50931 Köln.
E-mail: medien@dbg-phykologie.de
Fotos für Web und Print zum Herunterladen:
http://www.dbg-phykologie.de/pages/22PressemitteilungAlgeJahr2009.html
Sektion Phykologie:
Die Mitglieder der Sektion Phykologie (Algenkunde) untersuchen Algen wissenschaftlich und bearbeiten unter anderem taxonomische, ökologische, physiologische und molekularbiologische Fragestellungen an Mikro- und Makroalgen. Die Sektion fördert die Algenforschung und unterstützt den wissenschaftlichen Nachwuchs. Sie ist eine der fünf Fachsektionen der Deutschen Botanischen Gesellschaft e. V. (DBG: http://www.deutsche-botanische-gesellschaft.de)
Pressetext: Dr. Esther Schwarz-Weig: http://www.WissensWorte.de
Claudia Leitenstorfer | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.dbg-phykologie.de
www.uni-konstanz.de
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