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Libellen sammeln in Malaysia, mit dem Insektennetz durch Mauritius, Kleinsäugeruntersuchung in Namibia – alles nur exotische Abenteuer?
Eine Studie des Netzwerk-Forums zur Biodiversitätsforschung (NeFo) geht der Bedeutung der deutschen Biodiversitätsforschung im internationalen Kontext nach und schätzt diese als weitreichend ein. Denn die deutsche Forschung ist thematisch und geographisch breit gefächert, beteiligt sich zudem an zahlreichen internationalen Projekten und ist auch auf politischer Ebene aktiv.
Warum ist ein internationales Engagement der deutsche Biodiversitätsforschung so wichtig? Auch wir hier in Mitteleuropa tragen mit unserem Lebensstil zu dem dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt bei, zum Beispiel durch Tourismus, fossile Brennstoffe oder den Import von Ressourcen.
Deshalb liegt es auch in unserer Verantwortung, die Auswirkungen zu erfassen und an Lösungsansätzen mitzuarbeiten. Deutschland verfügt mit seinen zahlreichen Forschungseinrichtungen und gut ausgebildeten Forschern über große Kapazitäten. Da es sich gerade im Bereich Umwelt und Artenvielfalt häufig um geographisch eng verflochtene Fragestellungen handelt, wird die Notwendigkeit der internationalen Vernetzung für die Forschung immer größer.Die neue NeFo-Studie fasst zusammen, in wie weit die Kapazitäten der deutschen Forschung tatsächlich international zum Einsatz kommen. Neben Zahlen und Fakten zu Auslandseinsätzen gewähren die befragten Wissenschaftler dem Leser auch direkten Einblick in ihren Arbeitsalltag in der Ferne.
Für die Jahre 2005 bis 2010 wurden 600 deutsche Wissenschaftler an etwa 500 verschiedenen deutschen Forschungsinstituten und Lehrstühlen erfasst, die in weltweit 116 verschiedenen Ländern Feldforschung betrieben (siehe Übersichtskarte). Dabei stand Asien mit 34 Untersuchungsländern besonders hoch im Kurs, gefolgt von Afrika und dem europäischen Ausland. Das Forschungsspektrum der Biodiversitätswissenschaften war mit mehr als 30 verschiedenen Disziplinen sehr facettenreich. Die häufigsten Fragestellungen der Wissenschaftler bewegten sich dabei in den Themenfeldern Biologie, Ökologie (dabei insbesondere die Beziehungen zwischen dem Einzelorganismus und seiner Umwelt), Verhalten, Taxonomie, Systematik und Biogeographie.
Als Anreize für Auslandsprojekte galten aus der Perspektive der Wissenschaft hauptsächlich die Möglichkeiten des Austauschs und der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern anderer Länder und anderer Disziplinen sowie die hohe biologische Vielfalt vor Ort. Ein weiteres Argument für eine von deutschen Wissenschaftlern betriebenen Feldforschung ist die häufig relativ geringe lokale Expertise der Länder mit der höchsten biologischen Vielfalt.
Dabei ist das Abenteuer Feldforschung selten einfach nur Spaß, sondern in der Praxis mit vielen Schwierigkeiten verbunden. In Kurzinterviews berichten die Forscher in der Studie von „Probenahmen [...] unter Bewachung durch ein Dutzend Militärs" in Ländern mit politischen Unruhen oder auch von Arbeitsunterbrechungen auf Grund von Schießübungen. Viel häufigere Probleme sind jedoch die sehr aufwändige Beantragung von Geldern und die nicht an die Bedürfnisse angepassten Förderkriterien sowie die Projektgenehmigung durch die Behörden vor Ort. Außerdem stellten die Koordination und Kommunikation mit lokalen Projektpartnern, die Ausfuhr von Geräten, Proben und Sammlungsmaterial sowie unvollständige Datensätze in der Nachbereitung ebenfalls eine Herausforderung dar. Dennoch waren 84 % der Umfrageteilnehmer der Meinung, dass die deutsche Biodiversitätsforschung ihr internationales Engagement intensivieren sollte.
Wie dies für die Wissenschaft erleichtert werden kann wurde ebenfalls aus der Umfrage deutlich: Besseres internationales Networking zwischen Wissenschaftlern sowie verbesserte Kommunikation mit lokale Partner und deren Partizipation bereits bei der Projektvorbereitung wurden am häufigsten genannt. Die Forscher wünschten sich aber auch weniger Bürokratie bei der Projektplanung, Erleichterung der Antragstellung und erhöhte Flexibilität rund um den Finanzierungsprozess.
Die Studie "Deutsche Biodiversitätsforschung im Ausland - Überblicksstudie" zum Download als PDF: http://www.biodiversity.de/images/stories/Downloads/studielc_240311.pdf
Wie die Biodiversitätsforschung innerhalb Deutschlands aufgestellt ist, haben wir in einer weiteren Studie zusammengefasst: "Ökologische Biodiversitätsforschung in Deutschland"
http://www.biodiversity.de/images/stories/Downloads/marquard_fischer_2010
_biodivforschungd.pdf
Ansprechpartner:
Sebastian Tilch
NeFo-Pressereferent
Telefon: 0341-235-1062
E-Mail: sebastian.tilch@ufz.de
Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NEFO) ist eine Kommunikationsplattform für Wissenschaftler und Anwender von Wissen zur biologischen Vielfalt. Ein wichtiges Ziel ist es, die Forschung unterschiedlicher Disziplinen, die sich mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zur Biodiversität befasst, stärker ins öffentliche Licht zu stellen. Hierzu stehen direkte Ansprechpartner für Fragen aus Medien, Politik und Öffentlichkeit bereit, arbeiten aktuelle Themen auf und vermitteln Experten.
Projektpartner sind das Museum für Naturkunde Berlin, Universität Potsdam und Helmholz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ.
Sebastian Tilch | Quelle: NeFo-Pressereferat
Weitere Informationen: www.biodiversity.de
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