Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei neue geophagine Buntbarscharten entdeckt und beschrieben

04.12.2015

Fernab des gut untersuchten Mitteleuropas können hin und wieder noch neue Wirbeltiere entdeckt werden. Die jüngste Neubeschreibung zweier Arten gelang nun anhand von geophaginen Zwergbuntbarschen aus entlegenen Gebieten des Amazonas-Systems in Peru. Für dieses Unterfangen waren Expeditionen mit Sammeltätigkeit notwendig sowie danach Vergleiche mit dem Typenmaterial anderer Fische in naturkundlichen Museen, das Hinterlegen von Belegexemplaren und die wissenschaftliche Publikation der Ergebnisse.

Eine internationale Forschergruppe um die deutschen Wissenschaftler Uwe Römer und Ingo Hahn veröffentlichte nun im Journal Vertebrate Zoology die beiden Neubeschreibungen mit Ergebnissen zur Taxonomie, geographischen Verbreitung und Geoökologie. Apistogramma fenocat sp. n. und Apistogramma wolli sp. n. wurden die beiden neuen Fischarten benannt.


Apistogramma wolli sp. n. im Aquarium fotographiert (© Römer et al. 2015). Im Vordergrund ist das Weibchen zu sehen, welches eine Gruppe des Nachwuchses führt. Im Hintergrund der Bruthöhle steht das deutlich größere Männchen. Beide zeigen entsprechend Stimmung und Rang hier eine dominante Färbung.


Apistogramma fenocat sp. n. im Aquarium fotographiert (© Römer et al. 2015). Es ist ein territoriales dominantes Männchen zu sehen. Kennzeichnend für diese Art sind unter anderem die violett gefärbte Rückenflosse und ein zweiter, etwas undeutlicherer, Fleck auf der Körperseite.

Der Zusatz sp. n. (species nova), der aus dem Lateinischen kommend „neue Art“ bedeutet und eine Erstbeschreibung kennzeichnet, ist in solchen Publikationen stets zu forderst anzugeben. „Beide Arten sind sehr farbenprächtig und unterscheiden sich deutlich durch mehrere Körpermerkmale und Lebensweisen von einer verwandten dritten Art (Apistogramma payaminonis)“, so Prof. Dr. Ingo Hahn von der Hochschule München.

Apistogramma wolli etwa zeigt große Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen. Neben der reinen Körpergröße betrifft dies auch Färbung einzelner Körperpartien und die Ausdehnung schwarzer Streifen bzw. Flecken. Gemeinsam haben sie unter anderem je einen dunklen Fleck auf der Körperseite und an der Schwanzwurzel.

Der natürliche Lebensraum der Art sind einige Regenwaldbäche mit Schwarzwasser (schwarz durch Huminstoffe) im Grenzgebiet von Peru und Ekuador. Die Fische nutzen Laub und Treibholz als Deckung, um auf dem sandigen Bachbett nicht gesehen zu werden. Das Schwarzwasser hat dort eine Temperatur von ca. 20-25°C, einen leicht sauren pH-Wert von etwa 6 und eine geringe Leitfähigkeit von nur 40-60 yS/cm.

Weil Apistogramma fenocat von Zuflüssen des Rio Tigre stammt, wurde der Name in Anlehnung an die „Federation of the Native Communities of the Tigre“ (FECONAT) vergeben. Diese ist bestrebt, den dortigen Naturraum und die Stammesgebiete der lokalen Bevölkerung zu erhalten – und sie vor einigen negativen Einflüssen der modernen Gesellschaft zu schützen.

FECONATs Prioritäten reflektieren das moderne Konzept der Nachhaltigkeit in der Landnutzung: die Ausbeutung natürlicher Ressourcen – sowohl nachwachsend als auch fossil – sollte nicht auf zerstörerisch-invasive Art erfolgen, sondern mit einem Schwerpunkt auf Erneuerbarkeit und Fairness im Handel, etwa um die wirtschaftlichen und ökologischen Interessen der Lokalbevölkerung zu wahren. Apistogramma fenocat zeigt ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern, wobei die Männchen eine violette Rückenflosse und einen zweiten Seitenfleck zeigen.

Geoökologische und biologische Details zu dieser Art sind allerdings bisher nur begrenzt vorhanden. Und weil die Art aus einer Region Perus stammt, die kürzlich als nationales Katastrophengebiet deklariert wurde, werden dringend weitere Freilanddaten benötigt, um beurteilen zu können, ob sie aufgrund der lokalen Umweltveränderungen in ihrem Fortbestand gefährdet ist.

Speziell großflächige Goldschürfaktivitäten und Erdölbohrungen gefährden die beschriebenen Zwergbuntbarsche potentiell, denn es konnte bereits nachgewiesen werde, dass die Fischarten der Gattung Apistogramma extrem sensibel gegenüber wasserchemischen Veränderungen sind. Daher ergeben sich bereits mit der Erstbeschreibung zwei Konsequenzen: erstens das Listen als potentiell gefährdete Arten sowie zweitens die genauere Erforschung von Lebensraum und Verbreitung dieser Fischspezies.

nach: Römer, U., D.P. Soares, C.R. García Dávila, F. Duponchelle, J.-F. Renno & I. Hahn (2015): Re-description of Apistogramma payaminonis Kullander, 1986, with descriptions of two new cichlid species of the genus Apistogramma (Teleostei, Perciformes, Geophaginae) from northern Peru. Vertebrate Zoology 65(3): 287-314.

Kontakt: Prof. Dr. Ingo Hahn, Fakultät für Geoinformation, Hochschule München, Karlstr. 6, 80333 München, ingo.hahn@hm.edu, Tel.: +49 (0)89 1265-2659

Weitere Informationen:

http://Der Originalbeitrag ist einzusehen unter:
http://www.senckenberg.de/files/content/forschung/publikationen/vertebratezoolog...

Christina Kaufmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen
16.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Geographie verrät das Alter von Viren
16.08.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie