Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zunehmende Gefahr für die ‘Arche Noahs’ der Biodiversität

26.07.2012
Viele Naturschutzgebiete in den Tropen kämpfen damit, ihre Biodiversität zu erhalten.
Dies zeigt eine Studie, die mehr als 200 Wissenschaftler aus aller Welt gerade im Journal NATURE veröffentlicht haben. Zu den Autoren gehört auch Mark-Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin. Mark-Oliver Rödel ist ein ausgewiesener Experte für die Amphibien Westafrikas.

Der Leiter der Studie, William Laurance, Professor an der James Cook University in Cairns, Australien, und am Smithsonian Tropical Research Institute in Panama, erläutert, dass “diese Naturschutzgebiete wie Arche Noahs der Biologischen Vielfalt sind. Manche dieser Arche Noahs drohen jedoch unterzugehen, obwohl sie unsere größte Hoffnung auf dauerhaften Erhalt der tropischen Wälder und ihrer fantastischen Biodiversität sind.”

William Laurance und sein Team untersuchten mehr als 30 verschiedene Gruppen von Tieren und Pflanzen – von Bäumen und Schmetterlingen bis zu Affen und großen Raubtieren – in zahlreichen Naturschutzgebieten in den Tropen Amerikas, Afrikas und des Asien-Pazifik-Raums. Zum einen wurde abgeschätzt, wie sehr sich dort die Bestände dieser Tier- und Pflanzengruppen in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten verändert haben, zum anderen identifizierten die Wissenschaftler die Umweltveränderungen, die diese Naturschutzgebiete bedrohen könnten. Als außerordentlich hilfreich erwiesen sich dabei die langjährigen Beobachtungen von Experten wie Mark-Oliver Rödel. Zusammenfassend stellt William Laurance fest, dass Naturschutzgebiete zwar hilfreich sind, um den darin enthaltenen Wald zu schützen, dass aber dennoch rund die Hälfte dieser Schutzgebiete damit kämpfen, ihre Biologische Vielfalt zu erhalten.

“Das Erschreckendste an unseren Ergebnissen,” ergänzt Carolina Useche vom Humboldt Institut in Kolumbien, “ ist, wie weit gefächert der Rückgang der Arten in den betroffenen Gebieten ist. Es sind nicht nur ein paar wenige Tier- und Pflanzengruppen, die leiden, sondern eine beunruhigend große Anzahl Arten.” Betroffen sind unter anderem große Raubtiere, andere Großtiere, zahlreiche Affenarten, alte Bäume sowie Fische und Amphibien in Fließgewässern.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass diejenigen Naturschutzgebiete am stärksten betroffen sind, welche nur schlecht geschützt werden und durch illegale Besiedelung, Jagd und Abholzung beeinträchtigt werden. Kadiri Serge Bobo von der University of Dschang in Kamerun betont, dass es nicht nur darauf ankommt, was innerhalb des Schutzgebietes passiert. “Fast genauso wichtig ist das, was drum herum passiert. 85 Prozent der Schutzgebiete, die wir untersucht haben, verloren in den letzten 20 bis 30 Jahren Wald in ihrer Umgegend, aber nur zwei Prozent verzeichneten eine Zunahme des umgebenden Waldes.” Die Abholzung schreitet in den tropischen Ländern schnell voran und die meisten Schutzgebiete verlieren ihren umgebenden Wald teilweise oder ganz. Die Forschergruppe stellte fest, dass viele Naturschutzgebiete wie Spiegel sind: Sie spiegeln die Gefährdungen und Änderungen ihrer Umgebung wider. “Wenn es zum Beispiel viele Feuer und illegalen Bergbau um einen Park herum gibt, können diese Gefahren bis zu einem gewissen Grad auch in den Park eindringen”, erläutert Carolina Useche.

Die Mindestanforderung, so die Wissenschaftler, bestehe darin, die Schutzgebiete besser zu schützen. Das bedeutet konkret, die Gefahren innerhalb und außerhalb des Gebiets zu bekämpfen und die örtliche Bevölkerung für den Schutz der Gebiete zu gewinnen. Solche Maßnahmen werden helfen, die Schutzgebiete resistenter gegen zukünftige Bedrohungen wie den Klimawandel zu machen.

“Wir haben keine Wahl,” betont William Laurance. “Die tropischen Wälder sind die artenreichsten Gebiete der Erde und ein bedeutender Teil dieser Biologischen Vielfalt wird ohne gut geschützte Gebiete verschwinden.”

Weitere Information sind erhältlich bei:
Prof. William Laurance
James Cook University, Cairns, Queensland, Australien
Email: bill.laurance@jcu.edu.au
Tel: +61-7-4038-1518 und +61-7-4042-1819

Veröffentlichung:
Laurance, William F., and 215 coauthors. 2012. Averting biodiversity collapse in tropical forest protected areas. Nature, DOI:10.1038/nature11318
Veröffentlichung online am 26. Juli 2012.

Kontakt am Museum für Naturkunde Berlin:
Dr. Andreas Kunkel, Museum für Naturkunde, Tel. +49(0)30 2093 8690 Fax. +49(0)30 2093 8651, e-mail andreas.kunkel@mfn-berlin.de

Dr. Andreas Kunkel | idw
Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1038/nature11318
http://www.naturkundemuseum-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise