Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zoologen vom Museum Koenig, Bonn, entdecken neue Vielfalt am Horn von Afrika

25.09.2013
Gemeinsam mit Zoologen von der Washington Universität in den USA und aus Tschechien hat der Reptilienspezialist Dr. Philipp Wagner, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der herpetologischen Sektion der Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig - Leibniz Insitut für Biodiversität der Tiere in Bonn, gleich zwei neue Echsenarten aus der Familie der Agamen in Somalia und Äthiopien entdeckt und jetzt in der führenden europäischen Fachzeitschrift für Herpetologie Amphibia-Reptilia unter dem wissenschaftlichen Namen Agama somalica und Agama lanzai beschrieben (early view: 23.September 2013).

Schon auf den ersten Blick wirken die neuen afrikanischen Echsenarten durch ihre blaue und rote Färbung spektakulär. Vor allem wurden sie aber in einer Region entdeckt die durch ihre politisch instabilen Verhältnisse schwer zu bereisen ist.


Agama lanzai, die nach Benedetto Lanza benannte neue Agamenart aus Somalia. Photo: Peter Novak


Agama somalica, eine aus Somalia neu beschriebene Agamenart. Photo: Tomas Mazuch

„Darum haben wir auch zu einem großen Teil auf Tiere zurück gegriffen die wir in Forschungssammlungen gefunden haben. Auch das stellt eindeutig hervor, wie wichtig diese Sammlungen für die heutige Forschung sind.“, sagt Dr. Philipp Wagner vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig.

Der Fund selber ist gar keine so große Überraschung. „Schon 2011 und auch schon in diesem Jahr haben wir neue Agamenarten aus Äthiopien beschrieben und wir ahnen mittlerweile, dass wir es hier innerhalb dieser Gruppe mit einem ‚Hotspot‘ der Artenvielfalt zu tun haben“ stellt Wagner heraus. Ein Hotspot ist eine Region in der die Artenvielfalt besonders hoch ist und viele Arten vorkommen die auf diese Region beschränkt sind.

Das Horn von Afrika, zu dem Äthiopien und Somalia gehören, ist in vielen Gruppen als ein solcher Hotspot bekannt und wurde daher schon früh von europäischen Wissenschaftlern bereist. Einer von ihnen ist der Italiener Benedetto Lanza, zu dessen 80. Geburtstag eine der Arten ihm zu Ehren Agama lanzai genannt wurde. Er war einer der Wissenschaftler, denen wir heute die hohe Qualität der Forschungssammlungen zu verdanken haben und sich somit die Artenvielfalt in diesem Krisengebiet bearbeiten lässt. „Wie viele Echsenarten dort genau vorkommen wissen wir aber noch lange nicht.“, sagt Wagner und führt weiter aus, „und die naturhistorischen Sammlungen sind natürlich eine wichtige Grundlage für unsere Arbeit. Trotzdem kommen wir nicht umhin auch solche Länder zu bereisen. Gerade wenn wir mehr über die Ökologie der Arten erfahren wollen.“

"Die Beschreibung der Art in Kooperation mit internationalen Wissenschaftlern zeigt die herausragende Bedeutung der Herpetologie am Museum Koenig" meint Prof. Dr. Wolfgang Wägele, Direktor des Museum Koenig. "Es zeigt sich immer wieder, dass auch heute noch spektakuläre Arten beschrieben werden können und die Biodiversität noch lange nicht erfasst ist" ergänzt Dr. Dennis Rödder, Leiter der Sektion Herpetologie am Museum. Dem Horn von Afrika und dessen Artenvielfalt kommt eine besondere Rolle zu. Die dortigen Wüstengebiete werden als erstes vom Klimawandel betroffen sein und gelten zudem als Rückzugsraum vieler Echsenarten in der klimatisch wechselnden Erdgeschichte. „Dies führte nicht nur dazu, dass in Somalia und Äthiopien besonders viele Echsenarten vorkommen, sondern auch, dass diese nun durch den Klimawandel bedroht sein werden.“ ergänzt Wagner.

„Insgesamt,“ sagt Dr. Wolfgang Böhme, Senior-Herpetologe am Museum Koenig, „stellen die neuen Arten nur kleine Stücke in einem Puzzle dar, an dem wir nun schon gut zehn Jahre arbeiten.“

Quelle:

http://booksandjournals.brillonline.com/content/15685381/34/3
respektive:
http://booksandjournals.brillonline.com/content/10.1163/15685381-00002897;jsessionid=115tsknc50hh6.x-brill-live-01

[Wagner, P., Leaché, A., Mazuch, T. and Böhme, W. (2013), Additions to the Lizard Diversity of the Horn of Africa – Two new species of the Agama spinosa group. – Amphibia-Reptilia 34: 363–387.

Ansprechpartner: Dr. Philipp Wagner
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Adenauerallee 160, D 53113 Bonn
0228-9122254, philipp.wagner.zfmk@uni-bonn.d
Die Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig - Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere hat einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de

Sabine Heine | idw
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de
http://booksandjournals.brillonline.com/content/10.1163/15685381-00002897;jsessionid=115tsknc50hh6.x-brill-live-01

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kupferhydroxid-Nanopartikel schützen vor toxischen Sauerstoffradikalen im Zigarettenrauch
30.03.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung
30.03.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE