Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zentraler Signalweg beim Lymphom kann erfolgreich unterbrochen werden

07.04.2015

Krebsforschende der Universität Zürich identifizieren einen Schlüssel-Signalweg beim B-Zell-Lymphom, einer bösartigen Krebserkrankung. Sie weisen nach, dass der Signalweg mit Wirkstoffen unterbrochen werden kann, die bereits in der klinischen Enwicklung sind. Das kann für Diagnose, Prognose und Therapie dieser Krankheit in Zukunft von grosser Bedeutung sein.

Es ist eine Krebserkrankung des Blutes und die häufigste bösartige Veränderung des lymphatischen Systems, die unbehandelt immer tödlich endet: das sogenannte diffuse grosszellige B-Zell-Lymphom (DLBCL).

Obwohl die Krankheit bösartig ist, liegt die Heilungsrate nach einer Chemotherapie in Kombination mit Antikörpern bei 60 bis 70 Prozent. Gewisse Typen von DLBCL sprechen allerdings auf diese Standardtherapie nicht gut an, was eine sehr schlechte Prognose für die Betroffenen zur Folge hat.

Die Biologie dieses Lymphomtyps ist bislang noch unverstanden, wodurch es an zielgerichteten Therapieansätzen mangelt. Die Forschungsgruppe um Corina Schmid und Anne Müller vom Institut für Molekulare Krebsforschung der Universität Zürich hat nun einen neuen Signalweg identifiziert, der in Lymphomzellen des DLBCL aktiv und für diese überlebenswichtig ist – und der mit bereits vorhandenen Wirkstoffen effizient attackiert werden kann.

Prognose-Faktor für das langfristige Überleben

Bei ihrem experimentellen Ansatz gingen die UZH-Forschenden von der Hypothese aus, dass nicht nur genetische, sondern auch epigenetische Veränderungen bei der Entstehung von Lymphomen eine wichtige Rolle spielen könnten.

Daher analysierten sie über das ganze Genom die sogenannte Methylierung der DNA, eine epigenetische Veränderung, die die Aktivität vieler menschlicher Gene steuert. Eine veränderte DNA-Methylierung ist ein häufiges Merkmal verschiedenster Tumortypen, weshalb nahelag, dass auch Lymphomzellen diesen regulatorischen Mechanismus zu ihrem Vorteil ausnutzen würden.

Und tatsächlich: Die bioinformatische Analyse der Methylierungsprofile von rund 70 Patientenfällen förderte acht Regionen auf der DNA, sogenannte Genloci, zutage, die allesamt abnormal hypermethyliert und für das Überleben der Zellen wichtig waren.

«In weiteren Experimenten kristallisierte sich aus den acht Genloci schliesslich ein Gen heraus, das in fast allen untersuchten Lymphom-Patienten aufgrund einer DNA-Methylierung blockiert ist und deshalb nicht in Protein übersetzt werden kann», fasst Studienleiterin Anne Müller zusammen.

Darüber hinaus machten die Krebsforscher folgende erstaunliche Entdeckung: Die epigenetische Stilllegung dieses Genlokus erwies sich in mehreren grossen Patientenkohorten als hochgradig signifikanter, negativer prognostischer Faktor für das langfristige Überleben von DLBCL-Patienten. «Damit könnte dieser Faktor für die die Diagnose und Prognose, sowie für Therapieentscheidungen in Zukunft von grosser Bedeutung sein», so Müller.

Hemmstoffe sind wirksam

Der neu identifizierte Genlokus enthält die genetische Information für ein Enzym, eine Phosphatase, die einen wichtigen Signalweg in den Lymphomzellen reguliert und offenbar für das Überleben der Tumorzellen essentiell ist. Für diesen Signalweg sind bereits Hemmstoffe in der klinischen Entwicklung; nun konnten Erstautorin Corina Schmid und Leiterin Anne Müller sowohl in Zellkulturen, als auch im Tiermodell nachweisen, dass diese auch gegenüber Lymphom-Zellen wirksam sind: Lymphome von Mäusen, die mit dem Wirkstoff behandelt wurden, wuchsen deutlich langsamer als jene von unbehandelten Mäusen.

«Interessanterweise erwiesen sich Kombinationstherapien mit anderen bereits etablierten Wirkstoffen als besonders effektiv», erklärt Schmid, «und damit ist der neu beschriebene Signalweg ein vielversprechendes Ziel zukünftiger Krebstherapien.»

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für molekulare Lebenswissenschaften der Uni-versität Zürich, dem Unispital Basel und dem Kantonsspital St. Gallen durchgeführt.

Literatur:
Corina A. Schmid, Mark D. Robinson, Nicole A. Scheifinger, Sebastian Müller, Sergio Cogliatti, Ale-xandar Tzankov, Anne Müller. DUSP4 deficiency due to promoter hypermethylation drives JNK sig-naling and tumor cell survival in diffuse large B-cell lymphoma. The Journal of Experimental Medicine, doi: 10.1084/jem.20141957.

Kontakt:
Anne Müller
Institut für Molekulare Krebsforschung
Universität Zürich
Tel. +41 43 355 9535
E-Mail: mueller@imcr.uzh.ch

Beat Müller | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der erste Blick auf ein einzelnes Protein
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

nachricht Unterschiedliche Rekombinationsraten halten besonders egoistische Gene im Zaum
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik