Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zellfabrik Hamsterzellen

04.04.2012
Das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) hat mit Sigma Aldrich ein internationales Schwergewicht als neuen Firmenpartner und hält damit bei 27 internationalen Partnerunternehmen.
Ziel der neuen Kooperation, an der auch das kleine österreichische Biotech-Startup CHORUS GmbH beteiligt ist, ist das Beschleunigen der Zelllinienentwicklung von chinesischen Hamsterzellen, mit denen sich dann hochwertige Medikamente herstellen lassen.

Hochwertige und hochpreisige medizinische Wirkstoffe werden heute oft mit Zellen aus den Eierstöcken des Chinesischen Hamsters hergestellt. Diese „CHO-Zellen“ sind eher zufällig in ihre Rolle als Zellfabrik gerutscht – eine Rolle, für die die Natur sie nicht vorgesehen hat. Im Vergleich zu anderen Zelllinien haben sie freilich große Vorteile:

Hochwertige Zellkulturen im Brutschrank
acib

Die Gefahr, dass sie mit gefährlichen Viren infiziert sind, ist sehr gering, was für die Produktion von therapeutischen Proteinen sehr wichtig ist. Sie sind imstande, Proteine so herzustellen, dass sie das menschliche Immunsystem nicht als fremd erkennt und zerstört, erklärt Projektleiterin Prof. Nicole Borth vom Department für Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien. Vor allem sind die CHO-Zellen seit langem etabliert; es gibt viel Erfahrung im Umgang damit und unzählige Varianten stehen zur Verfügung. Genau diese Vielfalt behindert allerdings gleichzeitig die schnelle und kostengünstige Etablierung von neuen Zelllinien und Produktionsprozessen, weil jedesmal wieder zahllose Zelllinien getestet werden müssen um die "richtige" zu finden.

Dieses Dilemma will nun das acib im Verbund mit Sigma Aldrich, CHORUS und der BOKU Wien lösen. Es geht darum, die Entwicklung von Produktionsstämmen mit optimalen Eigenschaften zu beschleunigen und so die Herstellungskosten von Biopharmazeutika – zum Beispiel humane Antikörper für die Krebstherapie – zu verringern. Dazu werden in den CHO-Zellen die Zellorganellen, die für die Proteinsynthese notwendig sind, optimiert und aufeinander abgestimmt.

Das Ergebnis soll eine einheitliche Hochleistungszelllinie sein, die den Anforderungen der industriellen Produktion verlässlich gewachsen ist. Im nächsten Schritt wird dann die genetische Information ganz gezielt in das Genom der Hamsterzellen eingebaut. „Das ist möglich, indem wir zuerst ein Markergen an einer idealen Stelle einsetzen. Das Markergen kann dann je nach Wunschprotein durch die entsprechende Geninformation ersetzt werden“, erklärt die Biotechnologin.

„Durch das Verstehen der molekularen Mechanismen in den Zellen ist letztendlich möglich, die Qualität und Ausbeute zu sichern“, so die Projektleiterin. Gleichzeitig ist dieses Wissen die Grundlage für die weitere Verbesserung von CHO-Zellen, sodass therapeutische Proteine demnächst den Sprung zu „Commodity Medication“ – für jeden leistbare und leicht herstellbare Medikamente – schaffen.

acib schließt mit dieser Projektpartnerschaft die letzte Lücke im Bereich der industriellen Biotechnologie und stößt in das Hochpreissegment jener Wirkstoffe vor, die sich mit Hilfe dieser Zellkulturen produzieren lassen.

Über acib
Das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) ist das österreichische K2-Zentrum für industrielle Biotechnologie. Es ist als Kompetenzzentrum ein Zusammenschluss von derzeit sieben Universitäten und 27 Projektpartnern, darunter bekannte Namen wie BASF, DSM, Sandoz, Biocrates Life Science, Ionimed, Boehringer Ingelheim RCV, Jungbunzlauer, F. Hoffmann-LaRoche, Novartis, VTU Technology oder Sigma Aldrich. Eigentümer sind die Universitäten Innsbruck und Graz, die TU Graz, die BOKU Wien sowie Joanneum Research.

Beim acib forschen und arbeiten rund 150 Beschäftigte an mehr als 30 Forschungsprojekten. Das Budget bis 31.12. 2014 macht ca. 60 Mio. Euro aus. Öffentliche Fördermittel (58% des Budgets) bekommt das acib von der Forschungsförderungsgesellschaft der Republik Österreich (FFG), der Standortagentur Tirol, der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG) und der Technologieagentur der Stadt Wien (zit).

Das Kompetenzzentrum acib – Austrian Centre of Industrial Biotechnology – wird im Rahmen von COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch BMVIT, BMWFJ sowie die Länder Steiermark, Wien und Tirol gefördert. Das Programm COMET wird durch die FFG abgewickelt.

Thomas Stanzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.acib.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften