Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was Zellen im Gewebe zusammenhält

16.11.2009
Achilleas Frangakis vom Exzellenzcluster der Goethe Universität erhält ERC-Starting Grant des Europäischen Forschungsrats

Achilleas Frangakis, Professor für Elektronenmikroskopie im Exzellenzcluster "Makromolekulare Komplexe" Frankfurt, erhält in der zweiten Ausschreibungsrunde des European Research Council (ERC) einen "Starting Independent Researcher Grant".

Mit dem 2007 erstmals ausgeschriebenen Programm der ERC-Grants will die Europäische Union (EU) europaweit kreative Wissenschaftler fördern und insbesondere in Ideen investieren, die umwälzende Entdeckungen versprechen.

Achilleas Frangakis ist einer von 12 Kandidaten in Deutschland, deren Antrag im Bereich "Life Sciences" von Scientific Council des ERC zur Förderung vorgeschlagen wurde. 927 Bewerbungen aus der ganzen Welt waren für den Bereich Life-Science eingegangen, 2503 für die Ausschreibung insgesamt. Alleiniges Kriterium bei der Begutachtung der Anträge ist wissenschaftliche Exzellenz. Mit den vom ERC bewilligten Mitteln in Höhe von 1,7 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre will Frangakis nun seine interdisziplinäre Arbeitsgruppe von Biologen, Physikern und Biochemikern mit jungen brillanten Köpfen weiter ausbauen.

Frangakis ist Spezialist für Kryo-Elektronen-Tomographie. Der 34-Jährige studierte Elektrotechnik und Informationstheorie an der Technischen Universität München. Seinen Weg in die Lebenswissenschaften fand er über eine Dissertation am Max-Planck-Institut für Biochemie in München und California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena. Bis zu seiner Berufung an die Goethe Universität Frankfurt 2008 war er Gruppenleiter am Europäischen Molekularbiologie Labor (EMBL) in Heidelberg. Sein Spezialgebiet ist die Kryo-Elektronen-Tomographie, eine Variante der Elektronenmikroskopie, bei der lebende Zellen durch Einfrieren konserviert und dann, wie in der medizinischen Computertomographie, Schicht für Schicht dargestellt werden. Auf diese Weise konnte er erstmals dreidimensionale Bilder von Hautzellen aufnehmen, die so detailliert waren, dass einzelne Moleküle sichtbar wurden. Frangakis löste damit die lange Zeit umstrittene Frage, wie Zellen in Geweben und Organen zusammen halten.

"Der Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe ist in Europa der beste Ort für meine Forschung", beurteilt Frangakis die ausgezeichnete experimentelle Ausstattung und die Kooperationsmöglichkeiten in Frankfurt. Zusätzlich zu dem voll ausgestatteten elektronenmikroskopischen Labor erhält er im kommenden Jahr das beste zurzeit erhältliche Kryo-Mikroskop, ein FEI Krios. "Das ist die S-Klasse unter den Elektronen-Mikroskopen", erklärt der Forscher. Für die benötigte Rechnerkapazität wird künftig ein neuer Hochleistungsrechner zur Verfügung stehen.

Auch zukünftig will Achilleas Frangakis die molekularen Strukturen der Zelladhäsion untersuchen. Nur so können medizinisch relevante Fragen - etwa wie die Proteine ineinander greifen und so die Zellhaftung regulieren - angegangen werden. Hier werden hochauflösende, dreidimensionale Bilder der Zellverbindungen unter verschiedenen Bedingungen wertvolle Hinweise geben. Auch für die Krebsforschung sind Untersuchungen auf diesem Gebiet wichtig, denn eine schlechte Zelladhäsion vergrößert das Risiko der Metastasierung von Tumoren. Darüber hinaus will der Forscher verstehen, wie die Adhäsionsproteine mit dem Zytoskelett der Zellen gekoppelt sind. "Um die Strukturen zuverlässig interpretieren und einordnen zu können, werden wir neue Techniken der Mustererkennung und Klassifikation entwickeln", erklärt Frangakis.

Prof. Frangakis ist der dritte Wissenschaftler der Goethe-Universität, der einen ERC-Starting Grant erhält. Im vergangenen Jahr wurden bereits die Kulturanthropologin Prof. Kira Kosnick sowie der inzwischen an die RWTH gewechselte Chemiker Prof. Magnus Rueping ausgezeichnet.

Informationen: Prof. Achilleas Frangakis, Exzellenzcluster "Makromolekulare Komplexe", Institut für Biophysik, Campus Riedberg, Tel: (069)798-46462, achilleas.frangakis@biophysik.org.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,

E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften