Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Zelle verbindet - Warum Gefäßverkalkung auch eine Autoimmunerkrankung ist

03.04.2012
Patienten mit Autoimmunerkrankungen neigen oft auch zu Atherosklerose - umgangssprachlich als Gefäßverkalkung bezeichnet. Wissenschaftler des Würzburger Rudolf-Virchow-Zentrums konnten nun gemeinsam mit Forschern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München erstmals einen ursächlichen Mechanismus für den Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen aufdecken.
Das Bindeglied sind spezielle Zellen des Immunsystems, sogenannte plasmazytoide dendritische Zellen (pDC). Sie werden sowohl bei Autoimmunerkrankungen aktiviert als auch bei Atherosklerose und schütten daraufhin sogenannte Interferone aus, immunstimulierende Botenmoleküle, die auch die Atherosklerose vorantreiben. Aus dieser Entdeckung ergeben sich möglicherweise neue Therapieansätze für verschiedene chronisch-entzündliche Krankheitsbilder.

Atherosklerose gehört in der westlichen Welt zu den häufigsten Todesursachen: Durch chronische Entzündungen bilden sich in den Blutgefäßen Ablagerungen - atherosklerotische Plaques - die unter anderem Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen können. Bei der Entstehung der atherosklerotischen Plaques spielen sogenannte dendritische Zellen eine entscheidende Rolle. Unter anderem gehören zu diesen Immunzellen die plasmazytoiden dendritischen Zellen (pDC), deren Bedeutung für die Atherosklerose bisher aber kaum untersucht war. Das Team von Privatdozentin Dr. Alma Zernecke am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg konnte nun gemeinsam mit der LMU-Lebenswissenschaftlerin Dr. Yvonne Döring zeigen, inwiefern pDC zur Entstehung von Atherosklerose beitragen. Diese Befunden könnten erklären, warum Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis oder systemischem Lupus erythematodes (SLE) verstärkt zu Atherosklerose neigen.

Die Forscher fanden bei Untersuchungen an Mäusen Hinweise, dass pDC zur frühen Entstehung atherosklerotischer Schädigungen der Gefäße beitragen: Wurden diese Zellen mit einem speziellen Antikörper ausgeschaltet, sank die Menge der entzündungsfördernden Interferone im Blutserum. Die behandelten Tiere waren entsprechend deutlich weniger anfällig für die Erkrankung.
Die Verbindung zu Autoimmunkrankheiten liegt in der Stimulation der pDC: "Die pDC selbst werden durch körpereigene Antigene stimuliert, die auch bei Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis und SLE eine entscheidende Rolle spielen", sagt Döring. Dass die resultierende Ausschüttung von Interferonen durch pDC am Geschehen bei autoimmunen Erkrankungen beteiligt ist, ist für verschiedene autoimmune Erkrankungen bereits beschrieben.

Auslöser für die krankhafte Interferon-Ausschüttung scheint ein Protein zu sein, das fälschlicherweise körpereigene DNA als Fremdkörper kenntlich macht. Ein Komplex aus diesem Protein mit körpereigener DNA aktiviert pDCs und die folgende Entzündungsreaktion. Die Forscher konnten jetzt nachweisen, dass dieser Mechanismus auch bei Atherosklerose eine Rolle spielt: Mit solchen Komplexen injizierte Mäuse entwickelten deutlich mehr atherosklerotische Schäden – aber nur, wenn auch die pDCs vorhanden waren, um das Signal zu verarbeiten.

"Damit könnte sich erklären lassen, warum Patienten mit Autoimmunerkrankungen auch häufiger Atherosklerose entwickeln", erläutert Zernecke: „Bei beiden Störungen sind die pDCs übermäßig aktiv.“ Eines Tages, so hofft die Wissenschaftlerin, könnten sich aus dieser Erkenntnis sogar neue Behandlungsansätze ergeben.

Kontakt:

PD Dr. Alma Zernecke
Rudolf-Virchow-Zentrum/
DFG-Forschungszentrum für Experimentelle
Biomedizin der Universität Würzburg
Josef-Schneider Str. 2, Haus D15
97080 Würzburg
Tel: +49-(0)931/ 31-80373
Fax: +49-(0)931/ 31-83255
alma.zernecke@virchow.uni-wuerzburg.de

Dr. Yvonne Döring
Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten
Tel.: +49 (0)89/5160-4680
Fax: +49 (0)89/5160-4352
yvonne.doering@med.uni-muenchen.de

Eva Eismann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de
http://circ.ahajournals.org/content/early/2012/03/02/CIRCULATIONAHA.111.046755
http://www.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Verteidigung um fast jeden Preis
14.12.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

nachricht Mitochondrien von Krebszellen im Visier
14.12.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten