Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zecken durch Klimawandel gefährlicher

11.05.2009
Verschiebung der Jahreszeiten machen Erreger hartnäckiger

Der Klimawandel kann in bestimmten Regionen die Zahl der Erkrankungsfälle an Lyme-Borreliose steigern. Das geschieht, indem sich die Zeiträume der Blutmahlzeiten verschiedener Zecken-Entwicklungsstadien an ihren Wirten verändern, was zu einer besseren Übertragung der Erreger auf Zecken führt.

Zu diesem Schluss kommen Epidemologen der Yale School of Public Health im Journal Applied and Environmental Microbiology. Die Forschergruppe um Durland Fish untersuchte Genomteile der Borrelien-Erreger an 30 verschiedenen Standorten der USA. Dabei konnte sie nachweisen, dass die Verschiebung der Jahreszeiten die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, nach einem Zeckenstich an Lyme-Borreliose zu erkranken.

Bisher wusste man erst, dass der Klimawandel zur Vergrößerung des geografischen Verbreitungsgebietes von Zecken führen kann.

Der als "Zecke" bekannte Gemeine Holzbock durchläuft in seiner zwei- bis sechsjährigen Lebenszeit mit dem Larven-, Nymphen- und Erwachsenenstadium mehrere Entwicklungsstufen. Um überleben zu können, braucht er in jedem Stadium eine Blutmahlzeit, welche er durch Saugen an einem Wirbeltier aufnimmt. "Für die erste Blutmahlzeit im Larvenstadium dient meist eine Maus.

Erst die Nymphe kann auch die Haut von größeren Tieren wie Igel, Vögel, Wildschweine oder auch die menschliche Haut durchdringen", berichtet Jochen Süss, Leiter des Referenzlabors für durch Zecken übertragene Krankheiten am Friedrich-Loeffler-Institut, im pressetext-Interview. Die Borrelien gelangen durch den Stich einer infizierten Zecke - unabhängig von deren Stadium - in einen Wirt. Während der Phase, in der dieser Wirt Erreger im Blut besitzt, kann eine andere Zecke diese während der Blutmahlzeit aufnehmen.

Die US-Forscher stellten fest, dass die Ausprägung der Borreliose-Erkrankung in einer bestimmten Region vom jahreszeitlichen Zyklus des Aufeinandertreffens von Zeckenstadien während der Blutmahlzeiten an einem Wirt abhängt, der wiederum vom Klima stark beeinflusst wird. In nordöstlichen Bundesstaaten der USA, wo Zecken zwischen Larven- und Nymphenstadium eine lange Pause zwischen den Blutmahlzeiten einlegen, stellten die Forscher häufigeres Auftreten der Borreliose beim Menschen fest. In Gebieten mit höheren Temperaturschwankungen wie im Mittelwesten der USA sei diese Pause kürzer, weshalb die Erreger dort weniger ausgeprägt seien und beim Menschen seltener Borreliose auslösten. Das könnte sich angesichts des Klimawandels jedoch ändern, geben die Forscher zu bedenken.

Bisher sind bereits mehrere Facetten der globalen Erwärmung bekannt, die der Ausbreitung der Zecken und damit auch der von ihnen übertragenen Krankheiten entgegenkommen. "Da die Klimaänderungen Reiserouten und Verbreitungsgebiete gewisser Vögel verschiebt, gelangen auf ihrem Rücken auch die Zecken in neue Regionen. Außerdem können sie durch das mildere Klima in höhere Gebirgslagen vordringen", so Süss.

In deutschen Studien konnte zudem nachgewiesen werden, dass sich die Zeit der Wirtssuche der Zecken auf das ganze Jahr ausdehnen kann. "In warmen Wintern kann man über das ganze Jahr Zecken finden, was noch vor 15 Jahren undenkbar war." Dass die Tiere, wie oft berichtet, auch am Weihnachtsbaum vorkommen, hält der Zeckenexperte jedoch für eher unwahrscheinlich. "Zecken brauchen zum Überleben eine Luftfeuchtigkeit von über 85 Prozent, was in den meisten Wohnungen nicht der Fall ist."

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://publichealth.yale.edu
http://www.fli.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzen gegen Staunässe schützen
17.10.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Erweiterung des Lichtwegs macht winzige Strukturen in Körperzellen sichtbar
17.10.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz