Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wo kommen all die Käfer her?

03.06.2014

Forscher untersuchen Biodiversität und Evolution in Neu-Guinea

Die Artenvielfalt auf der Insel Neu Guinea ist in jeder Hinsicht atemberaubend, vor wenigen Jahren wurden sogar noch neue Arten von Baumkänguruhs entdeckt. Bei den Wirbellosen Tieren, und besonders den Käfern, ist die Fülle an Arten und Formen schier endlos.


Schwimmkäfer aus der Gattung Exocelina

(Foto Harald Schillhammer, Wien)

Jede Aufsammlung birgt hier viele neue, der Wissenschaft unbekannte Arten. “Neu Guinea ist ein El Dorado für Biologen” weiß die Wasserkäferexpertin Helena Shaverdo vom Naturhistorischen Museum Wien. “Alleine aus der Schwimmkäfergattung Exocelina, die man am Rande von kleinen Regenwaldbächen findet, werden wir bald etwa 100 neue Arten beschrieben haben”.

Verwirrend dabei: Während der Artenreichtum Neu Guineas wahrhaft fantastisch ist, ist die Insel als solche relativ jung, die Evolution hatte also wenig Zeit, so viele Arten hervorzubringen. Weite Teile der Insel sind erst in den letzten wenigen Millionen Jahren durch hochkomplexe geologische Vorgänge entstanden.

Emmanuel Toussaint und Kollegen von der Zoologischen Staatssammlung in München klärten nun anhand molekularbiologischer Methoden die Verwandtschaftsverhältnisse von Exocelina und rekonstruierten damit die Evolution dieser Käfer in Zeit und Raum.

“Die Artenvielfalt in Neu Guinea kann durch massive Gebirgsauffaltungen in den letzten 7 Millionen Jahren erklärt werden” fand er, wobei sich mit den fast 5000 m hohen Bergrücken auch zahllose neue Lebensräume bildeten. Die Käfer breiteten sich horizontal und vertikal peu à peu aus, immer wenn neuer Lebensraum entstand, auch in die sich um die Zentralbergkette formierenden Vorgebirge und ins Flachland – und dann wieder zurück in die Berge.

“So entstanden im Laufe der Zeit immer neue Arten, die sich an die neuen Umweltbedingungen anpassten”. Die Gebirgsbildung war dabei eine Art “Diversitätsmotor” für die gesamte Region. Die jetzt im Fachblatt Nature Communications publizierten Resultate können als Modell für weiterführende Studien an anderen Organismen dienen – eine Herausforderung, denn das Münchner Team benötigte etwa 10 Jahre, um in den entlegensten Dschungelgebieten der Insel und in Museen die entsprechenden Proben zu finden.

Ansprechpartner:
Dr. Michael Balke, Zoologische Staatssammlung München, Email: michael_balke@yahoo.de Mobiltelefon: 0151 2070 8281 

Referenzen:
Shaverdo H, Hendrich L, Balke M (2012) Introduction of the Exocelina ekari- group with descriptions of 22 new species from New Guinea (Coleoptera, Dytiscidae, Copelatinae). Zookeys 250: 1–76. doi: 10.3897/zookeys.250.3715

Toussaint E.F.A., Hall R., Monaghan M.T., Sagata, K., Ibalim S., Shaverdo H.V., Vogler A.P., Pons J. & Balke M. (2014) The towering orogeny of New Guinea as a trigger for arthropod megadiversity. Nature Communications 10.1038/ncomms5001

Weitere Informationen:

http://www.zsm.mwn.de
http://www.snsb.de

Dr. Eva-Maria Natzer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt Evolution Flachland Käfer Lebensraum Nature Wirbellosen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt
11.12.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Mit den Augen der Biene: Zoologe der Uni Graz entwickelt Verfahren zur Verbesserung dunkler Bilder
11.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit