Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler isolieren Nischenzellen aus Blutstammzellen

08.10.2010
Da Nischenzellen die Blutbildung unterstützen, könnte dies langfristig dabei helfen, die Entstehung mancher Leukämien zu erklären

Wissenschaftler des Max-Planck Instituts für Immunbiologie in Freiburg und des Helmholtz Zentrums München ist es erstmals gelungen, gezielt Nischenzellen für Blutstammzellen, so genannte hämatopoietische Stammzellen, zu isolieren.


In disem Schnitt durch den Knochen einer Maus erkennt man die Knochenmatrix (schwarz), die Knochenmarkszellen (blau) und die EBF2-positiven Nischenzellen (grün). In der Vergrößerung des Bildes (rechts) sind auch rot-gefärbte Blutstammzellen ersichtlich. Bild: Max-Planck-Institut für Immunbiologie

Die spezialisierten Nischenzellen bieten diesen Blutstammzellen geeignete Bedingungen, damit sie sich entwickeln, vermehren und ausdifferenzieren können. Die Ergebnisse könnten langfristig dazu beitragen, die Entstehung mancher Leukämien zu erklären und Blutzellen zur Transfusion zu züchten. (Cell Stem Cell, 8. Oktober 2010).

Knochenmark ist sehr heterogen, es besteht aus etwa 100 verschiedenen Zellen. Um Nischenzellen daraus zu isolieren, die nur in geringer Anzahl darin vorkommen, haben Rudolf Grosschedl und Gergana Dobreva vom Max Planck Institut für Immunbiologie in Freiburg gemeinsam mit Matthias Kieslinger und Silvia Hiechinger vom Helmholtz Zentrum München Knochenmarkzellen von Mäusen verwendet, bei denen ein Transkriptionsfaktor (EBF2) an ein spezielles Protein gekoppelt ist. Transkriptionsfaktoren bewerkstelligen generell die Regulation von Genen. Die EBF2-positiven Nischenzellen wurden angefärbt, von einem Gerät erkannt und aus der Vielzahl unterschiedlicher Zellen aussortiert.

Nischenzellen sind für die Blutbildung essentiell: Sie versorgen die Blutstammzellen mit optimalen Bedingungen, um zu reifen und die verschiedenen Typen von Blut- und Immunzellen ausbilden zu können. Das Wissen um die richtige Umgebung von Blutstammzellen eröffnet den Forschern neue Möglichkeiten bei der Vermehrung der Zellen in Kultur. So können die Wechselwirkungen der Nischenzellen mit den Blutstammzellen und die daran beteiligten Faktoren wesentlich besser untersucht werden.

Eine konkrete Anwendung wird von den Wissenschaftlern bereits erforscht: "Bei krankhaften Blutzellveränderungen, wie der chronisch lymphatischen Leukämie, könnten die Nischenzellen auch die Entwicklung von malignen hämatopoietischen Zellen beeinflussen", sagt Matthias Kieslinger. Nach Ansicht von Rudolf Grosschedl wird "die Möglichkeit, Nischenzellen zu isolieren, auch für die Erforschung der Wechselwirkung mit Blutstammzellen und für das Verständnis der Balance zwischen Selbsterneuerung und Differenzierung von Stammzellen wichtig sein."

Das Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut der Max-Planck-Gesellschaft. Der aktuelle Forschungsrahmen umfasst verschiedene Bereiche der modernen Immun- und Entwicklungsbiologie sowie der Epigenetik. Hierzu gehört der evolutionäre Ursprung des Immunsystems, die Entwicklung lymphoider Organe, Signalprozesse durch Antigen-Rezeptor Komplexe, Wirt/Pathogen-Interaktionen, entwicklungsbiologische Signalwege, die Regulation der Genexpression und der Chromatinstruktur, Zell-Zell-Interaktionen und die Zelldifferenzierung. Diese Forschung hilft, die Mechanismen der Bildung und der Funktion des Immunsystems und anderer biologischer Strukturen aufzuklären.

Das Helmholtz Zentrum München ist das deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt. Als führendes Zentrum mit der Ausrichtung auf Environmental Health erforscht es chronische und komplexe Krankheiten, die aus dem Zusammenwirken von Umweltfaktoren und individueller genetischer Disposition entstehen. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens auf einem 50 Hektar großen Forschungscampus. Das Helmholtz Zentrum München gehört der größten deutschen Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-Gemeinschaft an, in der sich 16 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit etwa 30.000 Beschäftigten zusammengeschlossen haben. www.helmholtz-muenchen.de

Originalveröffentlichung:

Matthias Kieslinger, Silvia Hiechinger, Gergana Dobreva, G. Giacomo Consalez, Rudolf Grosschedl
Early B Factor 2 Regulates Homeostasis of Hematopoietic Stem Cells in a Cell Non-Autonomous Manner

Cell Stem Cells, 8. Oktober 2010

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Dr. Rudolf Grosschedl,
Max-Planck-Institut für Immunbiologie, Freiburg
Tel.: +49 761 5108-711
Fax: +49 761 5108-799
E-Mail: grosschedl@immunbio.mpg.de
Dr. Matthias Kieslinger
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Neuherberg
Tel.: +49 89 7099-515
E-Mail: matthias.kieslinger@helmholtz-muenchen.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Embryonale Genregulation durch mechanische Reize
22.05.2018 | Universität Wien

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
22.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Kosmische Ravioli und Spätzle

22.05.2018 | Physik Astronomie

Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics