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Wirkstoffe aus Lebermoosen: Verdrehte Moleküle im Blick

27.03.2012
In Lebermoosen stecken Stoffe, aus denen sich vielleicht neue Medikamente gegen Tumoren entwickeln lassen.

Mit diesen Naturstoffen befasst sich die Chemie-Doktorandin Anu Schaumlöffel an der Uni Würzburg. Ihre Ergebnisse hat sie bei einer Tagung auf einem Poster präsentiert, das prompt mit einem Preis ausgezeichnet wurde.


Vorhergesagte dreidimensionale Struktur des Bisbibenzyls Riccardin D. Bild: Institut für Organische Chemie / Uni Würzburg

Anu Schaumlöffel untersucht Naturstoffe aus der Gruppe der Bisbibenzyle, die in Lebermoosen und anderen Pflanzen aus Asien vorkommen. „In der traditionellen Medizin dort werden diese Pflanzen unter anderem zur Wundheilung und als Mittel gegen Pilzinfektionen eingesetzt“, sagt die Doktorandin, die in der Gruppe von Professor Gerhard Bringmann arbeitet.

Für traditionell verwendete Heilpflanzen interessiert sich die Wissenschaft – schließlich könnten die Gewächse Stoffe enthalten, aus denen sich neue oder besser wirksame Medikamente herstellen lassen. Die Bisbibenzyle stehen schon seit den 1980er-Jahren im Blickpunkt der Forschung, weil sie womöglich für die Behandlung von Krebs geeignet sind.

Kooperation Würzburg-Saarbrücken

Am Lehrstuhl von Professor Bringmann befasst man sich mit diesen Naturstoffen in Kooperation mit Andreas Speicher, Professor für Chemie an der Universität des Saarlandes. Dort werden die kompliziert gebauten Moleküle synthetisiert und damit für Tests auf ihre biologische Aktivität zugänglich gemacht. In Würzburg analysieren die Chemiker die verschiedenen räumlichen Formen, in denen Bisbibenzyle auftreten können – was eine knifflige Angelegenheit ist: „Diese Moleküle warten immer wieder mit Überraschungen auf. Sie sind so stark in sich verdreht, dass ihre Struktur nicht mit herkömmlichen Methoden ergründbar ist“, erklärt die Würzburger Doktorandin.

Erfolg mit Quantenchemie

Trotzdem hat Anu Schaumlöffel mit quantenchemischen Berechnungen herausgefunden, welche Formen Bisbibenzyle im Raum annehmen können. „Das lässt sich ergründen, wenn man die Wechselwirkungen der Moleküle mit polarisiertem Licht betrachtet.“ Warum es wichtig ist, die genauen dreidimensionalen Strukturen der Bisbibenzyle zu kennen? Weil diese Strukturen für die Wirkung der Stoffe in einem Organismus ausschlaggebend sind.

„Die faszinierende dreidimensionale Welt der Plagiochine, Riccardine und verwandter Bisbibenzyle“: Etwa so lautet die deutsche Übersetzung der Überschrift auf dem Poster, mit dem Anu Schaumlöffel und Dr. Matthias Groh (Saarbrücken) ihre neuesten Forschungsergebnisse vorstellen. Das Poster wurde auf den 24. Irseer Naturstofftagen vom 22. bis 24. Februar im Kloster Irsee (Ostallgäu) gezeigt und dort mit einem von drei Posterpreisen ausgezeichnet.

Die Irseer Naturstofftage

Veranstalter der Irseer Naturstofftage ist die Dechema, die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie mit Sitz in Frankfurt am Main. Ihr gehören über 5.800 Naturwissenschaftler, Ingenieure, Unternehmen, Organisationen und Institute an.

Auf der Tagung präsentieren Wissenschaftler aus Deutschland und seinen Nachbarländern ihre Arbeiten aus allen Bereichen der Naturstoff-Forschung. Dabei stehen jeweils die universitäre Grundlagenforschung sowie die Forschung und Entwicklung der Pharma- und Agroindustrie im Vordergrund. In diesem Jahr befasste sich die Tagung unter anderem mit den Gebieten Tumortherapie und antivirale Wirkstoffe, außerdem mit der Aufklärung von Biosynthesewegen und der Synthese von Naturstoffen.

Kontakt

Prof. Dr. Gerhard Bringmann, Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg, T (0931) 31-85323, bringman@chemie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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