Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Winziger Krebs mit großem Namen - Neu entdeckte Art zum Gedenken an Meeresforscher Türkay benannt

29.07.2016

Senckenberg-Wissenschaftler haben im Golf von Mexiko und dem Karibischen Meer zwei neue Krebsarten entdeckt. Die Tiere wurden während zwei Expeditionen aus Tiefen zwischen 522 und 1162 Metern aus dem Ozean geborgen und als neue Arten der Gattung Munidopsis beschrieben. Eine der neuen Krebsarten wurde im Gedenken an den und zu Ehren des verstorbenen Senckenberger Meeresforscher und Crustaceenexperten Professor Michael Türkay benannt. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Zootaxa“.

Der Springkrebs ist nur etwa 7 Millimeter groß, hat einen durchscheinend weiß-rosa Panzer und fühlt sich in Wassertiefen zwischen 539 und 578 Metern wohl – bisher lebte er dort unentdeckt und namenlos. „Das hat sich mit unserer Expedition im Jahr 2012 geändert. Während dieser haben wir den winzigen Krebs – und einige weitere Arten der Gattung Munidopsis – aus dem Wasser geholt“, erklärt Dr. Lydia Beuck von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven.


Winziger Springkrebs mit großem Namen: Munidopsis tuerkayi.

© Senckenberg


Der kleine Krebs wurde im Golf von Mexiko gefangen – dort lebt er zwischen Kaltwasserkorallen.

© Senckenberg

Eigentlich war die Meeresbiologin – gemeinsam mit Professor André Freiwald, Abteilungsleiter für Meeresforschung – zur Erforschung von Kaltwasserkorallen in See gestochen. „Die von uns während der Expeditionen mit den Forschungsschiffen SONNE und Maria S. Merian gefangenen Krebse leben teilweise in den selben Habitaten wie die Kaltwasserkorallen, die zu unserem Forschungsschwerpunkt gehören. Und was man fängt, wird auch untersucht“, erläutert Beuck.

Insgesamt fünf verschiedene Springkrebs-Arten konnte das Wissenschaftler-Team bestimmen – zwei Arten waren bisher noch unbekannt und wurden neu beschrieben. „Eine der neuen Arten – Munidopsis tuerkayi – haben wir nach unseren guten Freund und Kollegen Professor Michael Türkay benannt“, fügt Freiwald hinzu.

Michael Türkay war im September vergangenen Jahres im Alter von nur 67 Jahren verstorben. Seine Senckenberg-Laufbahn begann im Alter von 16 Jahren als freier Mitarbeiter der Crustaceensektion. Nach dem Abschluss seines Biologie-Studiums war er ab 1976 als Wissenschaftlicher Assistent in der Sektion Crustaceen tätig; nach seiner Promotion 1983 wurde er Kustos und Leiter dieser Sektion.

Seit dem Jahr 1989 leitete er die Abteilung Marine Zoologie, ein Amt das er bis zum Eintritt in den Ruhestand im Juni 2013 innehatte und welches er kommissarisch noch bis Ende 2014 weiterführte. Über viele Jahre war er Leiter der Senckenberg Schule sowie Mitglied im Senckenberg-Direktorium.

Neue Tier- oder Pflanzenarten erhalten ihren wissenschaftlichen Namen von den Forschern, die sie erstmals detailliert beschreiben. Der Name benennt, meist in lateinischer oder griechischer Sprache, die Gattung und die Art. Der Gattungsname ist dabei festgelegt, der Artname dagegen frei wählbar. Im Rahmen des BIOPAT-Programms (www.biopat.de) können die auch die Namen von Privatpersonen – gegen eine Spende –„verewigt“ werden, indem neu entdeckte Tier- oder Pflanzenart nach dem Spender getauft werden.

„Professor Türkays wissenschaftliche Begeisterung galt den Krebstieren und der marinen Zoologie – zahlreiche Erstbeschreibungen und hunderte wissenschaftliche Veröffentlichungen belegen seine außerordentliche Kompetenz auf diesem Gebiet. Ich denke, er hätte sich über unsere Namensgebung des kleinen Springkrebses gefreut“, schließt Beuck.

Kontakt
Dr. Lydia Beuck
Senckenberg am Meer
Abteilung Meeresforschung
Tel. 04421 9475-224
lydia.beuck@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
MACPHERSON, ENRIQUE; BEUCK, LYDIA; FREIWALD, ANDRÈ (2016): Some species of Munidopsis from the Gulf of Mexico, Florida Straits and Caribbean Sea (Decapoda: Munidopsidae), with the description of two new species. Zootaxa, [S.l.], v. 4137, n. 3, p. 405–416, http://dx.doi.org/10.11646/zootaxa.4137.3.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

2016 ist Leibniz-Jahr. Anlässlich des 370. Geburtstags und des 300. Todestags des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (*1.7.1646 in Leipzig, † 14.11.1716 in Hannover) veranstaltet die Leibniz-Gemeinschaft ein großes Themenjahr. Unter dem Titel „die beste der möglichen Welten“ – einem Leibniz-Zitat – rückt sie die Vielfalt und die Aktualität der Themen in den Blick, denen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der bundesweit 88 Leibniz-Einrichtungen widmen. www.bestewelten.de

Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen
23.11.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Neues Verfahren zum Nachweis eines Tumormarkers in bösartigen Lymphomen
23.11.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung