Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wild und tolerant: Gene der Wildtomate für Stresstoleranz identifiziert

12.08.2014

Wildtomaten (Solanum pennelii) zeichnet im Vergleich zu Kultursorten (Solanum lycopersicum) eine höhere Stresstoleranz gegenüber Trockenheit oder einen hohen Salzgehalt im Boden aus. Die Cuticula, eine wachsartige Schutzschicht auf den Blättern, spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Die Wildtomate dient aufgrund ihrer höheren Stresstoleranz unter anderem gegenüber Trockenheit und einem hohen Salzgehalt im Boden als Vorbild bei der Züchtung von Kultur-Tomaten. Um diesen genetisch bedingten Vorteil durch Kreuzung auch auf Kultursorten übertragen zu können, fehlte es bisher an genauen Informationen über die genetischen Faktoren und Mechanismen. Ein internationales Forscherteam hat nun mit Beteiligung aus Deutschland bzw. Kofinanzierung durch das PLANT 2030-Projekt PPD das Genom der Wildtomate vollständig sequenziert und analysiert, um diese Wissenslücke zu schließen.


Kulturtomaten zeichnen sich durch ihren leckeren Geschmack und hohen Nährstoffgehalt aus. Was die Stresstoleranz jedoch betrifft, kann sie von ihrem verwandten Wildtyp noch einiges lernen. (Bildquelle: © Maria Lanznaster/ pixelio.de)

Die Cuticula macht den Unterschied

Bei der Untersuchung der Widerstandsfähigkeit der Wildtomate knüpften die Forscher an frühere Studien an, die sich in diesem Zusammenhang mit der Cuticula, einer äußeren Wachsschicht auf der Epidermis, beschäftigt haben. Diese größtenteils aus Cutin bestehende Schutzschicht stabilisiert das äußere Abschlussgewebe von Pflanzen und schützt diese vor Wasserverlust, wodurch die Pflanze widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit wird. Die Forscher verglichen die Cuticula der Wildtomate mit der der Kulturtomate und stellten dabei fest, dass der Wachsgehalt bei der Wildtomate um ein dreifaches höher war.

Genomsequenzierung bringt Licht ins Dunkel

Die Sequenzierung des Genoms der Wildtomate ermöglichte es den Forschern nun, das Gen zu identifizieren, das die chemische Zusammensetzung der Cuticula reguliert. Dieses Gen findet sich übrigens auch im Erbgut der Modellpflanze Arabidopsis thaliana wieder, wo es ebenfalls an der Bildung des Wachses beteiligt ist. Im Vergleich zur Kulturtomate war die Expression dieses Gens bei der Wildtomate signifikant höher. Im weiteren Verlauf ihrer Untersuchung identifizierten die Forscher insgesamt 100 weitere Kandidatengene, die bei der Reaktion und Anpassung an eine trockene Umgebung oder einen hohen Salzgehalt im Boden möglicherweise eine Rolle spielen könnten.

Introgressionslinien optimieren

Die Forscher leisten mit ihrer Arbeit einen direkten Beitrag für die Tomatenzüchtung. „Mit der Sequenzierung ist es uns gelungen, eine wertvolle Quelle für die Aufklärung der Eigenschaften der Introgressionslinien zu schaffen“, erklärt Prof. Dr. Usadel von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und dem Forschungszentrum Jülich (früher am Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam).  Introgressionslinien entstehen, wenn Kulturpflanzen bzw. im aktuellen Fall Kulturtomaten mit verwandten Wildsorten gekreuzt werden, um bestimmte vorteilhafte Gene zu übertragen. Die Nachkommen der Kreuzung werden anschließend erneut und so lange mit der Kultursorte gekreuzt (Rückkreuzung), bis nur noch die  gewünschten Gene bzw. einzelne kurze Chromosomen-Abschnitte der Wildart überführt sind.

Durch die abschnittsweise Integration des Wildtomatengenoms in die Kulturpflanze können entsprechende erkenn- oder messbare Veränderungen diesen Abschnitten im Genom zugeordnet werden. Introgressionslinien sind somit eine gleichzeitige Ressource zur Aufklärung von Gen-Funktions-Beziehungen in der Grundlagenforschung und für die angewandte Forschung zur gezielten Veränderung züchterisch gewünschter Eigenschaften.

Dank der Sequenzierung des Genoms der Wildtomate Solanum pennelii können Tomatenzüchter nun in Zukunft Gene genauer identifizieren und diese gezielt in Züchtungslinien überführen. Bisher waren nur die relevanten Genomabschnitte bekannt, die sogenannten Quantitative Trait Loci (QTL). „Dabei handelt es sich um Abschnitte im Genom, die für die Ausprägung bestimmter Merkmale verantwortlich sind“, erklärt Usadel. QTL stellen also eine statistische Wahrscheinlichkeit für die Lokalität eines oder mehrerer Gene dar. Erst mit der Sequenz wird aus dieser Wahrscheinlich Gewissheit.

Den Anbau von Tomaten verbessern

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und des steigenden Bedarfs an Nahrungsmittel spielt die Optimierung von Nutzpflanzen eine wichtige Rolle. Die Tomate ist aufgrund ihres hohen Gehalts an Mineralstoffen und Vitaminen ein wichtiges Nahrungsmittel. Die vielseitig zu verarbeitende Nutzpflanze stammt ursprünglich aus den Andenregionen Südamerikas, wo die Wildart Solanum pennelii überwiegend an trockenen, steinigen Hängen und in sandigen Gebieten wächst.

Usadel, B. et al. | Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen:
http://www.pflanzenforschung.de/index.php?cID=10011

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise