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Wild lebende Mäuse mit natürlichem Schutz gegen Borreliose

04.04.2013
Wie Menschen infizieren sich Mäuse mit Borrelien. Doch nicht alle Mäuse, die mit diesen Bakterien in Berührung kommen, erkranken an der gefürchteten Borreliose. Tiere mit einer bestimmten Genvariante sind immun gegen die Bakterien, wie Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Lund belegen. Im Freien lebende Mäuse sind der Hauptwirt von Borrelien, die von Zecken übertragen werden.

Frühjahrszeit ist Zeckenzeit. Die Borreliose ist die häufigste zeckenübertragene Krankheit in der Schweiz: Rund 10‘000 Menschen infizieren sich jährlich mit dem Krankheitserreger. Der eigentliche Wirt von Borrelien sind jedoch wildlebende Mäuse; gleich wie beim Menschen wird auch bei Mäusen der Erreger durch Zecken übertragen. Interessanterweise sind nicht alle Mäuse gleich anfällig auf das Bakterium, einzelne Tiere sind immun gegen den Erreger. Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Lund zeigen unter der Leitung der Evolutionsbiologin Barbara Tschirren, dass die unterschiedliche Anfälligkeit der Tiere genetisch bedingt ist.

Schützende Genvariante

Tschirren und Kollegen untersuchten in einer gross angelegten Feldstudie wildlebende Mäuse auf eine Infektion mit Borrelien. Borrelia afzelii, so der wissenschaftliche Name des Bakteriums, nährt sich aus dem Mäuseblut. Die Forscher stellten fest, dass Mäuse, die eine bestimmte Variante des Antigen-Rezeptors TLR2 aufweisen, rund dreimal weniger anfällig auf Borrelien waren. Dazu Tschirren: «Das Immunsystem von Mäusen mit dieser Rezeptorvariante erkennt den Erreger besser und kann schneller eine Immunantwort geben, um die Borrelien frühzeitig zu vernichten.» Infizierte Mäuse haben unter Laborbedingungen ähnliche Krankheitssymptome wie Menschen – insbesondere Gelenkbeschwerden. In der freien Natur überleben infizierte Mäuse daher vermutlich nicht lange, geschwächte Tiere fallen innerhalb kurzer Zeit Füchsen und Raubvögeln zum Opfer.

Wettrüsten zwischen Mäusen und Borrelien

Die schützende Genvariante ist vorteilhaft für ihre Träger und setzt sich gemäss den Forschern langsam in der Mäusepopulation durch. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass eines Tages sämtliche Mäuse gegen Borrelien resistent sein werden. «Die zunehmende Resistenz beim Wirt wird auf jeden Fall zu Anpassungen bei den Borrelien führen», prognostiziert Evolutionsbiologin Tschirren, «durch das Hochrüsten zwischen den Mäusen und dem Erreger können wir die evolutionäre Anpassung beobachten.»

Auch Menschen haben den Antigen-Rezeptor TLR2, doch die bei den Mäusen beobachtete resistente Genvariante kommt nicht vor. Ob das evolutionäre Wettrüsten zwischen Mäusen und Borrelien für Menschen Konsequenzen haben wird, ist ungewiss. Gemäss Tschirren muss das Bakterium für den Menschen nicht zwingend aggressiver werden.

Literatur:
Barbara Tschirren, Martin Andersson, Kristin Scherman, Helena Westerdahl, Peer R. E. Mittl, and Lars Råberg. Polymorphisms at the innate immune receptor TLR2 are associated with Borrelia infection in a wild rodent population. Proceedings of the Royal Society B, 20130364. April 3 , 2013. doi: 10.1098/rspb.2013.0364
Kontakt:
Prof. Barbara Tschirren
Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 47 77
E-Mail barbara.tschirren@ieu.uzh.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

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