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Wie weit reisen invasive Arten?

11.01.2017

Rund um den Globus werden immer mehr Pflanzen- und Tierarten durch Menschenhand in neue Regionen eingeschleppt. Die globalen Muster der Ausbreitung waren bisher aber wenig verstanden. Forscher des Senckenberg und der Universitäten Oldenburg und Wien haben herausgefunden, dass sich diese Ausbreitung von Arten mit einer Kombination von globalen Handelsströmen und der ursprünglichen Verteilung von Arten sehr gut erklären lässt. Und - anders als bisher angenommen - folgt die Ausbreitung grundsätzlich einfachen Gesetzen.

Aufgrund der Globalisierung des Handels und des Verkehrs haben sich in den letzten Jahrzehnten zehntausende Arten weltweit in Gebieten ausgebreitet, in denen sie eigentlich nicht heimisch sind. Mögliche schwerwiegende Folgen sind beispielsweise das Verdrängen oder die Ausrottung einheimischer Arten oder das Verbreiten von Gesundheitsrisiken. Auch wenn Handelsströme als ein wichtiger Pfad der Einschleppung bekannt sind, kann damit allein die beobachtete Ausbreitung von Arten nicht erklärt werden.


Die gerne in Gärten gepflanzte Gelbrote Taglilie gilt in Mitteleuropa als eingebürgert und wurde über eine Entfernung von etwa 10.000 km aus Ostasien importiert.

Copyright: Franz Essl, Universität Wien


Die Pennsylvanische Esche ist in mitteleuropäischen Auwäldern eingebürgert und stammt aus dem etwa 10.000 km entfernten Nordamerika.

Copyright: Franz Essl, Universität Wien

Experten aus Oldenburg, Frankfurt und Wien haben nun die weltweite Ausbreitung von 1380 fremden Tier- und Pflanzenarten mit Blick auf Handelsströme untersucht. „Es gibt ein deutliches Muster. Besonders viele Arten kommen aus Gebieten, die etwa 10.000 Kilometer vom Ort der Einschleppung entfernt sind. Im Gegensatz dazu stammen die meisten importierten Güter aus den direkten Nachbarstaaten“, so Dr. Hanno Seebens vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.

Um diesen scheinbaren Widerspruch zu erforschen, entwickelte das Team ein Computermodell, das die internationalen Handelsströme mit der weltweiten Verteilung der Arten kombiniert. Es zeigt, dass über kurze Distanzen unter etwa 3.000 Kilometer hauptsächlich Arten transportiert werden, die bereits im Zielland vorkommen. Nichtheimische Arten hingegen werden über vergleichsweise lange Distanzen eingeführt.

Hier spiegeln die globalen Ausbreitungsströme der Arten sehr gut die globalen Handelsströme wider. Dies gilt allerdings nur dann, wenn die Art zum ersten Mal neuen Boden erobert. Wenn sich eine fremde Art einmal außerhalb ihrer ursprünglichen Region aufhält, kann sie auch über kurze Distanzen andere Regionen erreichen.

Die Art und Weise, wie sich die ‚Neubürger‘ ausbreiten, ist bei Pflanzen und Tiergruppen unterschiedlich. Säugetiere, Reptilien und Fische breiteten sich besonders häufig über kürzere Distanzen (3.000 Kilometer) aus. Pflanzen und Vögel eroberten eher weiter entfernte Gebiete

„Die Ausbreitung von nichtheimischen Arten ist ein komplexer Prozess und die Datenlage ist alles andere als vollständig. Daher ist es umso erstaunlicher, dass die Ausbreitung mit einfachen Modellen erklärt werden kann“, sagt Prof. Dr. Bernd Blasius vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg und fährt fort „Das lässt hoffen, dass die Einschleppung fremder Arten in Zukunft mit Hilfe solcher Modelle besser verstanden und effizienter eingedämmt werden kann.“

Kontakt

Dr. Hanno Seebens
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069 7542 1874
hanno.seebens@senckenberg.de

Sabine Wendler
Pressestelle
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069 7542 1818
pressestelle@senckenberg.de

Publikation

Seebens, H., Essl, F. and Blasius B. (2016): The intermediate distance hypothesis of biological invasions. Ecology Letters, doi: 10.1111/ele.12715

Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Bericht-erstattung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weiter-gabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.

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