Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Prachtbienen ihren persönlichen Duft finden und Artgenossen anlocken

14.05.2014

Ein wohlriechendes Parfüm hat schon so manchen Mann und manche Frau zusammengebracht. Auch Prachtbienen setzen bei der Partnerwahl womöglich auf die Duftnote. Die Männchen stellen sich im Lauf ihres Lebens ein artspezifisches Bouquet zusammen, das sie in Taschen an den Hinterbeinen aufbewahren. Eines Tages entlassen sie es. Um Weibchen anzulocken, vermutet Tamara Pokorny, Biologin an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Sie erforscht das Sammelverhalten der fliegenden Parfümliebhaber.

Den idealen Duft zusammenzustellen braucht ein ganzes Leben


Fliegender Duftstoffsammler: Biene der Art Euglossa

RUBIN, Foto: Eltz

Durchschnittlich 20 bis 40 charakteristische Komponenten enthält das vollständige Parfüm eines Männchens. Das Bouquet von jungen Tieren weicht in der Regel weit von der Idealmischung ab, weil sie noch nicht die Chance hatten, so viel zu sammeln wie ihre älteren Artgenossen.

Das zeigen Daten von Tamara Pokorny, die sie während eines Forschungsaufenthalts in Mexiko gemeinsam mit Marko Hannibal erhob. Die Wissenschaftlerin vom Lehrstuhl Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere fand auch heraus, dass die Bienen wissen, was sie schon gesammelt haben. Selbst wenn ein attraktiver Duftstoff im Übermaß vorhanden ist, hören die Bienen auf, ihn mitzunehmen.

Jede Prachtbienenart bevorzugt einen bestimmten Typus Baum

Wenn Prachtbienen ihr Bouquet entlassen, wählen sie einen Baumstamm, der das Zentrum ihres Territoriums bildet. Die Wahl erfolgt nicht zufällig, weiß Tamara Pokorny. In Costa Rica analysierte sie gemeinsam mit Studierenden die Lieblingsbäume einiger Prachtbienenarten. Kleinere Gattungen bevorzugten Äste oder Stämme mit kleinem Durchmesser, größere Gattungen mit größerem Durchmesser. Eine glatte Oberfläche war generell attraktiver als eine raue Baumrinde. Wo genau am Stamm sich ein Männchen niederlässt, um seinen Duft zu verteilen, hängt scheinbar auch von der Windrichtung ab.

Energie für kraftraubende Flüge tanken

Die Bochumer Biologin beschäftigt sich auch mit der Flugleistung der Prachtbienen. Die kleinen Tiere fliegen durchaus 50 Kilometer weit. Tamara Pokorny hat eine Theorie, wie sie die Energie für diese langen Strecken aufbringen, ohne Versorgungsstopps an Blüten einlegen zu müssen. Mit einer bestimmten Rüsselbewegung scheinen die Bienen die Zuckerlösung, die sie trinken, einzudicken. Überschüssiges Wasser scheiden sie aus und behalten nur den Energielieferanten im Körper.

Orchideen, Eukalyptus und Fäkalien

Prachtbienen leben in Mittel- und Südamerika und werden durchschnittlich bis zu drei Monate alt. Vertreter der unterschiedlichen Arten interessieren sich für verschiedene Düfte. Orchideenblüten gehören zu den besonders beliebten Quellen, und auch das nach Eukalyptus riechende Cineol findet sich häufig in der Mischung. Doch nicht nur Stoffe, die für den Menschen wohlriechen, landen in den Sammeltaschen, auch Skatol, das sich in Fäkalien findet, gehört für manche Arten zum Bouquet.

Vollständiger Beitrag mit Bildern im Netz

Ein ausführlicher Beitrag mit Bildern findet sich online im Wissenschaftsmagazin „RUBIN“:
http://rubin.rub.de/de/gefluegelte-parfuemhersteller. Textdateien und Bilder in hoher Auflösung stehen zur Weiterverwendung bereit.

Mehr Biodiversität in „RUBIN“

RUB-Kollegen von Tamara Pokorny beschäftigen sich mit der Artenvielfalt in Deutschland, speziell in Fließgewässern. Das „GeneStream“-Team um Dr. Florian Leese erforscht, wie Umweltstress das Leben in Bächen und Flüssen bedroht: http://rubin.rub.de/de/artenvielfalt-auf-dem-rueckmarsch. Ihr Fazit: Es ist höchste Zeit, etwas für den Erhalt der Artenvielfalt zu tun.

Weitere Informationen

Tamara Pokorny, Lehrstuhl für Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere, Fakultät für Biologie und Biotechnologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25577, E-Mail: t.pokorny@gmx.net

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen
22.02.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Rettender Ritter in goldener Rüstung
22.02.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics