Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie die Sinnessysteme Handy-Signale integrieren

20.08.2014

Wissenschaftler der Charité − Universitätsmedizin Berlin haben jetzt herausgefunden, wie die Sinnesorgane das gleichzeitige Klingeln, Vibrieren und Blinken von Handys wahrnehmen und verarbeiten.

Wenn akustische, haptische und visuelle Reize gleichzeitig dargeboten werden, reagieren Menschen schneller auf eingehende Anrufe und Kurznachrichten. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Plos One* veröffentlicht.

Sobald ein Anruf oder eine Kurznachricht eingeht, klingelt, vibriert und blinkt das Handy. Eine Vielzahl unterschiedlicher Reize strömt gleichzeitig auf den Menschen ein und muss von den einzelnen Sinnessystemen registriert und verarbeitet werden. Doch wie greift das Gehirn auf Informationen aus dem Hör-, Seh- oder Tastsystem zurück?

Verschmelzen die Informationen aus den verschiedenen Sinnesorganen miteinander oder werden sie weitgehend unabhängig voneinander verarbeitet? Die beiden unterschiedlichen Formen der Reizverarbeitung werden in der Neurowissenschaft als multisensorische Integration und unisensorische Verarbeitung bezeichnet.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Daniel Senkowski von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte hat jetzt erstmals wissenschaftlich untersucht, ob akustische, haptische und visuelle Reize des Handys multisensorisch integriert werden.

In der experimentellen Studie bekamen die Probanden ein Handy, das in regelmäßigen Abständen entweder klingelte, vibrierte, blinkte oder eine Kombination aus den verschiedenen sensorischen Stimuli darbot. Die Aufgabe bestand darin, so schnell wie möglich auf die Reize mit einer Berührung des Displays zu reagieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Probanden auf Reize, die alle drei Sinne gleichzeitig stimulierten, signifikant früher reagierten als auf jene, die ausschließlich einen Sinn ansprachen. „Es ist davon auszugehen, dass die verschiedenen Handy-Signale in unserem Gehirn verarbeitet und integriert werden.

Die multisensorische Integration dieser Signale ermöglicht es uns, schneller auf eingehende Anrufe zu reagieren“, erklärt Prof. Senkowski. Neben einer beschleunigten Verhaltensreaktion deuten die Befunde aber auch darauf hin, dass multisensorische Reize ein erhöhtes Ablenkungspotenzial haben.

„Beim Autofahren kann zum Beispiel das gleichzeitige Klingeln, Vibrieren und Blinken des Handys zu sehr vom Straßenverkehr ablenken. In Situationen, die eine besondere Aufmerksamkeit verlangen, ist es daher besser, wenn die Sinnesorgane nur von einem einzelnen Signal und nicht gleichzeitig stimuliert werden“, betont Prof. Senkowski.

*Pomper U, Brincker J, Harwood J, Prikhodko I, Senkowski D. Taking a call is facilitated by the multisensory processing of smartphone vibrations, sounds, and flashes. Plos One 2014 August 12. DOI: 10.1371/journal.pone.0103238

Kontakt:
Prof. Dr. Daniel Senkowski
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Campus Charité Mitte
t: +49 30 231 127 38
E-Mail: daniel.senkowski@charite.de

Weitere Informationen:

http://psy-ccm.charite.de/forschung/bildgebung/ag_multisensorische_integration

Dr. Julia Biederlack | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise