Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie das Gehirn Erinnerungen im Schlaf festigt

05.10.2016

Welche Hirnprozesse Erinnerungen während des Schlafens festigen, haben Forscher um Prof. Dr. Nikolai Axmacher von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) untersucht. Sie fanden deutliche Parallelen zu Befunden aus tierexperimentellen Studien. Das Wissenschaftsmagazin Rubin berichtet über die Arbeit der Bochumer Neuropsychologen.

Axmacher zeichnete die Nervenzellaktivität von Epilepsie-Patienten auf, die aus medizinischen Gründen Elektroden im Gehirn implantiert hatten. EEG-Daten von 13 Patientinnen und Patienten brachte der Forscher von seiner vorherigen Arbeitsstätte, dem Universitätsklinikum Bonn, an die RUB mit.


Komplexe Daten wollen diskutiert werden: Nikolai Axmacher im Gespräch mit Postdoktorandin Hui Zhang

© RUB, Damian Gorczany

Während die Forscher das EEG aufnahmen, betrachteten die Patienten zunächst eine Reihe von Landschaftsbildern; dann schliefen sie. Später testeten die Wissenschaftler, welche der Bilder die Probanden sich eingeprägt hatten und welche nicht.

Nervenzellen empfänglich machen

Postdoktorandin Hui Zhang analysierte die Daten. Das Ergebnis der vorläufigen Auswertung: Während des Schlafs traten die gleichen Hirnaktivierungsmuster auf wie beim Betrachten der Landschaftsfotos. Zudem hingen die Reaktivierungen mit sogenannten Ripple-Oszillationen im Gehirn zusammen.

Bei den Ripples handelt es sich um eine bestimmte Art der Hirnaktivität. Ein Verbund von Nervenzellen sendet für einen kurzen Zeitraum Signale mit hoher Frequenz aus. Im EEG zeigen sie sich als charakteristische Wellenform. Eine Theorie besagt: Nach einem Ripple-Ereignis ist eine Nervenzelle empfänglicher dafür, reaktivierte Informationen dauerhaft zu speichern.

Das ergab auch die aktuelle Analyse der Patientendaten. Nach einem Ripple trat eine stärkere Reaktivierung auf als in einem Vergleichszeitraum vor einem Ripple.

Mechanismus für das Lernen im Schlaf

„Einzelne Reize, also in unserem Fall Landschaftsbilder, werden im Schlaf reaktiviert, und die Ripples scheinen diese Reaktivierung zu verstärken“, erklärt Nikolai Axmacher. Diesen Verstärkungsmechanismus fanden die Forscher aber nur bei der Reaktivierung solcher Bilder, die beim finalen Test auch erinnert wurden.

In anderen Worten: „Wenn ein Ripple die Reaktivierung verstärkt, wird das Bild später erinnert“, so Axmacher. „Wir haben es hier also offenbar mit einem Mechanismus für das Lernen im Schlaf zu tun.“

Ausführlicher Beitrag in Rubin

Einen ausführlichen Beitrag über die Forschung von Nikolai Axmacher finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin der Ruhr-Universität Bochum (http://news.rub.de/wissenschaft/2016-09-30-neurowissenschaft-wie-das-gehirn-erin...). Texte auf der Webseite und Bilder aus dem Downloadbereich dürfen unter Angabe des Copyrights für redaktionelle Zwecke frei verwendet werden.

Pressekontakt

Prof. Dr. Nikolai Axmacher
Abteilung Neuropsychologie
Institut für Kognitive Neurowissenschaft
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 22674
E-Mail: nikolai.axmacher@rub.de

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften