Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wetterfühlige Vögel

16.11.2012
Globale Klimafaktoren beeinflussen den Bruterfolg von Kohlmeisen - Gemeinsame Pressemitteilung der Schweizerischen Vogelwarte, der Universitäten Bern und Gießen sowie des Instituts für Vogelforschung Wilhelmshaven

Kohlmeisen brüten heute früher und sind produktiver als jemals zuvor im letzten halben Jahrtausend. Grund dafür ist die zunehmend wärmere Frühlingstemperatur. Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, der Universitäten Giessen und Bern und des Instituts für Vogelforschung Wilhelmshaven bringen neues Licht in die komplexe Wirkung von Klimafaktoren auf die Lebensgeschichten einzelner Tierarten.


Die Kohlmeise gehört zu den am besten untersuchten Vögeln Europas. In verschiedenen Langzeitstudien werden seit Beginn des 20. Jahrhunderts Informationen zur Entwicklung von Kohlmeisenbeständen gesammelt.
Foto: M. Burkhardt

Alle Pflanzen- und Tierartengemeinschaften sind in Anpassung an die grossräumigen Klimabedingungen entstanden. Klimaveränderungen haben Auswirkungen auf Lebewesen, auch wenn diese die kontinentalen und langjährigen Veränderungen nicht direkt wahrnehmen können. Am Beispiel der Kohlmeise zeigten jetzt Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, der Universitäten Giessen und Bern und des Instituts für Vogelforschung Wilhelmshaven, wie diese komplexe Wirkungskette funktioniert. Für ihre Analysen konnten die Forschenden auf Daten von Kohlmeisen zurückgreifen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts von freiwilligen Vogelkundlern zusammengetragen worden waren.

Schwankungen in der globalen Luftdruckverteilung bestimmen die örtlichen Klimabedingungen. Diese wiederum beeinflussen die Entwicklung der Vegetation im Frühjahr und damit auch das Angebot an Raupen, mit denen Meisen ihre Jungen füttern. Davon hängen schliesslich der Brutbeginn und der Fortpflanzungserfolg der einzelnen Vögel ab.

Mit einem rückblickenden Modell, das sogar 500 Jahre umfasst, zeigte die Forschergruppe, dass der Wechsel von Warm- und Kaltzeiten in den vergangenen Jahrhunderten grosse Schwankungen der Kohlmeisenpopulation bewirkt hat. Während die „Kleine Eiszeit“ offenbar einen starken Rückgang der Produktivität verursachte, brüten Kohlmeisen heute früher und produktiver als jemals zuvor im vergangenen halben Jahrtausend.

Die Ergebnisse erweitern den Blick über die gegenwärtige Erwärmungsphase hinaus. Sie zeigen, dass die Anpassungsfähigkeit der Lebensräume und der Tiere erhebliche Schwankungen erträgt, aber auch Grenzen hat.

Der Einfluss des Klimas auf individuelle Lebensgeschichten
Klima und Wetter beeinflussen den Bruterfolg und das Populationswachstum von Kohlmeisen. Die komplexe Kette von Wirkungen beginnt bei den Luftdruckverhältnissen über dem Nordatlantik und dem europäischen Festland. Die Zirkulation in der Atmosphäre bestimmt die Temperaturen und Niederschläge im Frühling. Ist dieser kalt und nass, treiben die Blätter der Bäume später aus und auch der Legebeginn der Meisen erfolgt verspätet. In Jahren mit später Vegetationsentwicklung sind die Gelege kleiner und die Jungensterblichkeit grösser. Die Produktivität der Population wird also stark von den Klimaverhältnissen beeinflusst. Entsprechend dem Trend zu höheren Temperaturen brüten Kohlmeisen heute früher als vor 30-40 Jahren, und sie haben mehr Junge.
Quelle
Naef-Daenzer, B., Luterbacher, J., Nuber, M., Rutishauser, T., and Winkel, W. 2012. Cascading climate effects and related ecological consequences during past centuries. Climate of the Past, 8, 1527–1540.

http://www.clim-past.net/8/1527/2012/cp-8-1527-2012.html

Weitere Auskünfte
Dr. Beat Naef-Daenzer
Ornithologe
Schweizerische Vogelwarte Sempach
Tel. +41 41 462 97 34
Prof. Jürg Luterbacher
Klimatologe
Justus-Liebig-Universität Giessen
Tel. +49 641 99 36210
Dr. This Rutishauser
Phänologie
Universität Bern
Tel. +41 76 436 11 06

Charlotte Brückner-Ihl | idw
Weitere Informationen:
http://www.vogelwarte.ch/medien
http://www.clim-past.net/8/1527/2012/cp-8-1527-2012.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Den Tumor beim Wachsen beobachten
31.07.2015 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Dem Altern auf den Fersen
31.07.2015 | Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gefangen in Ruhelosigkeit

Mit ultrakalten Atomen lässt sich ein neuer Materiezustand beobachten, in dem das System nicht ins thermische Gleichgewicht kommt.

Was passiert, wenn man kaltes und heißes Wasser mischt? Nach einer Weile ist das Wasser lauwarm – das System hat ein neues thermisches Gleichgewicht erreicht....

Im Focus: Quantum Matter Stuck in Unrest

Using ultracold atoms trapped in light crystals, scientists from the MPQ, LMU, and the Weizmann Institute observe a novel state of matter that never thermalizes.

What happens if one mixes cold and hot water? After some initial dynamics, one is left with lukewarm water—the system has thermalized to a new thermal...

Im Focus: Superschneller Wellenritt im Kristall: Elektronik auf Zeitskala einzelner Lichtschwingungen möglich

Physikern der Universitäten Regensburg und Marburg ist es gelungen, die von einem starken Lichtfeld getriebene Bewegung von Elektronen in einem Halbleiter in extremer Zeitlupe zu beobachten. Dabei konnten sie ein grundlegend neues Quantenphänomen entschlüsseln. Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht worden (DOI: 10.1038/nature14652).

Die rasante Entwicklung in der Elektronik mit Taktraten bis in den Gigahertz-Bereich hat unser Alltagsleben revolutioniert. Sie stellt jedoch auch Forscher...

Im Focus: On the crest of the wave: Electronics on a time scale shorter than a cycle of light

Physicists from Regensburg and Marburg, Germany have succeeded in taking a slow-motion movie of speeding electrons in a solid driven by a strong light wave. In the process, they have unraveled a novel quantum phenomenon, which will be reported in the forthcoming edition of Nature.

The advent of ever faster electronics featuring clock rates up to the multiple-gigahertz range has revolutionized our day-to-day life. Researchers and...

Im Focus: Erster Nachweis von Lithium in einem explodierenden Stern

Erstmals konnte das chemische Element Lithium in der ausgestoßenen Materie einer Nova nachgewiesen werden. Beobachtungen von Nova Centauri 2013 mit Teleskopen des La Silla-Observatoriums der ESO und in der Nähe von Santiago de Chile helfen bei der Aufklärung des Rätsels, warum so viele junge Sterne mehr von diesem Element enthalten als erwartet. Diese Entdeckung liefert ein seit langem fehlendes Teil im Puzzle der chemischen Entwicklungsgeschichte unserer Galaxie und ist ein großer Fortschritt für das Verständnis des Mischungsverhältnisses der chemischen Elemente in den Sternen unserer Milchstraße.

Das leichte chemische Element Lithium ist eines der wenigen Elemente, das nach unserer Modellvorstellung auch beim Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Türme und Maste aus Stahl – Neues aus Forschung und Anwendung

31.07.2015 | Veranstaltungen

Tagung „Brandschutz im Tank- und Gefahrgutlager“ am 16. November 2015 im Essener Haus der Technik stellt praktische Lösungen vor

30.07.2015 | Veranstaltungen

12. BMBF-Forum für Nachhaltigkeit: Green Economy, Energiewende und die Zukunft der Städte

30.07.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wiederaufladbare Batterien machen sich breit

31.07.2015 | Seminare Workshops

Alles zur Kryotechnik: HDT bietet Seminar zum „Kryostatbau“ an

31.07.2015 | Seminare Workshops

Erster Zug von Siemens für Thameslink‑Strecke in UK angekommen

31.07.2015 | Verkehr Logistik