Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger Muskelkrämpfe nach Rückenmarkverletzungen

13.07.2010
Untersuchung des Nationalen Forschungsschwerpunkts «Neuro»

Verletzungen am Rückenmark lösen nebst Lähmungen auch oft unkontrollierte und schmerzhafte Muskelkrämpfe, so genannte Spasmen, aus. Forschende der Universität und der ETH Zürich zeigen nun, dass Ratten nach Behandlungen, die das Wachstum von Nervenfasern einleiten, nicht nur einen Teil ihrer Bewegungsfähigkeit wiedererlangen, sondern auch weniger Krämpfe erleiden.

Viele Patienten mit Rückenmarkverletzungen müssen Einbussen in ihrer Beweglichkeit und Empfindsamkeit in Kauf nehmen. Darüber hinaus stellen sich bei gut zwei Dritteln dieser Patienten im Verlaufe einiger Monate nach der Verletzung – aus bisher noch nicht bekannten Gründen – zum Teil schmerzhafte und unkontrollierte Muskelkrämpfe, so genannte Spasmen, ein. Sowohl die Intensität als auch die Häufigkeit dieser Spasmen verringern sich, wenn die Nervenfasern in Ratten nach einer Rückenmarkverletzung zum Wachstum angeregt werden, wie ein Forschungsteam um Martin Schwab vom Hirnforschungsinstitut der Universität Zürich nun in der Fachzeitschrift Annals of Neurology berichtet (*).

Hoffnung für Querschnittgelähmte
Als Schwab und sein Team vor 10 Jahren das Eiweiss Nogo-A entdeckten, rückte der Traum etwas näher, dass Querschnittgelähmte dereinst dem Rollstuhl entsteigen und wieder auf eigenen Füssen gehen können. Denn Nogo-A verhindert, dass Nervenfasern im Rückenmark nach Verletzungen wieder auswachsen. Dank Behandlungen mit einem Antikörper, der das Nogo-A ausser Gefecht setzt, haben gelähmte Ratten und Affen einen Teil ihrer Beweglichkeit wiedererlangt. Im Moment sind klinische Versuche mit am Rückenmark verletzten Patienten im Gange.
Zusätzliche positive Wirkung
In der neuen Studie kommt das Team um Schwab nun zum Schluss, dass diese Behandlungen zudem eine zweite positive Wirkung ausüben. Die Forschenden untersuchten, wie oft und wie stark sich am Rückenmark verletzte Ratten beim Schwimmen aufgrund eines Krampfes zusammenkrümmten. Während in den ersten Tagen nach der Verletzung nur wenige Tiere an leichten Spasmen litten, wurden bis vier Wochen nach der Verletzung drei Viertel der unbehandelten Tiere von immer stärkeren Krämpfen heimgesucht. Diese befielen aber nur einen Drittel der Ratten, die in dieser Zeit eine Behandlung mit dem Nogo-A-Antikörper erhielten. Auch ein tägliches Bewegungstraining auf dem Laufrad half den Ratten: Trainierte Ratten litten im Schnitt weniger an Muskelspasmen als untrainierte.
Ähnlichkeiten zwischen Ratte und Mensch
Die Spasmen bei der Ratte und beim Menschen ähneln sich in vielerlei Hinsicht: Sie treten erst einige Zeit nach der Rückenmarkverletzung auf, und zwar umso häufiger und intensiver, je kälter es ist. Ausserdem suchen die Krämpfe Mensch und Ratte vor allem am frühen Morgen und früh abends heim. Auch wenn die Resultate aus den Rattenversuchen nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind, hoffen die Forschenden aufgrund der Ähnlichkeiten, dass die Behandlung mit dem Nogo-A Antikörper dereinst auch beim Menschen Muskelkrämpfe reduzieren und somit rückenmarkverletzten Patienten Linderung verschaffen kann.
(*)Roman Gonzenbach, Pascal Gasser, Björn Zörner, Eva Hochreutener, Volker Dietz, Martin Schwab (2010). Nogo-A antibodies and training reduce muscle spasms in spinal cord-injured rats. Annals of Neurology 68: 48-57.

(als PDF beim SNF erhältlich; E-Mail: pri@snf.ch)

Kontakt:
Prof. Martin E. Schwab
Institut für Hirnforschung
Universität Zürich
Winterthurerstrasse 190
CH-8057 Zürich
Tel.: +41 44 635 33 30
E-mail: schwab@hifo.uzh.ch

| idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen