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Weltweiter Standard für Testung auf Mykoplasmen-Verunreinigung entwickelt

15.06.2015

Biologische Arzneimittel wie rekombinante Proteine, monoklonale Antikörper oder manche Impfstoffe werden in Zellkulturen produziert. Um sicherzustellen, dass diese nicht mit Keimen kontaminiert sind, werden spezifische Erregernachweise geführt.

Mitarbeiter des Paul-Ehrlich-Instituts haben federführend für die WHO die erste international anerkannte Referenzpräparation für die Testung von Zellkulturen auf Kontamination mit Mykoplasmen entwickelt. Über diesen neu entwickelten WHO-Standard berichtet Applied and Environmental Microbiology in seiner Online-Ausgabe vom 12. Juni 2015.

Mykoplasmen sind sehr kleine Bakterien ohne Zellwand, die aufgrund der geringen Größe und ihrer flexiblen Gestalt häufig auch Bakterienfilter passieren und daher mittels solcher Filter nicht sicher bei der Herstellung von Arzneimitteln entfernt werden können. Mykoplasmen können beim Menschen Erkrankungen der Atemwege und des Urogenitaltrakts verursachen.


Mykoplasmen-kontaminierte Zellkultur

Prof. Dr. Renate Rosengarten, Veterinärmedizinische Universität Wien & Mycoplasma Biosafety Services GmbH

Um sicherzustellen, dass weder die Ausgangszellen für die Produktion biologischer Arzneimittel – sogenannte Master-Zellbänke – noch die Produktionszellen selbst mit Mykoplasmen kontaminiert sind, werden unterschiedliche Testmethoden eingesetzt.

Ein sehr sensitives Testverfahren ist die Nukleinsäure-Amplifikation-Technologie (NAT, nucleic acid amplification test). Dabei werden Abschnitte des bakteriellen Erbgutes milliardenfach vervielfältigt, wodurch Keime nachgewiesen werden können. Wie auch bei anderen Testverfahren ist eine Voraussetzung für die Verlässlichkeit dieser Testmethode ihre Überprüfung mithilfe geeigneter Referenzmaterialien – sogenannter internationaler Standards der WHO.

Mitarbeiter um Priv.-Doz. Dr. Micha Nübling, Leiter des Fachgebiets Molekulare Virologie der Abteilung Virologie des Paul-Ehrlich-Instituts ist, haben federführend für die WHO den ersten internationalen Standard für die NAT-Testung auf Mykoplasmen („1st WHO International Standard (IS) for mycoplasma DNA for NAT assay designed for generic mycoplasma detection“) entwickelt. Das Fachgebiet ist Teil des WHO-Kooperationszentrums für Blutprodukte und In-vitro-Diagnostika am Paul-Ehrlich-Institut.

Im Rahmen dieser Entwicklung wurden in einer internationalen Machbarkeitsstudie vier exemplarische und miteinander entfernt verwandte Mykoplasma-Spezies in verschiedenen Konzentrationen in 21 Laboratorien mit 26 NAT-Verfahren eingesetzt. Auf diesen Ergebnissen aufbauend wurde der WHO-Standard hergestellt und schließlich vom „Expert Committee on Biological Standardization“ (ECBS) der WHO anerkannt“. Professor Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, ist Mitglied des ECBS.

Dieser WHO-Standard steht nun international für die Bestimmung von Qualitätseigenschaften der NAT-Tests (z.B. Nachweisgrenze), zur Kalibrierung der quantitativen Assays sowie für die Festlegung regulatorischer Anforderungen für die Mykoplasmentestung zur Verfügung. „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, diesen WHO-Standard zu entwickeln, der dazu beitragen wird, weltweit verfügbare Testverfahren zum Nachweis von Mykoplasmen verlässlicher und miteinander vergleichbar zu machen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Micha Nübling.

Originalpublikation:
Nübling CM, Baylis SA, Hanschmann KM, Montag-Lessing T†,
Chudy M, Kreß J, Ulrych U, Czurda S, Rosengarten R, and
the Mycoplasma Collaborative Study Group (2015): World Health Organization International Standard to Harmonize Assays for Detection of Mycoplasma DNA. Appl Environ Microbiol. 2015 Jun 12. pii: AEM.01150-15


Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt am Main ist als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Es erforscht, bewertet und lässt biomedizinische Human-Arzneimittel und Veterinär-Impfstoffe zu und ist für die Genehmigung klinischer Prüfungen sowie die Pharmakovigilanz – Erfassung und Bewertung möglicher Nebenwirkungen – zuständig.

Die staatliche Chargenprüfung, wissenschaftliche Beratung/Scientific Advice und Inspektionen gehören zu den weiteren Aufgaben des Instituts. Unverzichtbare Basis für die vielseitigen Aufgaben ist die eigene experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin und der Lebenswissenschaften. Das Paul-Ehrlich-Institut mit seinen rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nimmt zudem Beratungsfunktionen in nationalem (Bundesregierung, Länder) und internationalem Umfeld (Weltgesundheitsorganisation, Europäische Arzneimittelbehörde, Europäische Kommission, Europarat und andere) wahr.

Weitere Informationen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=World+Health+Organization+International...

Dr. Susanne Stöcker | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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