Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weibliche Schmetterlingsfinken pfeifen auf Gehirnzellen

04.11.2015

Bei weiblichen Singvögeln sind die Bereiche des Gehirns, die für das Gesangslernen zuständig sind, meist deutlich kleiner und haben weniger Nervenzellen als bei männlichen Vögeln. Es gibt jedoch viele Singvogelarten, bei denen auch Weibchen ausgiebig singen.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben jetzt bei einer solchen Art erstmalig herausgefunden, dass bereits bei jungen Vögeln die Weibchen bis zu 50 Prozent weniger Nervenzellen in den Gesangszentren haben. Für das Gesangslernen ist das jedoch zunächst unwichtig. Erst ausgewachsen haben die Weibchen ein anderes Gesangsverhalten: Sie singen dann kürzere und einfachere Strophen als die Männchen.


Blaukappen-Schmetterlingsfinken (Uraeginthus cyanocephalus) inspizieren das Nest eines Jackson-Webers (Ploceus jacksoni).

Wolfgang Goymann

In allen bisher untersuchten Singvögeln finden sich Geschlechtsunterschiede in den Teilen des Gehirns, die für das Erlernen und die Produktion von Gesang zuständig sind: Bei den weiblichen Vögeln sind sie deutlich weniger voluminös und haben viel weniger Nervenzellen.

Dies dient oft zur Erklärung, warum die meisten weiblichen Singvögel nicht singen können, beziehungsweise nur einfache Gesänge haben. Die neuroanatomischen Geschlechtsdifferenzen entstehen während der Entwicklung der Vögel und sind genetisch oder hormonell bedingt. Beispielsweise kann das männliche Geschlechtshormon Testosteron Gesang auch bei Weibchen auslösen.

Nun gibt es aber – vor allem in den Tropen –Singvogelarten, bei denen beide Geschlechter fast gleich gut singen. Der Gesang dient dort wohl dem Paarzusammenhalt und der ganzjährigen Verteidigung des Brutgebietes und der Nahrungsressourcen gegenüber Artgenossen. Zum ersten Mal hat nun ein Team von Wissenschaftlern um Manfred Gahr vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen die Entwicklung des Gesangslernens und der Neuroanatomie bei einer solchen in Afrika heimischen Art untersucht.

Männliche und weibliche Schmetterlingsfinken beginnen 30 bis 40 Tage nach dem Schlüpfen mit ihrem ersten Gezwitscher. Die Wissenschaftler analysierten in regelmäßigen Zeitabständen während der Entwicklung der Tiere verschiedene Merkmale im Gesang der Jungvögel, fanden jedoch Geschlechtsunterschiede erst bei längst ausgewachsenen Vögeln, die älter als 250 Tage waren. Dann sangen die Weibchen plötzlich kürzere und einfachere Gesänge mit weniger Silben als ihre gleichaltrigen männlichen Artgenossen.

Parallel dazu schauten sich die Wissenschaftler die Neuroanatomie der Jungvögel an. Das Volumen und die Anzahl von Nervenzellen in den Gesangskontrollzentren war von Beginn an und während der ganzen Entwicklungsphase bei weiblichen Tieren geringer als bei männlichen. „Die Geschlechtsunterschiede in der Anatomie sind bereits in einer frühen Entwicklungsstufe in einem Alter von 20 Tagen vorhanden, gehen denen des Gesangsverhaltens also zeitlich weit voraus“, sagt Manfred Gahr.

Die Entwicklung der beiden Geschlechter verläuft also zuerst trotz der verschiedenen Voraussetzungen parallel: Obwohl die Gesangszentren bis zu 55 Prozent kleiner sind und mit bis zu 50 Prozent weniger Neuronen ausgestattet, entwickeln die Weibchen einen Gesang, der mit dem männlichen durchaus vergleichbar ist. Zumindest für das Erlernen des Gesangs scheinen die Geschlechtsunterschiede im Volumen von Gehirngebieten und der Anzahl von Nervenzellen keine wichtige Rolle zu spielen.

SSp/HR-MG

Weitere Informationen:

http://www.orn.mpg.de/3639091/news_publication_9725298?c=2739
http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fevo.2015.00117/abstract

Dr. Sabine | Max-Planck-Institut für Ornithologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise