Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weibliche Nachtigallen gehen nachts auf Partnersuche

04.03.2009
Forscher der Universität Basel haben aufgedeckt, dass paarungswillige Nachtigallenweibchen in den Stunden nach Mitternacht singende Männchen in deren Revier aufsuchen.

Das erklärt, warum männliche Nachtigallen auch nachts singen. Hingegen dient der Morgengesang der Männchen offenbar dazu, ihr Revier gegen andere Männchen zu verteidigen. Die Studie wurde heute vom Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" publiziert.

Im Frühjahr singen die Männchen unserer Singvögel um die Wette. Nach Darwins Theorie der sexuellen Selektion dient der Vogelgesang entweder dazu Weibchen anzulocken oder andere Männchen abzuschrecken. Der Fokus der Forschung lag dabei lange Zeit auf dem Gesangsverhalten der Männchen; über das Verhalten der Weibchen während ihrer Partnerwahl ist sehr wenig bekannt.

Zwischen der Ankunft aus dem Winterquartier und dem Nestbau liegen bei einem Zugvogel wie der Nachtigall oft nur wenige Tage. Verhaltensforscher konnten deswegen bisher meist nur feststellen, bei welchem Männchen ein Weibchen letztlich gelandet ist, ohne zu wissen, wann und wie das Weibchen seine Wahl getroffen hat.

Forscher der Universität Basel haben jetzt das Verhalten weiblicher Nachtigallen während der Partnersuche aufgedeckt. Kurz nach der Ankunft im Brutgebiet wurden zehn Weibchen in der Gegend von Colmar (F) gefangen und in die Petite Camargue Alsacienne transportiert, einem Naturschutzgebiet nördlich von Basel, in dem ein privater Schweizer Verein eine Forschungsstation betreibt.

Singen, bis das Weibchen kommt
Die Weibchen wurden mit einem Radiotelemetrie-Sender ausgestattet und zwei Tage und Nächte beobachtet. Während die Nachtigallendamen tagsüber an Ort und Stelle blieben, legten sie zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens bis zu sechs Kilometer zurück. Vier Forscher waren nachts damit beschäftigt, je ein herumfliegendes Weibchen mit Hilfe von Velos und tragbaren Telemetrie-Antennen zu verfolgen. Die Weibchen besuchten während ihrer nächtlichen Ausflüge mehrere singende Männchen und verpaarten sich nach ein bis drei Nächten mit einem der besuchten Männchen.

Das Verhalten der Weibchen kann erklären, warum männliche Nachtigallen nicht nur tagsüber, sondern auch nachts singen. Aus früheren Arbeiten der Forscher war bekannt, das nur unverpaarte Männchen nachts singen und direkt nach der Verpaarung damit aufhören. Dies war ein erster Hinweis darauf, dass der berühmte Nachtgesang der Nachtigall zur Anlockung von Weibchen dient, was jetzt durch das Wahlverhalten der Weibchen bestätigt wurde.

In einer früheren Studie der Forscher wurden auch männliche Nachtigallen mittels Radiotelemetrie bei der Reviersuche beobachtet. Anders als die Weibchen blieben die Männchen nachts stationär und machten nur in der Stunde vor Sonnenaufgang Erkundungsflüge. Das erklärt, warum genau wie bei anderen Singvogelarten männliche Nachtigallen morgens am meisten singen, egal ob sie verpaart oder unverpaart sind.

Während nachts um die Weibchen gesungen wird, dient der Morgengesang der Nachtigall offenbar dazu, das Revier gegen reviersuchende Männchen zu verteidigen. Dies ist der erste bekannte Fall einer Vogelart, bei der die Partnersuche der Weibchen und die Revierwahl der Männchen zu unterschiedlichen Tageszeiten stattfindet.

Originalbeitrag
Tobias Roth, Philipp Sprau, Rouven Schmidt, Marc Naguib and Valentin Amrhein
Sex-specific timing of mate searching and territory prospecting in the nightingale: nocturnal life of females

Proc. R. Soc. B, published online before print March 4, 2009, | doi:10.1098/rspb.2008.1726

Weitere Auskünfte
Dr. Valentin Amrhein, Universität Basel, Zoologisches Institut / Petite Camargue Alsacienne, Tel. +49 7621 162 30 39, E-Mail: v.amrhein@unibas.ch

Reto Caluori | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt
11.12.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Mit den Augen der Biene: Zoologe der Uni Graz entwickelt Verfahren zur Verbesserung dunkler Bilder
11.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit