Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wegweisend: Rostock bringt Stammzelltherapie für Herzkrankheiten voran

24.04.2009
Bund und Land fördern mit Industriebeteiligung Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie in Rostock

Mit einem Festakt wurde am 24. April 2009 das Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie (RTC) im Beisein des Wirtschaftsministers von Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Seidel, in Rostock eröffnet.

Wichtigstes Ziel des Zentrums ist es, in Rostock entwickelte Stammzelltherapien zur Behandlung von Herzerkrankungen als qualitätsgesicherte standardisierte Anwendungen aus der Forschung in die medizinische Praxis zu überführen. Bund, Land und Industrie realisieren ein Verbundprojekt mit dem RTC über drei Jahre mit insgesamt rund 7 Mio. Euro.

Insgesamt 80 Ärzte und Wissenschaftler aus Rostock, Teterow, den Herzzentren Berlin und Hannover und den industriellen Verbundpartnern sind an der klinischen Einführung der neuen Herztherapien mit Stammzellen beteiligt. Die wirtschaftliche Verwertung der Projektergebnisse soll über die Firmen Miltenyi Biotec GmbH in Teterow, Mecklenburg-Vorpommern und die D-Trust GmbH, Berlin erfolgen. "Die Schaffung weiterer wissensbasierter Arbeitsplätze am Forschungs- und Produktionsstandort Mecklenburg-Vorpommern ist ein erfreuliches Zeichen für die Wirtschaft und ein Hoffnungsträger für die gut ausgebildeten Menschen in unserem Bundesland", betonte Wirtschaftsminister Seidel.

Der Herzinfarkt gehört zu den größten Gesundheitsrisiken in der westlichen Welt. Die derzeit üblichen Behandlungsmethoden können zwar die Folgen eines Herzinfarktes mildern, jedoch nicht die ursprüngliche Leistungsfähigkeit des Herzens wiederherstellen. "Das kann sich mit einer Stammzelltherapie ändern. Wenn man patienteneigene Stammzellen aus dem Knochenmark in das geschädigte Herzmuskelgewebe einbringt, verbessert sich die Funktionsfähigkeit des Herzens deutlich. Das hat unsere Forschung der letzten Jahre gezeigt", sagt Prof. Dr. med. Gustav Steinhoff, Leiter des RTC.

Steinhoff, der auch Direktor der Rostocker Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie ist, erforscht diesen Therapieansatz seit vielen Jahren. Die Ergebnisse der Grundlagenforschung und mehrerer klinischer Studien haben auch die Krankenkassen überzeugt. Sie erkennen die kardiale Stammzelltherapie als "Innovative Therapie" an und erstatten deren Kosten, so dass Steinhoff und sein Team schon weit über 100 Patienten erfolgreich behandeln konnten.

Damit zukünftig alle Herzinfarktpatienten in den Genuss dieser vielversprechenden Behandlung kommen können, will das RTC die in Rostock entwickelte kardiale Stammzelltherapie bis zur europaweiten Zulassung begleiten. Mit diesem so genannten Translationsprozess gibt es auf dem noch jungen Gebiet der Regenerativen Medizin, zu der auch Stammzelltherapien gehören, wenig Erfahrung, wie Dr. Gudrun Tiedemann, die Translationsexpertin des RTC erläutert: "Ein Unterschied zu herkömmlichen Medikamenten ist beispielsweise, dass wir es bei der Stammzelltherapie nicht mit einem genau definierten Wirkstoff zu tun haben, sondern mit aufbereiteten lebenden Zellen, die dem Patienten vorher entnommen werden. Für ein Zulassungsverfahren ist das aber kompliziert, weil damit jedes Medikament individuell hergestellt werden muss und eine Standardisierung schwierig ist.

Der Gesetzgeber und die Forschung sind dabei, hier Regeln und Verfahren festzulegen, die dennoch die Qualität und Sicherheit der Behandlung gewährleisten. Denn dies ist die wichtigste Voraussetzung für den Einsatz am Patienten." Bei der Translation will das RTC Maßstäbe setzen. Europaweit einzigartig sei die angestrebte Verknüpfung von Grundlagenforschung und klinischer Forschung einerseits und Politik, Behörden, Industrie und Interessenverbänden der Gesundheitswirtschaft andererseits. Hierbei soll der Weg von der Forschung bis zum Patienten so kurz wie möglich, dabei gleichzeitig transparent und sicher gestaltet werden. Das verbessere nicht nur die Gesundheitsversorgung, sondern sei auch von wirtschaftlicher Bedeutung.

Das RTC versteht sich damit als Dienstleister für Wissenschaftler, Ärzte und Patienten und will künftig die Erfahrungen, die in den nächsten Jahren gerade mit dem Translationsprozess gesammelt werden, auch anderen Einrichtungen auf dem Gebiet der Regenerativen Medizin zur Verfügung stellen. Gefördert wird das RTC vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Industriepartner in Forschung und klinischen Studien sind die Miltenyi Biotec GmbH sowie die D-Trust GmbH, eine Tochter der Bundesdruckerei, die zusammen mit dem RTC ein elektronisches Dokumentationssystem für klinische Studien entwickelt. Die Firma Miltenyi Biotec GmbH agiert sehr erfolgreich am Standort Teterow, sieht in diesem Projekt erhebliche wirtschaftliche Zukunftsperspektiven und will Forschung und Produktion in Mecklenburg- Vorpommern weiter ausbauen.

Kontakt:
Professor Dr. med. Gustav Steinhoff
Direktor
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie
Schillingallee 35
18057 Rostock
Tel.: 0381 494-6101
Professor Dr. Peter Schuff-Werner
Ärztlicher Direktor
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Schillingallee 35
18057 Rostock
Tel.: 0381 4945011
Professor Dr. Emil Christian Reisinger
Dekan
Medizinische Fakultät
der Universität Rostock
Rembrandtstraße 16/17
18057 Rostock
Tel.: 0381 494-5000

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.kardiale-stammzell-therapie.com
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

nachricht Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt
23.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie

Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll

23.02.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie