Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Web-Tool ermöglicht Nachhaltigkeitsbewertung von Biotreibstoffen

16.06.2011
Etliche Biotreibstoffe, die zunächst als Weg in eine nachhaltige Energiezukunft angepriesen wurden, sind mittlerweile in die Kritik geraten; insgesamt belasten sie die Umwelt mehr als dass sie nützen, was hauptsächlich auf die Herstellung der biogenen Treibstoffe – wie diese treffender zu bezeichnen wären – zurückzuführen ist.

Empa-Forscher haben nun zusammen mit ihren Kollegen des schweizerischen «Roundtable on Sustainable Biofuels» (RSB) und der HTW Berlin ein Online-Tool zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Biotreibtoffen entwickelt.

Mit Hilfe des neuen Tools können beispielsweise Biotreibstoffproduzenten basierend auf den Kriterien des RSB eine Selbstbewertung durchführen und eine Risikobeurteilung vornehmen. Darüber hinaus berechnet das Online-Tool die Treibhausgasemissionen für die einzelnen Produktionsschritte über den gesamten Lebenszyklus der Biotreibstoffe, vom Anbau bis zum Vertrieb; die Berechnung kann nach verschiedenen Methoden erfolgen. Die Entwicklung des Tools, das unter http://buiprojekte.f2.htw-berlin.de:1339/ kostenlos zur Verfügung steht, dauerte rund zwei Jahre und wurde durch das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) unterstützt.

Der RSB-Standard umfasst zwölf Prinzipien und Kriterien für die nachhaltige Biotreibstoffproduktion wie Lebensmittelsicherheit oder Menschen- und Arbeitsrechte. So geht es beispielsweise unter dem Kriterium «Greenhouse Gas Emissions» darum, den Klimawandel zu verlangsamen; Biotreibstoffe, die dieses Kriterium erfüllen, dürfen über ihren gesamten Lebenszyklus erheblich weniger Treibhausgase «produzieren» als fossile Energieträger. Biotreibstoffproduzenten müssen daher für sämtliche Schritte der Produktionskette die Treibhausgasemissionen berechnen.

Derartige Berechnungen sind kompliziert und erfordern ein fundiertes Wissen über die Ökobilanzierung (oder «Life Cycle Assessment», LCA) von Biotreibstoffen. Um den RSB-Zertifizierungsprozess zu vereinfachen, hat die Empa in Zusammenarbeit mit der HTW Berlin ein webbasiertes Tool entwickelt, das die Online-Berechnung der Treibhausgasemissionen von Biotreibstoffen ermöglicht. Das Tool beinhaltet verschiedene Berechnungsmethoden für Treibhausgase, einschließlich des Schweizer Standards für die Mineralölsteuerbefreiung, des RED-Standards («Renewable Energy Directive») der EU, des kalifornischen Standards und des RSB-Standards. Indem es die Möglichkeit bietet, für die Biotreibstoffproduktion eine Risikoanalyse durchzuführen und eine Bewertung entsprechend der RSB-Nachhaltigkeitskriterien vorzunehmen, fungiert das Tool als Startpunkt für die RSB-Nachhaltigkeitszertifizierung. «Das Tool richtet sich an alle Interessengruppen aus der Biotreibstoffbranche: an Bauern, die Energiepflanzen anbauen, und Biokraftstoffproduzenten bis hin zu Händlern, die die Nachhaltigkeit ihrer Produkte belegen möchten», erklärt Empa-Forscher und Projektleiter Rainer Zah.

Zahs Team verfügt über langjährige Erfahrungen im Bereich der Ökobilanzierung für Biotreibstoffe. 2007 erstellte das Team im Auftrag der Schweizer Regierung eine erste umfassende Ökobilanz für eine Reihe von Biotreibstoffen, die als Grundlage diente sowohl für die OECD-Strategie für Biokraftstoffe als auch für die Schweizer Verordnung über die Mineralölsteuerbefreiung für Biokraftstoffe. In den Folgejahren haben die Forschenden der Empa die direkten und indirekten Auswirkungen der Biotreibstoffproduktion in verschiedenen Ländern in Lateinamerika, Afrika und Indien untersucht. Sie entwickelten das erste webbasierte Ökobilanzierungstool für Biokraftstoffe («Sustainable Quick Check for Biofuels«, SQCB), das die Basis für das neue Online-Tool bildete.

Weitere Informationen über den am Energy Center der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) ansässigen RSB finden Sie unter http://rsb.epfl.ch/.

Sabine Voser | EMPA
Weitere Informationen:
http://buiprojekte.f2.htw-berlin.de:1339/
http://rsb.epfl.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung
26.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa
26.07.2017 | Universitätsklinikum Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops