Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was Wimpern und Implantate zusammenhält

01.04.2014

Chemiker der Universität Jena entwickeln Bioklebstoff mit EXIST-Forschungstransfer Förderung

Die weißen Pülverchen in den Glaskolben erinnern ein bisschen an die Zutaten beim vorweihnachtlichen Plätzchenbacken. Doch was Chemikerin Dr. Jana Wotschadlo von der Friedrich-Schiller-Universität Jena gerade im Labor zusammenmischt, hat mit Küchenarbeit nichts zu tun.


Die Chemikerinnen Susanne Schmidt (l.) und Dr. Jana Wotschadlo von der Uni Jena entwickeln einen Schmelzkleber auf Stärkebasis. Ihr Gründerprojekt "dextrinova" wird vom Bund gefördert.

Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Stattdessen könnte das patentierte Pulver bald eine echte Marktlücke schließen: denn es handelt sich um einen neuartigen Klebstoff. Der verbindet nicht nur zuverlässig und schnell beinahe jedes Material. Er ist dazu noch leicht zu handhaben, biologisch abbaubar und ein reines Naturprodukt.

Um das Pulver in flüssigen Schmelzkleber zu verwandeln, muss er erhitzt werden. „Je nach Anwendungsgebiet können wir die Schmelztemperatur zwischen 40 und 250 °C einstellen“, erläutert Jana Wotschadlo. Die Wissenschaftlerin hat den Kleber aus Stärke und Fettsäuren in ihrer Doktorarbeit in der Gruppe von Prof. Dr. Thomas Heinze umfassend untersucht und mit unterschiedlichen Rezepturen experimentiert.

Die Ergebnisse sind so überzeugend, dass sich die junge Chemikerin nun mit der Neuentwicklung selbstständig machen möchte. Gemeinsam mit ihren Kollegen Dr. Tim Liebert und Susanne Schmidt vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Uni Jena sowie dem Diplomkaufmann Kurt Maier plant sie das Unternehmen „dextrinova“ zu gründen.

Dafür erhält das Gründerteam von heute (1. April) an eine Forschungstransfer-Förderung aus dem EXIST-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums – „dextrinova“ wird in den kommenden 18 Monaten mit rund 460.000 Euro finanziell unterstützt, um die Biokleber zur Marktreife weiterzuentwickeln.

Ziel dieser ersten Förderphase ist es, die Anwendbarkeit der Produkte in der Industrie z. B. zum „Niedrigtemperatur“-Schmelzkleben und als Medizinprodukt z. B. zum Kleben von Knochen zu untersuchen und die großtechnische Machbarkeit der Produktidee zu prüfen und die Gründung des Unternehmens vorzubereiten.

Läuft alles nach Plan, wollen sich die Chemiker anschließend um die zweite Förderphase bewerben, in der es dann um den Aufbau des Unternehmens und das Einwerben einer externen Anschlussfinanzierung geht. Dabei werden die Existenzgründer fachkundig unterstützt: So wird das Team von Prof. Dr. Thomas Heinze als Mentor und vom Gründerservice der Universität (K1 – Der Gründerservice) beraten und kann ein eigenes Büro im universitätseigenen Gründerzentrum nutzen.

Die Einsatzmöglichkeiten des neuen Klebstoffs sind vielfältig. „Je nach Rezeptur können wir die Schmelztemperatur, die Viskosität und die Haltekraft des Klebers variieren“, erläutert Wotschadlo. „Für den Anfang wollen wir uns auf industrielles energiesparendes Niedrigtemperaturkleben beispielsweise in der Verpackungsindustrie und auf die Kosmetikbranche konzentrieren“. So sei der Schmelzkleber u. a. sehr gut geeignet, um Haar- oder Wimpernverlängerungen anzubringen.

„Gerade dabei spielt die Hautverträglichkeit eine entscheidende Rolle“, so Wotschadlo. Hier sieht das Gründerteam auch den großen Vorteil ihres Produkts gegenüber bisher eingesetzten Klebstoffen, die „viel Chemie“ enthalten. Zukünftig sind Anwendungen in der Medizin- und Zahntechnik äußerst interessant, etwa als Knochenkleber oder zum reversiblen Fixieren von Implantaten.

Kontakt:
Dr. Jana Wotschadlo
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Universität Jena
Humboldtstraße 10, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 930867
E-Mail: jana.wotschadlo[at]uni-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte