Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warnemünder Meeresforscher erzielen Durchbruch bei der Entschlüsselung der Mikrobenwelt der Ostsee

19.09.2011
...und beweisen, dass Bakterien sich nicht an die Lehrbuchregeln zur Abhängigkeit der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren vom Salzgehalt halten.

...und entdecken den wohl häufigsten Organismus der Ostsee - ein bislang unbekanntes Bakterium.

In einer umfangreichen Messkampagne gelang es den Warnemünder Mikrobiologen Daniel Herlemann, Matthias Labrenz und Klaus Jürgens die gesamte Ostsee vom salzreichen Skagerrag im Südwesten bis zum Süßwasser des Bottnischen Meerbusen im Norden in hoher Auflösung zu beproben und die jeweiligen Bakterien-Gemeinschaften mittels modernster Hochdurchsatz-Sequenzierverfahren zu analysieren.

Damit nimmt die Ostsee in der Erforschung der mikrobiellen Meeresorganismen eine Vorreiterrolle ein: Erstmals konnte ein komplettes Seegebiet dreidimensional in Bezug auf seine mikrobiellen Bewohner inventarisiert werden.

Die Ergebnisse, die jetzt veröffentlicht wurden, sind überraschend: anders als die Tier- und Pflanzenwelt der Ostsee zeigt sich die Welt der Bakterien unbeeindruckt von den hier herrschenden wechselnden Salzgehalten. Während viele Organismengruppen mittlere Salzgehalte zwischen Süß- und Salzwasser, wie sie für die zentralen Ostsee typisch sind, meiden – was zu einem Artenminimum im Brackwasserbereich führt – kommen Bakterien hier in unverminderter Artenvielfalt vor. Zwar nehmen jenseits der fast vollmarinen, bzw. fast limnischen Randgebiete der Ostsee die für die jeweiligen Salzgehalte typischen Bakteriengemeinschaften in ihrer Artenvielfalt ab, aber anders als bei den Tieren und Pflanzen haben sich im Reich der Bakterien in den zentralen Bereichen der Ostsee, Arten angesiedelt, die sich an das Brackwasser angepasst haben.

Ein Bakterium fühlt sich besonders wohl in der zentralen Ostsee: der auffällig häufige Organismus gehört zur Gruppe der Verrucomicrobia, deren Vertreter bislang hauptsächlich in Seen und Böden gefunden wurde. Welche Funktion das jetzt neu beschriebene, sehr häufige Bakterium in der Ostsee übernimmt, ist den Forschern des IOW noch unklar. Es existieren keine kultivierten Vertreter und das nächstverwandte Bakterium der Verrucomicrobia, das in seinen Eigenschaften und Funktionen beschrieben ist, weicht in seiner entsprechenden Gensequenz immerhin um 12 % von dem neuen Organismus ab.

Die Ergebnisse zeigen, dass Bakterien den anspruchsvollen Übergangsbereich zwischen Süß- und Salzwasser in der Ostsee gut besiedeln können und hier, im Gegensatz zu den höheren Organismen, kein Artenschwund auftritt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Mikroorganismen durch ihre schnellere Anpassung ökologische Nischen besetzen können, die für höhere Organismen nur begrenzt zugänglich sind.

Die Ergebnisse wurden in dem folgenden Artikel publiziert: “Transitions in bacterial communities along the 2.000 km salinity gradient of the Baltic Sea” Daniel PR Herlemann, Matthias Labrenz, Klaus Jürgens, Stefan Bertilsson, Joanna J Waniek and Anders F Andersson. The ISME Journal , (published online 7 April 2011) | doi:10.1038/ismej.2011.41
Kontakte für Rückfragen:
Dr. Daniel Herlemann, 0381 / 5197 209
PD Dr. Matthias Labrenz, 0381 / 5197 378
Prof. Dr. Klaus Jürgens, 0381 / 5197 250
Sektion Biologische Meereskunde, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde
oder
Dr. Barbara Hentzsch, IOW; 0381 / 5197 102
Direktorat / Öffentlichkeitsarbeit, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Dr. Barbara Hentzsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.io-warnemuende.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wasserbewegung als Hinweis auf den Zustand von Tumoren
19.04.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden
19.04.2018 | Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics