Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Waldbäume sind gegen Wetterkapriolen abgesichert

19.03.2010
Wissenschaftler der Universität Basel erforschen die "innere Uhr" von Waldbäumen, die diesen genau sagt, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um auszutreiben.

Die Uhr schützt die Waldbäume vor zu frühem Spriessen - beispielsweise bei zufällig warmem Februar- und Märzwetter. Im Gegensatz dazu verfügen ihre zumeist exotischen Kollegen in den Gärten und Parks sowie viele Wiesenpflanzen nicht über diese biologische "Versicherung" und beginnen bei entsprechender Wärme zu blühen - mit oft fatalen Folgen.

Damit weisen die Forscher die Annahme zurück, dass ein wärmeres Klima in jedem Fall die Vegetation im Frühjahr fördert, wie sie im heute erschienenen "Science"-Magazin schreiben.

Christian Körner und David Basler vom Botanischen Institut der Universität Basel zeigen in ihrem Artikel auf, dass es falsch ist anzunehmen, dass ein wärmeres Klima in jedem Fall die Entwicklung der Vegetation im Frühjahr fördert. Dieser falsche Eindruck ist weit verbreitet, da die meisten Leute Parkbäume, Obstbäume, Wiesen, Äcker oder ihren Garten mit lauter exotischen Arten oder Pioniergehölze wie Weiden und Haseln vor Augen haben, denen allesamt das biologische "Versicherungssystem" fehlt, das die wichtigsten einheimischen Waldbäume davor schützt, sich von zufällig warmem Februar- oder Märzwetter zum falschen Zeitpunkt aus der Reserve locken zu lassen.

Eine Rotbuche hat einen sehr genauen astronomischen Kalender geerbt, der ihr sagt, ab welchem Kalenderdatum die Gefahr vorüber ist, dass ihr zarter Austrieb erfriert. Diese innere Uhr der Waldbäume ist genetisch verankert und wird zurzeit am Botanischen Institut an der Universität Basel erforscht. Die Arbeit ist ein Beitrag an das Nationale Forschungsprogramm Klima des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und wird von der privaten Velux-Stiftung gefördert. Im Science-Artikel weisen Christian Körner und David Basler auf die biologischen Grundlagen der jahreszeitlichen Baumentwicklung hin. Mit sogenannten "phänologischen" Beobachtungsdaten, die im Zuge der Klimaerwärmung immer wichtiger werden, beschäftigen sich viele Klimaforschende, die von diesen biologischen Grundlagen oft nichts wissen und daher oft irreführende Schlüsse ziehen.

Unsere Waldbäume haben über viele Jahrtausende evolutiv "gelernt", keinen "Falschmeldungen" bzw. Kapriolen des Wetters zu erliegen. Ein wärmeres Klima bringt sie daher im Frühjahr aus dem Takt. Im Boden regt sich alles und Nährstoffe werden von Mikroorganismen bereit gestellt, aber der Baum "weiss", die Zeit ist noch nicht reif und deshalb wartet er. Es dauert viele Baumgenerationen, bis Bäume sich einen neuen inneren Kalender zulegen. Die Schweiz mit ihren Bergwäldern bietet eine ideale Forschungsarena für diese Frage, da hier über kurze Distanz die Anpassung der Bäume an grosse Klimaunterschiede studiert werden kann.

Originalbeitrag
Christian Körner and David Basler
Phenology Under Global Warming
Science 19 March 2010 | Vol. 327. no. 5972, pp. 1461 - 1462 | DOI: 10.1126/science.1186473
Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Christian Körner, Botanisches Institut der Universität Basel, Schönbeinstrasse 6, 4056 Basel, Tel. 061 267 35 10, E-Mail: ch.koerner@unibas.ch

Reto Caluori | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://www.sciencemag.org/cgi/content/summary/327/5972/1461

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie